Gemeinsame Heimat für Orchester?

Baldige Klarheit in der Konzertsaal-Frage

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Einig: Ministerpräsident Seehofer (li.) und OB Reiter.

München - Die Chefs von Freistaat und Stadt München wollen wissen, ob es eine gemeinsame Heimat der zwei großen Münchner Orchester geben kann. Die Entscheidung soll bald fallen.

Die Frage, ob es einen zweiten Konzertsaal in München geben wird, soll spätestens bis Jahresende entschieden sein. Das haben Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gestern nach einem Treffen im Rathaus der Presse mitgeteilt. Sie erkoren die Klärung dieser Frage zu einem gemeinsamen Projekt. „Wir haben mit den Philharmonikern und den BR-Symphonikern Weltorchester“, sagte Seehofer. „Entweder wir finden eine Lösung für einen gemeinsamen Standort oder schauen, wie wir uns auf der Suche nach einem zweiten Saal gegenseitig unterstützen können.“

„Freundschaftliche Zusammenarbeit“ stehe nun endlich im Vordergrund. „Wir haben jetzt zwei bis drei wahlfreie Jahre“, so der Ministerpräsident. „Das erhöht die Möglichkeit, ohne Eitelkeiten die Dinge gemeinsam auszuleuchten.“ Die Fachleute von Kunstministerium und Stadtverwaltung sollten sich abstimmen und mit den Münchner Philharmonikern sowie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks reden, ob beide Orchester unter einem Dach existieren könnten oder nicht. „Wenn das geschehen ist, werden wir uns nochmal überlegen, ob das realistisch ist“, sagte Seehofer. Reiter betonte, man müsse bei der Prüfung „ein bisschen aufs Gas treten und das klären, bevor wir eine Entscheidung treffen, die den Steuerzahler mehrere hundert Millionen Euro kostet“.

Mit dem gemeinsamen Dach scheint in erster Linie die Philharmonie im Gasteig gemeint zu sein – kein gemeinsamer neuer Saal. Auf Nachfrage verteidigten Reiter wie Seehofer den Gasteig als Standort der Philharmonie vehement. „Nicht mal andeutungsweise“ habe man die Idee, ihn aufzugeben, sagte der Ministerpräsident. Auch die Frage, ob der Freistaat sich gegebenenfalls an den Kosten einer Generalsanierung (300 Millionen Euro) des Gasteigs beteiligen würde, verneinte Seehofer nicht. Er zögerte mit der Antwort und sagte: „Ich will drüber reden.“

Gleichzeitig betonte er, wenn es nicht zu einem gemeinsamen Haus kommen sollte, freue er sich „auf die Unterstützung der Stadt“ bei der Suche nach einem Standort für einen zweiten Saal für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Der einzige konkrete Standortvorschlag bislang – vor dem Deutschen Museum – sei auf Widerstand gestoßen. Für ein solches Projekt müsse man aber das Herz der breiten Mehrheit gewinnen. „Wir wollen mit einem Konzertsaal ja nicht München in seinem Erscheinungsbild schädigen. Es soll ein Gewinn sein für die Landeshauptstadt.“ Ein BR-Sprecher sagte gestern auf Anfrage: „Wir setzen auf das konstruktive Miteinander von Freistaat und Stadt.“

Dass beide Orchester im Gasteig unterkommen, gilt freilich als unwahrscheinlich. Eine Studie hat bereits 2010 attestiert, dass dies nicht möglich sei. Das BR-Symphonieorchester, ein Ensemble von Weltrang, will außerdem endlich seine eigene Spielstätte mit ordentlicher Akustik. Brigitte von Welser, die Chefin im Gasteig, hat unserer Zeitung deswegen kürzlich erklärt, man plane die Generalsanierung der Philharmonie nur für ein Orchester. Ob sich daran durch die gestrige Erklärung von Seehofer und Reiter etwas ändert, darf bezweifelt werden. Doch wolle man endlich Klarheit, sagte der Ministerpräsident. „Das ist ja eine Uralt-Geschichte.“

Johannes Löhr

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