Die Erlebnisse der Fahrgäste

Bahn-Streik der GDL: Der große Pendler-Report

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Heike Lang (29) muss zum Flughafen.

München - Der Bahn-Streik stellt für 98 Stunden den Regional- und Fernverkehr sowie die S-Bahn in München auf den Kopf. Hier lesen Sie, was tz-Mitarbeiter und andere Pendler erlebten.

tz-Chef Rudolf Bögel

80 statt 45 Minuten mit dem Auto

Dass es heute auf dem Weg in die Arbeit wegen des Bahnstreiks eng werden würde, war ja klar. Ich fahre täglich aus einem kleine Ort in der Nähe von Fürstenfeldbruck in die Arbeit. Im Optimalfall brauche ich 30 bis 45 Minuten. Heute schon 7 Kilometer Stau zwischen FFB und Puchheim – fast eine halbe Stunde Zeitverlust. Freie Fahrt bis kurz vor den Gräfelfinger Tunnel auf der A96, dann Stop-and-Go, im Grunde bis zur Redaktion in der Paul-Heyse-Straße. Das Ergebnis: 1 Stunde 20 sagt der Bordcomputer.

tz-Chef Rudolf Bögel

tz-Chefreporter Andreas Beez

Verkehrte Pendler-Welt

Zwischen Oberschleißheim und dem Hauptbahnhof liegen circa 16 Kilometer. Es kommt nicht oft vor, dass man mit dem Radl doppelt so schnell ist wie mit dem Auto – aber am Donnerstag wurde diese seltene Zeitverschiebung noch übertroffen. Wenn man engagiert in die Pedale tritt, schafft man es in 45 Minuten vom Schloss bis in die Stadt. Viele Autofahrer brauchten an die zwei Stunden. Wer in Richtung Fasanerie unterwegs war, stand bereits im Stau, bevor er Schleißheim überhaupt verlassen hatte (Foto). Der Radlweg war – wen wundert’s bei diesem Sauwetter –wie leergefegt.

tz-Chefreporter Andreas Beez

tz-Reporter Tobias Scharnagl

Wenn die Lokführer streiken, fahren weniger Züge – und die sind dann hoffnungslos überfüllt. Klingt logisch, aber das genaue Gegenteil war am Donnerstag der Fall: Die wenigen Fahrgäste die sich Donnerstagfrüh in den Zug von Regensburg nach München verirrt hatten, saßen meist ganz allein in ihrem Abteil: „Toll, freie Platzwahl!“ Der Zug verließ den Bahnhof mit fünf Minuten Verspätung, unterwegs hielt er drei Minuten irgendwo in der Pampa, bis er schließlich zehn Minuten später als geplant in München einfuhr.

Tobias Scharnagl

Ágoston Nagy (33), July Kovacs (35) und April Kiss (28) aus Ungarn:

Ágoston Nagy (33), July Kovacs (35) und April Kiss (28) wollen nach Füssen.

"Wir kommen aus Ungarn und sind erst heute in München angekommen. Jetzt wollen wir weiter nach Füssen. Die Leute am Informationsschalter waren geduldig, als wir sie nach Zügen gefragt haben. Wir werden jetzt wahrscheinlich nach Alternativen suchen. Mal schauen, ob wir ein Leihauto bekommen können. Wir wissen zwar nicht, was genau der Grund für den Streik ist, aber wir finden es schon ok."

Heike Lang (29) aus München:

Heike Lang (29) muss zum Flughafen.

"Ich finde es langsam ein bisschen albern. Ich muss zum Flughafen, weil ich in den Kurzurlaub nach Madrid fliege. Damit ich es pünktlich schaffe, bin ich extra früh los gefahren. Meine Freunde, die auch mit fliegen, fahren alle mit dem Auto hin"

Simone Ladurner (50) aus Feldmoching:

Simone Ladurner (50) muss zur Arbeit nach Westkreuz.

"Ich fahre zur Arbeit von Feldmoching nach Westkreuz. Der Streik ist bescheuert. Ich finde das überhaupt nicht ok. Die machen doch alle, was sie wollen. Dass der Ersatzfahrplan funktioniert, glaub ich eher nicht."

