Sparkasse dünnt Filialnetz aus

Bankensterben in München: Ab März wird das Filialnetz dünner

Im September hatte es die Stadtsparkasse angekündigt – im März geht es los: Das Filialnetz wird ausgedünnt. Wir klären auf, welche Filialen dicht machen, wo nur teilweise offen bleibt und wo es Selbstbedienung gibt.

München - Viele Kunden der Stadtsparkasse München haben in diesen Tagen Post bekommen. „Als moderner Finanzdienstleister ist es unser Ziel, Ihnen stets den besten Service und die beste Beratung zu bieten“, heißt es da. Klingt gut. Durch die Blume teilt die Sparkasse ihren Kunden so aber mit, dass einige Filialen in Zukunft nur noch in Teilzeit geöffnet haben – oder sogar komplett schließen!

Tatsache ist: Ab März gibt die Sparkasse fünf Standorte auf, zwölf weitere werden in Selbstbedienungs-Filialen umgewandelt (also mit Automaten statt Personal). Letztlich bleiben noch 58 bemannte Geschäftsstellen übrig – zehn davon als Teilzeitfiliale. Bisher waren es noch 75.

Die Bank argumentiert, dass sich die Anforderungen der Kunden geändert hätten. „Die meisten Münchner nutzen für ihre Bankgeschäfte inzwischen am liebsten Online-Banking und Apps“, heißt es in dem Brief. Und Sprecher Joachim Fröhler ergänzt auf tz-Nachfrage: „Die Stadtsparkasse München bietet auch nach Einführen ihres neuen Vertriebskonzepts ab März 2018 weiterhin das dichteste Bank-Filialnetz im gesamten Stadtgebiet.“

Das stimmt zwar – dennoch hat die öffentlich-rechtliche Bank ihr Filialnetz zuletzt mehr als halbiert. Von 130 Zweigstellen im Jahr 2009 sind nur noch 58 übrig. Im Jahr 2010 hatte die Sparkasse 30 ihrer damals 130 Filialen in Selbstbedieung umgewidmet. „Weitere Umwandlungen haben wir nicht vor“, sagte der damalige Sparkassenchef Harald Strötgen seinerzeit. Ende 2013 hatte die Bank neun ihrer damals noch 89 Münchner Filialen in SB-Filialen umgewandelt. Damals versicherte Sparkassen-Chef Ralf Fleischer zwar, das Filialnetz sei ihm heilig. Er sagte aber auch: „Ob wir in zehn Jahren noch 80 Filialen haben werden, kann ich heute nicht sagen. Diese Entscheidung trifft allein der Kunde. Wenn er nicht mehr kommt, müssen wir uns irgendwann fragen, ob wir alle Standorte aufrecht erhalten können.“

Diesen Schritt geht die Sparkasse jetzt. Im letzten Jahr hatte die Bank messen lassen, wie viele Kunden in die Filialen kommen. „Unter rein betriebswirtschaftlichen Gründen hätten eigentlich 32 Filialen schließen müssen“, so Fleischer. Weil er den öffentlichen Auftrag ernst nehme, habe er aber nicht so weit gehen wollen.

Auch andere Banken dünnen ihre Filialnetze aus

Die Filialschließungen der Sparkasse passen ins Bild der Zeit, auch Konkurrenten dünnen ihre Netze aus. Besonders heftig hat die HypoVereinsbank hingelangt. Sie machte 2014 einen radikalen Schnitt: In München machten 40 von 100 Filialen dicht. „Die verbliebenen Filialen sind komplett modernisiert worden“, sagt ein Sprecher.

Andere haben ihre Filialzahl allerdings stabiler gehalten. So etwa die Commerzbank. „Wir halten entgegen dem Trend an unseren Filialen fest“, sagt ein Sprecher. 34 sind es derzeit im Stadtgebiet, 2012 waren es noch 36. Trotzdem hat auch die Commerzbank ihren Anteil im Filialsterben in der Stadt. Denn nach der Fusion mit der Dresdner Bank mussten einige Filialen schließen.

