Rentnerin streitet vor Gericht gegen Bank

Mysteriöse Abbuchung: 170.000 Euro vom Konto weg

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Anne H. vor Gericht. 170.000 Euro sind von ihrem Konto verschwunden, wie, das ist die Frage.

Anne H. ging offenbar falschen Polizisten auf den Leim und gab ihre Bankdaten weiter. 170.000 Euro auf ihrem Konto fehlen nun - die Rentnerin macht die Bank für die Abbuchung verantwortlich.  

München - Sie wollte ihrer Tochter ein Grundstück schenken, hatte für ihre Kinder und Enkel ihr Erspartes auf einem Bankkonto angelegt. Als Anne H. aus der Nähe von Ingolstadt im Frühjahr 2015 ihre Kontoauszüge überprüft, trifft sie beinahe der Schlag. 170.000 Euro sind einfach weg, abgebucht in drei einzelnen Überweisungen an einen ihr unbekannten Dr. R. Später stellte sich heraus, dass sie wohl das Opfer eines Betrügers geworden ist. Für den Schaden macht sie jetzt die Sparda-Bank in München verantwortlich. Am Montag kam es vor dem Oberlandesgericht erneut zur Verhandlung.

Überweisungen selbst genehmigt?

Hat Anne H. die Überweisungen sogar selbst genehmigt? Auf diesen Verdacht beruft sich die Bank. Gut möglich, dass Anne H. falschen Polizisten auf den Leim gegangen ist.

Die Sparda-Bank hatte der Rentnerin nämlich vor vier Jahren einen Zugang zum Online-Banking mit sogenannten mTan-Nummern freigeschaltet. Dabei werden zur Verifizierung des Kontoinhabers Sicherheitscodes an eine Handynummer geschickt. Und nur mit diesen Codes können anschließend Überweisungen im Internet getätigt werden. Anne H. hat offenbar diejenige Handynummer hinterlegt, von der im Frühjahr 2015 die drei mysteriösen Überweisungen vorgenommen wurden.

Doch wie kamen die Kriminellen an ihre Bankdaten? Wochen zuvor soll Anne H. einen Anruf von der Berliner Kriminalpolizei erhalten haben. Die Nummer war 030/110, erzählte sie vor Gericht. „Ich glaubte, es war die echte Polizei“, gestand sie. Doch die echte Polizei warnt regelmäßig vor dieser Betrugsmasche. Mit der Nummer „110“ rufen Beamte niemals bei Bürgerinnen und Bürgern an.

„Er wusste genau, wie viel Geld ich auf dem Konto hatte“

Ein Kriminalpolizist namens „Herr Becker“ erzählte Anne H. offenbar, er müsse ihre Kontodaten abgleichen. Ob es tatsächlich dazu gekommen ist, das weiß Anne H. nicht mehr. „Er wusste genau, wie viel Geld ich auf dem Konto hatte“, berichtet die Seniorin. „Jemand habe viel Geld von meinem Konto abgebucht, erzählte er mir.“ Ein Tag später dann der Schock: 170.000 Euro waren tatsächlich von ihrem Konto abgebucht worden.

Die Bank hätte diese Abbuchung verhindern müssen, meint Anne H. Die Klage vor Gericht ist ihre letzte Hoffnung. Doch dass Anne H. wieder an ihr Geld kommt, scheint immer unwahrscheinlicher.

Bereits das Landgericht hatte ihre Klage abgewiesen. Die damalige Begründung: Es gebe keine Beweise dafür, dass Dritte an den Überweisungen beteiligt waren. Es galt als wahrscheinlich, dass Anne H. den Geldfluss selbst genehmigt hatte.

Rentnerin lehnt Kulanzangebot ab

Anders, jedoch ungleich besser für Anne H., sieht das derzeit das Oberlandesgericht. Es geht davon aus, dass Anne H. möglicherweise ihre Daten gegenüber den falschen Polizisten preisgegeben hat. Sie hätte das Geld dann zwar nicht selbst überwiesen, aber grob fahrlässig gehandelt. Mit einem blauen Auge würde sie davonkommen, wenn sie sich auf einen Vergleich einlassen würde. Aus Kulanz, wie die Sparda-Bank mitteilte, würde man Anne H. nämlich 40.000 zurückzahlen. Doch die Rentnerin lehnt das ab. „Ich habe mir ja nichts zuschulden kommen lassen.“

Eine endgültige Entscheidung soll zu einem anderen Zeitpunkt fallen. Vermutlich muss nun ein Gutachter klären, ob Anne H. altersbedingt überhaupt in der Lage war, Online-Banking richtig anzuwenden und die damit verbundene Risiken abzuschätzen. 

Lesen Sie auch: So trickste diese Seniorin falsche Polizisten aus

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