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Besondere U-Bahn: Bahnwärter Thiel wird mit zwei alten Waggons ausgestattet

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Der U-bahn Waggon wird von Fröttmaning zum Bahnwärter Thiel transportiert.
Der U-bahn Waggon wird von Fröttmaning zum Bahnwärter Thiel transportiert. © Oliver Bodmer

Stolze zehn Tonnen wiegt allein ein U-Bahn-Waggon. Der Bahnwärter Thiel in München kann sich nun über zwei ganz besondere Exemplare freuen. Sie wurden aus Fröttmaning transportiert.

München - Es knarzt und ächzt. Langsam spannen sich die Seile, und schon baumelt der hintere Teil des -U-Bahnwaggons in Schieflage. „Alles wieder runter!“, hallt es über das U-Bahn-Betriebszentrum der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in Fröttmaning. Erst beim fünften Anlauf klappt es endlich - der erste Waggon ist sicher auf dem Lastwagen. 

„Wir haben zehn Jahre versucht, U-Bahnwaggons zu bekommen. Umso größer ist jetzt die Freude, dass es endlich geklappt hat“, sagt Daniel Hahn (27), Mitgründer der Kulturstadt Bahnwärter Thiel. Einer der zwei Wagen wird zur Künstlerkantine umfunktioniert, der zweite auf Säulen in schwindelerregender Höhe (vier Meter) als sogenannter „Open Workspace“ genutzt - die wohl höchste U-Bahn Münchens. Der Vorteil: neue Inneneinrichtung, ein wenig Farbe - und fertig sind die neuen Räume. 

Der U-bahn Waggon wird von Fröttmaning zum Bahnwärter Thiel transportiert.
Der U-bahn Waggon wird von Fröttmaning zum Bahnwärter Thiel transportiert. © Oliver Bodmer

Die U-Bahnwaggons wiegen stolze zehn Tonnen pro Stück. Da braucht es beim Verladen ganz schön viel Kraft, Fingerspitzengefühl und Präzision, um ja keinen Kratzer in die Prachtstücke zu machen. Kein Wunder also, dass es bei den Arbeiten am Vormittag immer wieder Verzögerungen gibt - um 9.30 Uhr fangen sie mit dem Verladen an, um 14 Uhr rollen endlich die beiden Laster vom Werksgelände. Dann liegt rund eine Stunde Fahrt zum neuen Standort vor dem Team. 

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Bahnwärter Thiel: Ort für verschiedenste Formate aus Kunst und Kultur

Und wie kommt man an so ein Gefährt? „Die Waggons werden nach ungefähr 60 Jahren ausrangiert und ausgeschrieben“, sagt Kilian Laubacher (40), Mitarbeiter in der Arbeitssteuerung der MVG. Ein alter U-Bahnwaggon ist sogar günstiger als ein Kleinwagen: „3000 Euro, also den Metallwert, zahlt man“. Für Hahn fing mit dem Kauf die Arbeit erst an. Zuerst dachte er an gusseiserne Säulen als Auflager für die Hochbahn. Klappte aber nicht - die Statik erfordert Betonpfeiler. 

Ganz schön viel Arbeit für möglicherweise wenig Zukunft! „Unser Mietvertrag läuft 2022 aus. Danach wissen wir nicht, wie es weitergeht. Das ist natürlich echt schade. Vor allem, weil wir so viel Geld und Zeit investieren“, sagt Hahn. Und: „Das Bahnwärter-Thiel-Projekt ist noch lange nicht fertig, in Zukunft soll auch noch eine Straßenbahn hinzukommen“. 

Der U-bahn Waggon wird von Fröttmaning zum Bahnwärter Thiel transportiert.
Der U-bahn Waggon wird von Fröttmaning zum Bahnwärter Thiel transportiert. © Oliver Bodmer

Der Bahnwärter Thiel existiert seit 2015 und ist ein Ort für die verschiedensten Formate aus Kunst und Kultur: Museum, Theater, Club, Bar und Atelier werden hier miteinander verbunden. Ein weiteres Schmankerl aus Hahns Ideenfabrik ist die Alte Utting auf der Sendlinger Eisenbahnbrücke.   

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A. Ulbricht, A. Pazur

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