GDL gnadenlos

Bahnstreik in München: Steht die S-Bahn vier Tage still?

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Die Lokführer streiken bald wieder - auch in München. Die Frage ist noch: Wann?

München/Frankfurt - Die GDL will bundesweit an mindestens vier Tagen die Arbeit niederlegen. Auch München droht ein harter Bahnstreik, wovon auch die S-Bahn betroffen sein wird.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat neuerliche Streiks bei der Deutschen Bahn angekündigt. Zu Zeitpunkt und Dauer machte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am späten Mittwochnachmittag in Frankfurt keine Angaben. Die Gewerkschaft werde den nächsten Ausstand „rechtzeitig ankündigen“ und auch dessen Länge bekanntgeben.

Vor der Entscheidung der GDL-Spitzengremien für die Wiederaufnahme von Bahnstreiks hatte Weselsky von rund 100 Stunden Arbeitskampf gesprochen. Auch in hochrangigen Gewerkschaftskreisen hatte es noch am Mittag gegenüber unserer Zeitung geheißen, der kommende Streik werde mindestens vier Tage dauern.

Zudem solle bundesweit und nicht nur in einzelnen Regionen die Arbeit niedergelegt werden. Ein GDL-Sprecher war nach Weselskys Rede für eine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung nicht erreichbar.

Letzter Bahnstreik traf München und Umland besonders hart

Beim letzten Bahnstreik im November hatten die Arbeitsniederlegungen der GDL München samt Umland besonders hart getroffen: Damals gelang es den Bahn-Verantwortlichen nur mühsam, an der Isar einen Notfahrplan aufrecht zu erhalten.

Diesmal droht den Fahrgästen im Nahverkehr durch den neuerlichen Bahnstreik ähnliches Ungemach: GDL-Sprecher Stefan Musiol hatte auf Nachfrage unserer Zeitung am frühen Nachmittag noch gesagt: „Natürlich wird von einem bundesweiten Streik auch die Münchner S-Bahn stark betroffen sein.“

Ein DB-Sprecher sagte, zum jetzigen Zeitpunkt könne man noch nicht sagen, welche Auswirkungen ein möglicher Bahnstreik in Oberbayern haben werde. Die GDL hatte im Herbst bereits sechsmal bundesweit zu Streiks aufgerufen. Sie trafen den Zugverkehr empfindlich.

Damals wurden die Bahnstreiks mindestenes 24 Stunden zuvor angekündigt. Die Münchner S-Bahn verkehrte in der Regel immerhin zumindest im Stundentakt. Schließlich gibt es im Freistaat nach wie vor viele verbeamtete Lokführer – und die dürfen nicht streiken. Die Folgen Bahnstreiks verschärfen könnte die Grippewelle, die derzeit ohnehin den S-Bahnbetrieb massiv erschwert.

GdL-Chef verteidigt Bahnstreik im ZDF

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat die Entscheidung für einen siebten Streik im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn verteidigt. "Ja, es muss sein", sagte Weselsky am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Angaben zum Beginn und zur Dauer des Streiks wollte der Gewerkschaftschef nicht machen. Die GDL werde ihn aber rechtzeitig ankündigen. "Wir streiken für etwas, was uns zusteht", sagte er.

Auf die Frage, ob ein rund hundertstündiger Streik geplant sei, sagte Weselsky dem Nachrichtensender n-tv: "Was wir können, ist das eine, was wir tun werden, ist das andere." Immerhin habe das Hessische Landesarbeitsgericht im November einen geplanten 109-stündigen Streik der GDL im November für rechtens erklärt, erinnerte er.

GdL-Chef zu Bahnstreik: Andere Alternativen suchen!

Steigen Pendler bei einem Bahnstreik in München besser auf U-Bahn, Bus und Tram um? Der GdL-Chef Weselsky hat am Donnerstag im rbb-Inforadio empfohlen, angesichts möglicher Streiks Alternativen zur Deutschen Bahn zu suchen:

"Sie wissen, dass es Alternativen (zur Bahn; Anm. d. Red.) gibt. Es ist ja mittlerweile im Eisenbahnverkehrsmarkt nicht mehr so, dass nur die Deutsche Bahn AG den Verkehr macht. Wir haben ganze Regionen, wo die Wettbewerber der Bahn den Verkehr ganz normal durchführen, weil wir mit denen keine Auseinandersetzungen haben."

Im Hinblick auf München müssten die Pendler im Falle eines Bahnstreiks also auf U-.Bahn, Tram und Bus umsteigen. Diese Verkehrsmittel werden von der MVG betrieben. Allerdings: Bei einem Bahnstreik dürften diese Beförderungsmittel überfüllt sein - wie das schon bei anderen Streiks der Fall war. Unter Umständen können die einfahrenden U-Bahnen, Busse und Trambahnen dann aus Platzmangel nicht alle wartenden Pendler aufnehmen. So wird der Weg zur Arbeit alles andere als ein Vergnügen.    

Weselsky betonte weiter, er vertrete als Gewerkschafter die Mitglieder in allen Eisenbahnunternehmen: "Ich bin nie automatisch verbandelt mit der Deutschen Bahn AG."

lill 

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