„Zu uns kommen die Ärmsten der Armen“

Die Bahnhofsmission München feiert 120. Jubiläum

Die Bahnhofsmission München feiert 120. Jubiläum. Wir haben die Helfer von Gleis 11 besucht.

München - Es ist ruhig im Aufenthaltsraum der Bahnhofsmission. Ein bisschen wie beim Arzt. Jeder wartet, niemand spricht. Obwohl über 30 Hilfesuchende an den Holztischen sitzen. Erst als ein Obdachloser an der Brotausgabe ungeduldig seine Hand der Helfern entgegenreckt, bricht diese die Stille. „Moment – alle kommen dran“, sagt sie freundlich. Der Mann lächelt. Sie weiß: Wer die Bahnhofsmission aufsucht, will nicht nur eine Tasse Tee – sondern auch Zuspruch. „Zu uns kommen die Ärmsten der Armen“, erklärt Leiterin Bettina Spahn. Und es werden immer mehr…

Jessica Wolf schmiert Brote. Sie ist eine von zwölf hauptamtlichen Helfern.

Um rund 300 Menschen kümmern sich die Helfer am Gleis 11 des Hauptbahnhofs jeden Tag. Zum Vergleich: Vor ein paar Jahren waren es noch 200. Oft sind es Obdachlose, die nicht wissen wohin in der Weltstadt mit Herz. Immerhin gibt es 7700 Wohnungslose hier. „Gut 60 Menschen beraten wir am Tag auch in speziellen Gesprächen“, erklärt Bettina Spahn. Ein großer Teil der Gestrandeten ist zudem aus Osteuropa, sucht hier einen Job. Draußen – direkt zwischen Luxushotel und Taxistand – stehen sie dann später am Arbeiterstrich. Drei Euro bekommen sie teils pro Stunde auf irgendwelchen Baustellen, verrät Gojko (44), der aus einem Dorf nahe Sofia stammt. Er kommt öfter in die Mission, um sich dort ein Butterbrot und eine Tasse Tee zu holen. „Die Menschen sind immer nett“, sagt er.

Seit 120 Jahren gibt es die Hilfsstelle am Bahnhof. Ja, heuer ist Jubiläum. „Gefeiert wird aber nicht“, stellt die 2. Leiterin Simone Slezak klar. „Wir haben ja am Samstag unseren Tag der Offenen Tür. Ein Fest für alle Besucher sozusagen.“ Ende des 19. Jahrhunderts war die Bahnhofsmission noch eine Holzbaracke am Holzkirchner Bahnhof. Erst seit Ende der 80er-Jahre hilft man im Gebäude neben Gleis 11. Nachts wird der Aufenthaltsraum umfunktioniert. Dann werden Matten ausgelegt, damit dort obdachlose Frauen schlafen können.

Seit 22 Jahren arbeitet Bettina Spahn nun schon in der Mission. Eigentlich ist sie gelernte Krankenschwester. „Aber ich wusste immer, dass das hier mein Ort ist.“ Als Belohnung für ihre Arbeit sieht sie hauptsächlich den Dank der Gestrandeten. Aus aller Herren Ländern kommen manchmal Briefe: „Da steht dann drin, dass wir mal geholfen haben – und man sich nochmal bedanken will“, erzählt sie. Sogar 10 oder 20 Euro stecken manche in den Umschlag. „Diese Anerkennung freut einen schon –und von dem Geld kaufen wir Butter und Brot.“ 

Tag der Offenen Tür: Zum Tag der Bahnhofsmission öffnet die Stelle am Gleis 11 am heutigen Samstag ihre Türen und lädt alle ein, sich über die Arbeit der 12 haupt- und 150 ehrenamtlichen Mitarbeiter zu informieren – von 10 bis 16 Uhr.

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