Bau-Mafia: Hier schlägt der Zoll zu

+
Dutzende Bulgaren hausten in Containern nahe der Messestadt.

München - Die einen buckeln sich krumm, die anderen verdienen sich daran eine goldene Nase – auf Münchens Baustellen blüht das Geschäft mit Schwarzarbeitern aus Osteuropa.

Jetzt gelang dem Zoll ein harter Schlag gegen die Bau-Mafia. Fahnder filzten am Mittwoch eine Containersiedlung in der Nähe der Messestadt. Dabei griffen sie Dutzende illegale Arbeiter und ihre Hintermänner auf. Viele erwartet jetzt ein Verfahren. Ihnen drohen Geldbußen und im schlimmsten Fall sogar Haftstrafen bis zu fünf Jahren. Als die Ermittler um 5.30 Uhr bei den Bulgaren auf der Matte standen, bot sich ihnen ein schlimmes Bild. „In den provisorischen Unterkünften war es klirrend kalt. Besonders hat mich der üble Geruch erschüttert. Die Lebensumstände dieser Leute sind einfach schockierend“, berichtet Thomas Meister, Sprecher des Münchner Hauptzollamts.

In der tz erklärt der Polizei-Profi, wie das „Geschäftsmodell“ der Bau-Mafia funktioniert: „Deutsche Firmen vergeben Aufträge an Mittelsmänner. Im jüngsten Fall waren es elf Bulgaren. Die wiederum haben dann arme Landsleute engagiert und sie ohne gültige Papiere auf der Baustelle schuften lassen.“ 31 Arbeiter trafen die Ermittler an: „Sie haben seit Monaten keinen Lohn mehr bekommen“, erläutert Meister. Von Kranken- und Sozialversicherungen ganz zu schweigen. Der Zoll schätzt die Höhe der hinterzogenen Abgaben auf mehrere Hunderttausend Euro.

In anderen Fällen kassieren die Arbeiter wenigstens fünf bis sechs Euro pro Stunde. Dabei verdienen die Hintermänner allerdings immer noch gut, der Mindestlohn im deutschen Baugewerbe liegt nämlich bei 10 bis 12 Euro. Die Bau-Mafia werkelt in ganz Bayern. Am Mittwoch hatten fast 100 Schwarzarbeits-Fahnder Einsätze, unter anderem in Augsburg und Rosenheim sowie in den Landkreisen Mühldorf, Passau und Ingolstadt. Und sehr oft treffen sie buchstäblich ins Schwarze.

Das belegt auch die Bilanz für das Jahr 2010: Allein in München verzeichnete der Zoll 2242 abgeschlossene Strafverfahren, der geschätzte Gesamtschaden beläuft sich auf 19,3 Millionen Euro. Die verhängten Freiheitsstrafen summierten sich auf 67 Jahre, die Geldstrafen auf eine Million Euro.

Andreas Beez

Auch interessant

Meistgelesen

München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht
München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen

Kommentare