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Miese Masche mit falschen Polizisten: Bandenbetrüger erbeuten Gold und Geld von Münchner Seniorinnen

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Von: Claudia Schuri

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Wegen Bandenbetrugs müssen sich drei junge Männer vor dem Landgericht München I verantworten.
Wegen Bandenbetrugs müssen sich drei junge Männer vor dem Landgericht München I verantworten. © Sigi Jantz

Es ist eine hinterhältige Masche: Betrüger geben sich als falsche Polizisten auf, um Senioren um ihr Vermögen zu bringen. Nun muss sich eine Bande vor Gericht verantworten.

München - Das Geld, das Gold – alles weg. Zwei Münchnerinnen haben große Vermögen verloren: Vergangenes Jahr wurden zwei Seniorinnen, damals 94 und 84 Jahre alt, Opfer einer Betrügerbande. Der Schaden: 90.000 Euro in bar und mehrere Goldbarren, die zu der Zeit insgesamt rund 475.000 Euro wert waren.

Jetzt müssen sich drei Männer wegen Bandenbetrugs vor dem Landgericht München I. verantworten. Sie sollen Teil einer Gruppe mit weiteren unbekannten Tätern gewesen sein, die nach einer miesen Masche arbeitet: Anrufer aus einem Callcenter in der Türkei geben sich als Polizisten aus und behaupten, gegen Betrüger zu ermitteln. Sie melden sich vorrangig bei älteren Personen und erzählen diesen, auf einer Liste von Verbrechern zu stehen. Die falschen Polizisten bitten ihre Opfer darum, mitzuhelfen, um den Tätern eine Falle zu stellen.

So brachten sie im Juni 2020 die 94-Jährige dazu, 90.000 Euro in einer Plastiktüte verpackt vor ihrer Wohnung abzulegen. Die Frau dachte, dass das Geld dort von einem Polizisten abgeholt werde. Im Juli überzeugten sie außerdem die 84-Jährige, Goldbarren aus ihrem Bankschließfach abzuholen. Sie deponierte das Gold im Wert von 475.000 Euro im Vorraum eines Mehrfamilienhauses – im Glauben, dass die Polizei so einen Einbrecher auf frischer Tat festnehmen könnte. Stattdessen schnappten sich die Betrüger das Geld und das Gold.

München: 72-Jährige erkannte den Betrug und verständigt die Polizei

In August startete die Bande einen neuen Versuch – doch der ging zum Glück schief: Eine damals 72-Jährige erkannte den Betrug und verständigte die Polizei. Die Münchnerin packte statt Geld und Wertgegenstände Haushaltsmüll in den Beutel, den sie vor ihrem Anwesen abstellte. So konnten Polizisten* Kirill F. (22) festnehmen, als dieser die Beute abholen wollte. Neben ihm sind zudem Bilal S. (24) und Fadel H. (19) aus Berlin angeklagt.

Bilal S. soll als Logistiker den Abholer zu den Orten geschickt und mit Tatmitteln wie Handys und Sim-Karten ausgestattet haben. Er soll zudem eine direkte Kontaktperson zu dem türkischen Callcenter sein. Fadel H. wiederum soll als Vermittler zwischen Kirill F. und Bilal S. unter anderem die gemeinsamen Treffen organisiert und zum Teil auch Tatmittel übergeben haben. Die Aufgabe von Kirill F. war, die Beute entgegen zu nehmen und über unbekannte Mittäter an die Hintermänner weiterzuleiten. Für die erste Tat bekam F. zwischen 2000 und 2500 Euro, für die zweite Tat waren ihm laut Anklage 7000 Euro versprochen. Diese erhielt er aber seinen Angaben zufolge nicht.

München: Angeklagte legen über Anwälte Geständnis ab

Alle drei Angeklagten gestanden am ersten Prozesstag über ihre Anwälte die Taten. Der 19-jährige Fadel H. ließ erklären, „dass er sein Verhalten außerordentlich bedauert.“ Er habe kein Geld bekommen, sondern es sei ihm um Ansehen im Bekanntenkreis gegangen. Kirill F. dagegen hat laut seinem Anwalt ein Drogenproblem und „konnte seinen Geldbedarf nicht auf legalem Wege decken“. Auch Bilal S. Anwalt sagte: „Die Anklage ist richtig.“ Sein Mandant habe zwar nicht gewusst, wer die Geschädigten sind. „Aber es war klar, dass es um falsche Polizeibeamten geht.“ Der Prozess dauert an. Die Angeklagten sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Einen Verständigungsvorschlag des Gerichts nach einem Rechtsgespräch lehnte die Staatsanwaltschaft ab.

Trickbetrüger werden angeblich immer einfallsreicher, um ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Münchner Polizei München schlug zuletzt Alarm.*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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