Buddhisten sind empört

Protest in Bangkok wegen Münchner Buddha Statue

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Aufsehen erregend: Eine Passantin betrachtet das Kunstwerk "Made in Dresden" von Han Chong am Viktualienmarkt.

Bangkok/München - Der liegende Buddha am Viktualienmarkt löst internationale Proteste aus. Am Dienstag demonstrierten Buddhisten vor der Deutschen Botschaft in Bangkok. Das Kunstwerk verletze religiöse Gefühle.

Sogar in Thailands Hauptstadt erregt der liegende Buddha vom Münchner Viktualienmarkt nun schon die Gemüter. Gestern protestierten Buddhisten mit Plakaten vor der deutschen Botschaft in Bangkok. Auf den Transparenten stand etwa: „Buddha-Standbild ist kein Möbel“ und „Respekt ist Menschenverstand“. Thailändischen Medienberichten zufolge hat das Kultusministerium in Bangkok die Münchner Behörden aufgerufen, die Statue zu entfernen.

Bereits am vergangenen Mittwoch schickte die Botschafterin Thailands in Berlin, Nongnuth Phetcharatana, einen Brief an Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). „Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass für Buddhisten aus Thailand und der ganzen Welt nicht nur die Lehre, sondern auch das Bildnis Buddhas eine herausragende Bedeutung hat“, schreibt Phetcharatana. Diese Achtung finde auch Ausdruck in der Art, wie man mit dem Bildnis umgehe. „So wird ein Buddhist eine Figur Buddhas etwa stets auf eine erhöhte Position platzieren.“ Die gekippte Darstellung in München stelle für viele Gläubige weltweit „eine Respektlosigkeit“ demgegenüber dar, „was Buddhisten in größter Hochachtung halten“.

Wie berichtet, beschweren sich die Buddhisten der Stadt über die goldene 500-Kilo- Figur, seit sie am 6. Mai auf dem Viktualienmarkt aufgestellt wurde. Das Kunstwerk „Made in Dresden“ von Han Chong ist Teil der Reihe „A Space Called Public – Hoffentlich öffentlich“, die vom Münchner Kulturreferat veranstaltet wird. Der Künstler hat die Figur liegend platziert, um die Inschrift mit dem Produktionshinweis auf der Unterseite lesbar zu machen: „Made in Dresden“. Hintergrund: Buddha-Figuren sind heute oft nur noch Dekorationsartikel und Souvenirs fern des spirituellen Kontexts. Darauf will Han Chong mit der Skulptur hinweisen. Der Name des Werks rührt daher, dass die meisten Kitsch- Buddhas für Europa in Dresden fabriziert werden.

Auch Buddhisten seien gegen den Kitsch, bestätigt Boonnim Roll von der Deutsch-Thailändischen Vereinigung Wat Thai in München. „Aber diese Darstellung ist deswegen nicht gerechtfertigt.“ Roll bezweifelt, dass Han Chong selbst Buddhist ist, wie die Stadt München erklärt. „Zumindest kann er noch nie einen Tempel von innen gesehen haben. Jeder Buddhist weint, wenn er die Skulptur sieht – es ist, als würde man seinen Vater entehren.“ Auch die Thailändische Honorarkonsulin in München, Barbara Riepl, hat sich bereits schriftlich an OB Ude gewandt: „Auch ich wäre erzürnt, wenn man eine Jesusstatue auf den Boden ablegen würde, als Sitzplatz für Touristen.“ Ude antwortete, es sei keinesfalls die Absicht der Stadt und des Künstlers, religiöse Gefühle zu verletzen. Zensieren wolle man gleichwohl nicht: „Die Stadt München ist offen für Diskusionen, dazu gehört auch die Offenheit und Toleranz gegenüber künstlerischen Positionen.“

Der Meinung ist man auch auch im Kulturreferat. Marc Gegenfurtner, persönlicher Mitarbeiter von Kulturreferent Hans-Georg Küppers, betont, man werde die Figur wie geplant bis 30. September stehen lassen: „Wir sind dafür da, Kunst zu ermöglichen, nicht, sie wegzuräumen.“ Tatsächlich habe er in den vergangenen Jahren nie einen vergleichbaren Protest gegen ein Kunstwerk in München erlebt. Doch habe man neben dem Buddha Faltblätter ausgelegt, um die Figur zu erklären. „Noch im Juli“ werde man eine Diskussionsveranstaltung anberaumen, an der sich hoffentlich viele Buddhisten beteiligten.

Die Protestaktionen am Viktualienmarkt gehen derweil weiter. Für das kommende Wochenende kündigen mehrere buddhistische Vereinigungen eine Unterschriftenaktion an, Beginn ist am Samstag um 10 Uhr neben dem Buddha. Wat Thai hat für Sonntag, 13. Juli, eine Demo angemeldet. Auch die Protestierenden in Bangkok haben ankündigt, sie würden „den Protest verschärfen“, sollte der liegende Buddha nicht unverzüglich abgebaut werden.

Von Johannes Löhr

Protest in Bangkok gegen eine Buddha-Statue in München

Protest in Bangkok gegen Buddha in München

Mehr zur Buddha-Statue am Viktualienmarkt:

Ärger um den Buddha vom Viktualienmarkt

Dieser Buddha liegt jetzt am Viktualienmarkt

Bangkokpost: 'Fallen Buddha' image raises ire

dpa

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