Recht stabil ist die Zahl der Postbank-Filialen. Derzeit betreibt sie in München 29 Zweigstellen. 2012 waren es 31. Um Komplettschließungen zu verhindern, experimentiert die Postbank auch mit Kleinstfilialen, die man mit einer Person betreiben kann. Gegen Trend gewachsen ist die Sparda-Bank. Derzeit betreibt die Genossenschaftsbank in München 20 Geschäftsstellen, vor zehn Jahren waren es 16. „Wir haben erst 1992 damit begonnen, Filialen einzurichten“, sagt Christine Miedl von der Sparda-Bank. Seitdem erweitert die Bank ihr Filialnetz.

„Die Strategien der einzelnen Banken sind sehr unterschiedlich“, sagt Anne von Dülmen vom Bankenverband. Bei Privatbanken stehe immer die geschäftspolitische Entscheidung im Mittelpunkt. Von Dülmen: „Wir leben in einer Welt, die sich permanent ändert – das tun Banken auch.“

Bald mit dem Bus zur Bank

Theresia Bader war ihrer Bank stets eine treue Kundin. Seit über dreißig Jahren parkt die Seniorin ihr Geld bei der Stadtsparkasse am Hart. Die 74-Jährige blieb ihrer Bank treu, als die Filiale an der Ingolstädter Straße abgerissen wurde, als auf der Wiese nebenan kleine Container aufgestellt wurden – und auch, als die Geschäftsstelle vor etwa zwei Jahren wieder eröffnete. Jetzt soll das Haus seine Türen für immer schließen. Und in der Filiale an der Weyprechtstraße gibt’s bald nur noch ein SB-Terminal. „Wie soll ich denn künftig Bankgeschäfte tätigen?“, fragt Bader, „ich hab’ ja nicht mal einen Computer daheim.“ Bis jetzt konnte die Seniorin ganz gemütlich zu ihrer Bank laufen. „Oder mein Mann hat mich gefahren“, erzählt sie. „Aber wenn der mal nicht mehr Auto fahren kann, wird’s schwierig.“ Schließlich sei die nächstgelegene Filiale nur mit dem Bus zu erreichen. „So weit radeln kann ich nicht mehr – schon gar nicht nach der Hüft-OP.“

Theresia Bader: Ihre Filiale macht dicht – und sie hat keinen Computer.

Ansprechpartner fehlt

„Die Bankfiliale bei mir in der Nähe hat gerade zugemacht. Das finde ich ziemlich unpraktisch, denn selbst zum Geld­automaten muss ich jetzt viel weiter fahren. Ich nutze zwar das Online-Banking, aber manchmal wäre ein direkter Ansprechpartner schon nicht schlecht. Das fehlt mir jetzt, das macht die Sache ziemlich kompliziert.“

Patrick Müller (23), Auszubildender zum Physiotherapeuten, München.

Fast nur noch Automaten

„Bei mir auf dem Land merke ich das Bankensterben ganz deutlich. Bei uns sind viele Banken zusammengeschlossen worden, es gibt fast nur noch Automaten. Einerseits ist das in Ordnung, schließlich nutzen die meisten Menschen Online-Banking. Trotzdem gibt es auch Dinge, die man in einem persönlichen Gespräch klären möchte – wie zum Beispiel die Aufnahme eines Kredits.“

Monika Martin (49), Hausfrau aus Erkheim.

Für Ältere ist es schwer

„Ich kann es gut nachvollziehen, dass so viele Filialen schließen: Die haben ja immer weniger zu tun. Wie bei allen Betrieben verlagert sich alles mehr ins Online-Geschäft. Jeder nutzt nur noch das Online-Banking. Für mich ist das kein Problem, ich mache auch alles online. Aber gerade für ältere Menschen, die sich damit nicht auskennen, stelle ich es mir recht schwer vor.“

Michael Stefan (72), Rentner, München.

