"Schwerer Schicksalsschlag!"

So hart trifft die Stellenstreichung die Drucker 

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„Ich weiß nicht, wie es weiter geht“, sagt Drucker Heiko Heinze.

München - "Das ist ein Schock!", sagt Heiko Heinze zur tz. Der 43-Jährige ist einer von 630 Beschäftigten des Münchner Banknotendruckers Giesecke & Devrient, die dem massiven Stellenabbau zum Opfer fallen.

Die Personaleinsparungen bei G&D riefen sogar Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) auf den Plan: „Ich bedauere diese Entscheidung sehr. Auch wenn die Gründe unternehmerisch gerechtfertigt sein mögen, so stellt sie für die betroffenen Mitarbeiter einen schweren Schicksalsschlag dar.“ Heinze dürften Aigners Worte nur wenig Trost spenden. Die Reaktion seiner Kollegen: „Alle sind frustriert, ich sah Männer mit Tränen in den Augen.“

Ausdruckt is' bei G&D!

Heinze sucht seit drei Monaten nach einer Alternative. Er weiß: „In dieser Branche wird es schwierig.“ Die Gewerkschaft verdi ist empört über die Art und Weise, wie D&G ihre Pläne den Angestellten mitteilte. „Weder der Betriebsrat noch wir wurden informiert und sind vom Ausmaß des Personalabbaus völlig überrascht“, schimpft Karl-Heinz Kaschel-Arnold. „Diese Maßnahme ist vollkommen unsozial. Ein Skandal, wie hier mit den Arbeitern umgegangen wird.“ Auch der Versuch, die Angestellten in anderen Betrieben unterzubringen, hält Kaschel-Arnold für unrealistisch: „Einen neuen Arbeitsplatz für 700 Drucker? Das ist eine Illusion!“

Verdi führt intensive Gespräche mit Angestellten und Betriebsrat. „Wir haben noch keinen konkreten Fahrplan“, erklärt der Gewerkschafter.

Nicht betroffen ist Eduard Dukart. Als Software-Entwickler scheint sein Arbeitsplatz sicher. „Hoffentlich erreicht der Betriebsrat eine sozialverträgliche Lösung“, sagt der 45-Jährige. Die Firma G&D streicht 950 von insgesamt 11.600 Stellen. Grund: Konkurrenzdruck. Die Produktion von Banknoten wird in München eingestellt. Erschreckend: Im Jahr 2013 lag der Gewinn bei einem Umsatz von 1,75 Milliarden Euro nur noch bei 2,6 Millionen Euro.

Für Heinze ist der Fall klar: „Die Oberen haben den Karren an die Wand gefahren.“ Die Kündigung hätte für ihn nicht nur finanzielle Konsequenzen. „Ich verliere keine Kollegen, sondern Freunde. Das ist traurig! Auf Weihnachten kann ich heuer wirklich verzichten“, sagt Heinze deprimiert.

Firma mit der Lizenz zum Gelddrucken

Giesecke und Devrient wurde am 1. Juni 1852 von Hermann Giesecke und Alphonse Devrient in Leipzig als typographisches Kunst-Institut gegründet und unterhält heute weltweit über 50 Tochtergesellschaften. G&D war zunächst auf den Banknotendruck spezialisiert. Ab 1960 stellte man auch Sicherheitspapiere, später Maschinen für die Banknotenbearbeitung und Chipkarten her.

Johannes Heininger

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