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Bandenbetrug: Falscher Polizist zockte Münchner Senioren 266.000 Euro ab - Rentnerin nahm sich sogar das Leben

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Von: Andreas Thieme

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Hamit Ö. (30) wurde zu einer Haftstrafe verurteilt
Hamit Ö. (30) wurde zu einer Haftstrafe verurteilt © SIGI JANTZ

Hamit Ö. (30) hat Münchner Senioren abgezockt - er war Teil einer Bande von sogenannten „falschen Polizisten“. Jetzt muss der Betrüger in Haft: Das Landgericht verurteilte ihn zu sechs Jahren und neun Monaten.

München - Jedes Jahr prellen falsche Polizisten Senioren um Millionen - die Masche ist bekannt, doch die Betrüger sind gewieft und machen hohe Beute. Mit Hamit Ö. (30) wurde ein Bandenmitglied gefasst und der Prozess gemacht. Die 8. Strafkammer des Landgerichts hat ihn zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt - unter anderem wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in sechs Fällen und wegen Amtsanmaßung. Zudem wurde seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 266.000 Euro angeordnet.

Zur Überzeugung des Gerichts schloss sich der Angeklagte mit weiteren Mittätern zu einer Bande zusammen, um Betrugstaten als „falsche Polizeibeamte“ zu begehen. Nach den Feststellungen der Kammer nahmen Mittäter des Angeklagten im Oktober und November 2020 in insgesamt sechs Fällen zu den späteren Geschädigten telefonisch Kontakt auf, wobei sie sich als Polizeibeamte ausgaben und die Geschädigten durch Vorspiegelung einer angeblichen Gefahrenlage dazu veranlassten, Geld und Wertgestände an den Angeklagten zur sicheren Verwahrung zu übergeben. Insgesamt erbeutete der Angeklagte, der nach dem gemeinsamen Tatplan als Abholer fungierte, nach den Feststellungen des Gerichts Bargeld und Gegenstände mit einem Wert von ca. 266.000 Euro.

Der vorsitzende Richter hob in seiner Urteilsbegründung hervor, dass der Hamit Ö. den Geschädigten erhebliche finanzielle Schäden zugefügt hat. Einer 80-Jährige, der zur Überzeugung des Gerichts ein Schaden in Höhe von etwa 156.000 Euro entstanden war, nahm sich 14 Tage später unter anderem deswegen das Leben.

Zugunsten des nicht vorbestraften Angeklagten würdigte das Gericht ein von Schuldeinsicht und Reue getragenes Geständnis. Zu seinen Gunsten wirkte sich ferner aus, dass der Angeklagte als Abholer überwiegend auf fremde Anweisung handelte. Zu seinen Lasten wirkte sich der sehr hohe Schaden, die zum Teil erheblichen Folgen für die Geschädigten und die erhebliche kriminelle Energie aus, die bei den Taten aufgewendet wurden.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat das Urteil aber angenommen und auf Rechtsmittel verzichtet. Der Staatsanwaltschaft steht das Rechtsmittel der Revision zu, das innerhalb von einer Woche ab heute eingelegt werden müsste.

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