Von Angesicht zu Angesicht

„Ich gehe selten in die Filiale, nutze vorwiegend Online-Banking. Trotzdem bringt die Verlegung ins Digitale auch Schwierigkeiten mit sich, wie zum Beispiel den Stellenabbau. Und bei speziellen Problemen ist es manchmal auch nützlich, wenn man sie von Angesicht zu Angesicht besprechen kann, zum Beispiel Kredite oder Anlagegeschäfte. Einmal hatte ich Probleme mit meiner Karte: Da war ich auch froh, dass ich mich an jemanden wenden konnte.“

Oliver Hummel (41), Grafiker, München.

Die Münchner Filialnetze

Bank

Aktuell

Früher

Stadtsparkasse

58 (ab März)

130 (2009)

HypoVereinsbank

40

100 (2013)

Commerzbank

34

14 Commerzbank & 35 Dresdner Bank (2008)

Postbank

29

31 (2012)

Münchner Bank

28

34 (2008)

Sparda Bank

20

16 (2008)

Deutsche Bank

15

23 (2008)

Diese Filialen machen zu

  • Leuchtenbergring 5
  • Ingolstädter Straße 101
  • Allacher Straße 98
  • Wagmüllerstraße 19
  • Oskar-Maria-Graf-Ring 26

Diese Filialen werden zur SB-Filiale

  • Bayerstraße 69
  • Müllerstraße 27/29
  • Implerstraße 45
  • Bülowstraße 9
  • Lothstraße 1
  • Weyprechtstraße 86
  • St.-Nikolaus-Platz 5
  • Gustav-Schiefer-Straße 5
  • Bad-Schachener-Straße 2b
  • Stockmannstraße 47
  • Pognerstraße 36
  • Reismühlenstraße 1

Diese Filialen öffnen nur noch tageweise

  • Fürstenrieder Straße 239
  • Blumenauer Straße 2
  • Josef-Frankl-Straße 23
  • Karl-Köglsperger-Straße 31
  • Mannertstraße 20
  • Ohlmüllerstraße 32
  • Oberföhringer Straße 155
  • Helene-Mayer-Ring 8
  • Arnulfstraße 293
  • Sankt-Veit-Straße 15

Diese Filialen bleiben bestehen

  • Diefenbachstraße 46
  • Altostraße 11
  • Neubiberger Straße 1
  • Brienner Straße 55
  • Rosenkavalierplatz 10
  • Balanstraße 152
  • Barer Straße 41
  • Baumkirchner Straße 4
  • Belgradstraße 162
  • Hans-Mielich-Straße 35
  • Berner Straße 2
  • Graubündener Straße 1
  • Würmtalstraße 130
  • Am Hollerbusch 18
  • Johanneskirchner Straße 98
  • Görresstraße 8a
  • Leonrodplatz 2
  • Limesstraße 97
  • Lindwurmstraße 107
  • Neustifter Straße 26
  • Verdistraße 85
  • Gravelottestraße 1
  • Partnachplatz 7
  • Rosenheimer Straße 52
  • Leopoldstraße 51
  • Schwanseestraße 43
  • Heimeranstraße 39
  • Waisenhausstraße 72
  • Waldheimplatz 60
  • Wasserburger Landstraße 264
  • Willibaldstraße 20

Hier betreibt die Sparkasse ihre Beratungscenter

  • Von-Kahr-Straße 60
  • Ostpreußenstraße 29a
  • Werinherstraße 3
  • Einsteinstraße 1
  • Fürstenrieder Straße 62
  • Dachauer Straße 407
  • Schleißheimer Straße 504
  • Truderinger Straße 301
  • Boschetsrieder Straße 100
  • Landsberger Straße 488
  • Winthirstraße 2
  • Thomas-Dehler-Straße 10
  • Ungererstraße 75
  • Hohenzollernstraße 55
  • Plinganserstraße 55
  • Senglinger-Tor-Platz 6a
  • Sparkassenstraße 1

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen 

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © Schmidhuber

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