Bauen in München

Verliert München seine Einzigartigkeit? Das fordert der Verband der Wohnungswirtschaft

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Sieht‘s in Zukunft bald nur so aus wie im Münchner Sanierungsgebiet Neuaubing/Westkreuz?

Münchens Mieten explodieren weiter. Dabei hat der Verband der Wohnungswirtschaft eine klare Forderung: In die Höhe bauen!

München - Münchens Mieten galoppieren davon. Nur was tut man dagegen? Enteignen? Mieten deckeln? Das sagen die Vertreter vom Volksbegehren in Berlin und München. Der Verband der Wohnungswirtschaft hat einen anderen Vorschlag: Baut nach oben!

Viele Bürger, die sich in Münchens Neubaugebieten umschauen, wischen sich oft verwundert die Augen. In der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne in Bogenhausen gibt es ein ganzes Quartier, in dem gerade mal zwei- bis dreistöckige Wohnhäuser errichtet werden. Ganz Riem ist mehr oder weniger ein Flachbaurevier. Hochhäuser wie in der Wiener Seestadt Apern sind in München nach wie vor Teufelszeug, auch wenn sich dadurch spannende architektonische Perspektiven ergeben. Halbwüchsige Neubauten sprießen oder sprossen zuletzt auch im Domagkpark, im Hirschgarten oder Nymphenburg aus dem Boden – in bester Innenstadtlage! Aber auch in Nachbargemeinden wie Unterhaching wird Grund und Boden für niedrige Neubauten verwendet.

Eine völlig skurrile Geschichte ereignete sich zuletzt in England. Was dort genau geschah, können Sie hier nachlesen

Hans Maier, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft in Bayern (VdW), glaubt, dass sich die Stadt das nicht mehr leisten kann: „Wir werden in München mehr in die Höhe bauen müssen“, so der Sprecher der Baugenossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen Bayerns. „Bis acht Stockwerke macht das Sinn.“ Bürobauten dürften gerne noch weiter in die Höhe reichen.

Wohnungsbauunternehmen ohne Gewinnerzielungsabsichten hätten derzeit große Probleme, Baugrund für neue Wohngebäude zu bekommen: Maier: „Wenn wir gegen einen freien Bauträger bieten, müssen wir passen.“ Man sei gezwungen auszusteigen, wenn die Mieten, die den Kaufpreis decken müssten, nicht mehr zum Ziel der VdW-Mitglieder passten – bezahlbaren Wohnraum.

Wie schwierig und wie teuer es in München wirklich ist, zeigt diese Analyse, die vor kurzem veröffentlicht wurde.

Was tun? Zwei Volksbegehren, die nun mit Enteignungen oder einer staatlichen Deckelung der Mieten für bezahlbaren Wohnraum sorgen wollen, hält Maier für untauglich: „Das baut keine neuen Wohnungen.“ Ein Mietendeckel, wie ihn der Mieterverein München fordert, würde den Wohnungsbau sogar bremsen, weil vor allem den nicht kommerziellen Unternehmen dann notwendiges Eigenkapital für die Finanzierung neuer Wohnungen fehlen würde. Stattdessen fordert Maier „eine verlässliche Förderung“ des genossenschaftlichen und kommunalen Wohnbaus durch Bund und Land.

Genossenschaften

In Bayern gibt es 475 Genossenschaften und kommunale Wohnungsbauunternehmen, die im Verband der Wohnungswirtschaft VdW zusammengeschlossen sind. Sie besitzen einen Bestand von 525 000 Wohnungen, darunter 105 000 Sozialwohnungen. Die Durchschnittsmiete in Gesamt-Bayern beträgt bei den VdW-Unternehmen 6,18 Euro pro Quadratmeter. Voriges Jahr haben Genossenschaften und kommunale Bauunternehmen knapp zwei Milliarden Euro investiert und dabei rund 4000 Wohnungen gebaut. 

Fast alle öffentlich gefördert. Es war das fünfte Mal in Folge, dass die Investitionen der VdW-Mitgliedsunternehmen gestiegen sind. In Neubauten von Wohnungen wurden im vorigen Jahr 1,2 Milliarden Euro investiert, 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 1,2 Millionen Menschen wohnen in den VdW-Mitgliedsbetrieben.

Es wird immer weniger gebaut!

Trotz Wohnungsnot in Ballungsräumen sind im ersten Quartal 2019 weniger neue Wohnungen bewilligt worden als vor einem Jahr. Von Januar bis einschließlich März wurde der Neubau von 75 628 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Das waren knapp 2200 Einheiten weniger als im Vorjahreszeitraum – ein Minus von 2,8 Prozent. Eine Steigerung gab es demnach nur in der Kategorie der Einfamilienhäuser mit 2,3 Prozent auf

21 228 Bauvorhaben. Bei allen übrigen Gebäudearten einschließlich Mehrfamilienhäusern (minus 4,4 Prozent auf 37 649 Projekte) registrierten die Statistiker vom Bundesamt Rückgänge.

Auch im Freistaat wurden im vergangenen Jahr ein weiteres Mal weniger Wohnungen gebaut als von der Staatsregierung angepeilt: 60 000 Wohnungen wurden in Bayern fertiggestellt, offizielles Ziel sind allerdings 70 000.

J. Welte

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