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Bahn verlangt beim ICE bis zu 50 Prozent mehr

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Schnellen Hochgeschwindigkeitsverkehr lässt sich die DB teuer bezahlen.
Schnellen Hochgeschwindigkeitsverkehr lässt sich die DB teuer bezahlen. © dpa

Der Börsengang lässt grüßen! In den vergangenen vier Jahren hat die DB ihre Preise im Fernverkehr auf stark frequentierten Strecken weitaus stärker erhöht als bekanntgegeben.

Um bis zu 57 Prozent stiegen diese seit 2004, wie ein tz-Vergleich der aktuellen Bahnpreise mit denen der offiziellen DB-Fahrplan-CD für das Jahr 2004 belegt.

tz-Leser Michael R. hatte sich gewundert: Für eine Fahrkarte nach Fulda musste er im März 75 Euro bezahlen, deutlich mehr als bei seiner letzten Fahrt im Februar 2004. In seinen Steuerunterlagen fand er zu Hause die alte Fahrkarte: 60 Euro stand darauf. Ein satter Preissprung innerhalb von vier Jahren um 25 Prozent und das, obwohl die Strecke durch die Neubaustrecke Ingolstadt–München um 40 Kilometer kürzer geworden ist.

Die tz verglich daraufhin die Fahrpreise wichtiger Strecken für 2004 und 2008. Nach Mitteilung der DB hat diese dabei die Preise seit 2004 fünfmal um 3,4, 3,1, 2,9, 5,6 und 2,9 Prozent erhöht. Macht zusammen 17,9 Prozent. Bei unserem Vergleich stellte sich aber heraus: Auf wichtigen Strecken stiegen die Preise deutlich mehr: Z.B. verlangt die Bahn auf der Strecke München-Karlsruhe plötzlich 27,8 Prozent mehr (siehe Tabelle), ohne, dass hier das Leistungsangebot gestiegen ist. Im Gegenteil: Die Fahrzeit wurde in dem Zeitraum sogar verlängert.

Die Verkürzung der Reisezeit von München nach Berlin um eine Stunde durch die Neubaustrecke Ingolstadt–Nürnberg und die Ausbaustrecke Berlin–Leipzig lässt sich die Bahn mit einem Fahrpreisaufschlag von 30,3 Prozent bezahlen. Noch stärker langt sie zwischen Berlin und Hamburg zu, wo eine Neubaustrecke die Fahrzeit um 45 Minuten auf rund 90 Minuten verkürzt. Hier verlangt die Deutsche Bahn glatte 57 Prozent mehr.

Preissteigerung im Vergleich
Preissteigerung im Vergleich © Autor: Dix, Quelle: Hafas Online/DB 2008, DB-Fahrplan-CD HafasWinter 2004

Für Bahnsprecher Achim Stauß gehört das zur Geschäftspolitik: „Wir legen die Preise nach der Marktsituation fest. Wir können marktgerechte Preise verlangen, wo wir gute Leistungen bieten. Und wir können auf schlechter angebundenen Strecken mit Konkurrenz durchs Auto oder das Flugzeug mit den Preisen runter gehen.“ Außerdem gibt er zu bedenken: „Wir hatten vor 2004 in Zusammenhang mit dem Fahrpreis-System PEP unsere Preise um 15 bis 25 Prozent gesenkt, sodass wir erst im Jahr 2006 wieder das Preisniveau von 2002 hatten.“

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ findet die überproportionalen Preissteigerungen nur da gerechtfertigt, wo „es echte Leistungsverbesserungen gegeben hat“ wie etwa auf der Strecke von Hamburg nach Berlin. In anderen Fälle wie bei der Strecke München-Fulda findet der Bundesvorsitzende des Verbandes die 25-prozentige Erhöhung nicht gerechtfertigt.

Karl-Heinz Dix

Quelle: tz

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