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Diebe in der Commerzbank: 3089 Mal schrillt der Alarm, doch Mitarbeiter reagierten nicht - „Ein Desaster“

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Von: Andreas Thieme

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Vermummte Täter verschafften sich Zutritt zur Commerzbank, am Ende fehlten 4,62 Millionen Euro
Vermummte Täter verschafften sich Zutritt zur Commerzbank, am Ende fehlten 4,62 Millionen Euro © Archiv

Skandal in der Münchner Commerzbank: Vermummte Diebe stahlen 4,62 Millionen Euro, doch von Tätern und Geld fehlt auch Jahre später noch jede Spur.

München - Dieser Fall ist filmreif! Insgesamt 4,62 Millionen Euro soll eine dreiköpfige Diebesbande aus der Commerzbank geklaut haben. Doch das Landgericht sprach sie gestern frei - und von den Millionen gibt’s keine Spur. Dafür rügte Richter Gilbert Wolf eklatante Sicherheitsprobleme in der Filiale am Promenadeplatz etwa weise „technisch und mechanisch erhebliche Mängel auf“. So erst sei es möglich gewesen, dass zu drei Gelegenheiten im Winter 2017/2018 zwei vermummte Männer in den Tresorraum gelangen konnten - und ihn mit zwei gefüllten Koffern wieder verließen.

„Da kann man sich nur wundern“, sagte der Richter. Denn die Täter mussten an mehreren Mitarbeitern vorbei - und waren laut Gericht maskiert. Wolf schimpfte: „Keiner sieht was, keiner hört was. Das Verhalten der Mitarbeiter ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Am Ende fehlten die 4,62 Millionen Euro aus vier Schließfächern. Eine reiche Russin hatte das Geld 2016 eingezahlt.
Der Verdacht fiel auf die Bankmitarbeiterin Silvia F. (60): Sie betreute die Russin und soll mit ihrem Insiderwissen einer Bande den Zugang zum Tresor ermöglicht haben. Doch das konnte nie bewiesen werden! Selbst die Staatsanwaltschaft forderte gestern Freispruch. Und die letzten drei von sieben Angeklagten müssen jetzt sogar entschädigt werden…

München: In der Bank gab es 3089 Schließfach-Alarme - Richter: „Das hat dort niemanden gejuckt“

Doch welche Rolle spielte die Bank? Laut Gericht gab es allein von Dezember 2017 bis März 2018 in der Filiale 3089 Schließfach-Alarme. „Das hat dort niemanden gejuckt“, wunderte sich Wolf im Urteil. Denn neben der Bank residiert Münchens* Edel-Italiener am Promenadeplatz: „Wenn sie beim H‘ugos auf den Tischen tanzen, schrillt in der Bank der Alarm“, unkte der Richter. Angeblich sei es zu sogenannten Streualarmen gekommen. Die wurden morgens vom Sicherheitsdienst dann „einfach gelöscht“. Wer die Millionen-Diebe waren, ist bis heute nicht geklärt…   

Silvia F. (60) und ihr Sohn Luca (32) waren angeklagt. Sie wurden gestern vom Landgericht aber freigesprochen
Silvia F. (60) und ihr Sohn Luca (32) waren angeklagt. Sie wurden gestern vom Landgericht aber freigesprochen © SIGI JANTZ

Prozess in München: Comnmerzbank hat laut Gericht „Ermittlungen verzögert und behindert“

Silvia F. und ihr Sohn Luca (32) sind es laut Urteil nicht. Sie strahlten gestern: „Endlich Freispruch! Die letzten vier Jahre waren die Hölle. Das hat mein Leben verändert. “ Silvia F. arbeitete 30 Jahre bei der Bank und klagte sich nach ihrer Kündigung sogar am Arbeitsgericht wieder ein - sie enthielt inzwischen eine Abfindung. Ihr Anwalt Sascha Petzold sagt: „Meine Mandantin sollte zum schwarzen Schaf gemacht werden. Dabei liegen die Fehler bei Bank und Polizei.“ Richter Wolf sagte sogar: „Die Commerzbank hat die Ermittlungen verzögert und behindert.“ Ihm zufolge hat die reiche Russin noch weitere 72 Millionen Euro auf Konten bei der Münchner Commerzbank, doch zu ihr gibt es offenbar seit langem gar keinen Kontakt.

Die Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz: Hier geschah der Millionen-Diebstahl
Die Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz: Hier geschah der Millionen-Diebstahl © Oliver Bodmer

Millionendiebstahl in München: Das sagt die Commerzbank zu dem Fall

Die Bank will sich zur Kundin nicht äußern, sondern sagte auf Anfrage unserer Redaktion lediglich: „Wir nehmen das Urteil zur Kenntnis.“  Ein Fall wie ein Krimi! Hinter den Alarmmeldungen stehen Sprecherin Renate Christ zufolge „überwiegend technische Ereignisse“. So werde „bereits eine Meldung ausgelöst, sobald ein Bedienungsfehler beim Aufschließen des Faches vorliegt. Die Reaktion der Bank auf jede einzelne Meldungsursache ist dezidiert festgelegt.“ Christ beteuert, die Safeanlage werde „mehrmals im Jahr geprüft und gewartet“, sie habe „zu jederzeit den Sicherheitsbestimmungen und Stand der Technik entsprochen.“ Das Gericht sah das anders... *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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