Christian Oprean (34) aus München:

Christian Oprean (34) muss zur Arbeit zum Flughafen.

"Ich verstehe es schon, dass sie mehr Geld möchten. Für mich ist der Streik aber schlecht. Ich muss vom Kolumbusplatz zum Flughafen in die Arbeit fahren. Zum Glück hab ich morgen und übermorgen frei, mal schauen wie es am Sonntag dann ist."

Carolin Lossie (47) aus München:

Carolin Lossie (47) will nach Frankfurt.

"Für mich ist das völlig in Ordnung, dass die Lokführer streiken. Ich muss von München nach Frankfurt. Zur Sicherheit hatte ich mir noch ein Zusatzticket für den Fernbus gekauft, aber das brauche ich jetzt gar nicht. Der Zug ist doch schneller."

Simone Lösel (28), Studentin, Ottobrunn

Weniger Lohn

Der Streik ist unmöglich! Als Studentin arbeite ich nebenbei an einem Blumenstand am Viktualienmarkt. Jetzt komme ich zu spät, das geht vom Lohn ab, ich werde ja stundenweise bezahlt.

Kathi S. (32), Storemanagerin

Überrascht

Ich muss ausnahmsweise beruflich nach München und habe mich vorher über die Service-Auskunft der Bahn informiert. Und siehe da: mein Zug fährt!

Bernhard Gubo (44), Geschäftsführer

Muss fliegen

Morgen habe ich beruflich in Bremen zu tun. Dorthin wollte ich mit der Bahn, jetzt muss ich den Flieger nehmen – und das kostet mich 600 Euro mehr!

Marianne Hildebrand (70), Seniorin

Gelassenheit

Ich weiß noch nicht, wie ich abends zurück nach Hause kommen soll – das aber lasse ich einfach auf mich zukommen. Kein Problem. Ich habe ja nichts vor!

Cengiz Bozkus (41), Busfahrer aus Ottobrunn

Brauche Taxi

Um 8.33 Uhr wollte ich mit der S7 nach Siegertsbrunn. Aber die nächste S-Bahn kommt erst in 40 Minuten! Jetzt muss ich mit dem Taxi fahren. Der Streik ärgert mich, ich kann ja auch nicht streiken!

Martina Mihalova (33), angehende Kinderpflegerin

Muss in Schule

Ich fahre mit der S7 normal um 8.47 Uhr zur Donnersberger Brücke, dort mache ich eine Umschulung. Heute verpasse ich die erste Stunde und friere.

Sie pfeifen auf die Bahn

Die tz sprach mit Streikopfern, die andere Verkehrsmittel nutzten. Bus und Mietauto sind die besten Alternativen.

Gute Lösung

Ich besuche einen Freund in Konstanz. Statt mit der Bahn fahre ich mit dem Fernbus - Eine günstige und schnelle Alternative. Gut, dass man nicht auf ein Verkehrsmittel angewiesen ist. Hoffentlich nimmt das Chaos bald ein Ende.

Leander Dix (17), Schüler aus München

Eine Odyssee

Mein Zug-Ticket zurück nach Leipzig habe ich schon erstatten lassen. Damit ich den Bus noch erwische, bin ich am Morgen aus Starnberg extra früh losgefahren. Der Streik ist total überzogen. Jetzt bin ich den ganzen Tag unterwegs. Das ist eine wahre Odyssee.

Gertrud Großmann (62), aus Leipzig

Teurer Spaß

Ich sehe das nicht so eng. Gegen den Streik ist man eben machtlos. Über DriveNow habe ich mir ein Auto ausgeliehen. Günstig ist das nicht. Alleine für Anmeldung und Versicherung habe ich mehr als 100 Euro hingeblättert.

Athanassios Ourdas (30), Apotheker aus München

Fahre gratis

Es musste alles schnell gehen. Meine Kollegen und ich haben bei Sixt innerhalb von fünf Minuten einen Wagen gebucht. An der Sanitätsakademie absolvierten wir eine Wehrübung, jetzt geht‘s zurück nach Berlin. Das Geld für das Auto bekomme ich erstattet.

Jörg Oestmann (58), Reservist aus Berlin

Texte: Claudia Schuri/tz

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