Genossenschaft schafft Warteliste ab

200 Wohnungen ab sieben Euro pro Quadratmeter!

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Zwei Anlagen der Eisenbahner in Laim...
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... und am Hirschgarten.
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Rund zehn Jahre haben die Xylanders gewartet – dann endlich die Zusage! Seit Mai 2013 wohnt der Goldschmied Winfried Xylander mit Frau Miriam und den Töchtern Janina (ganz rechts) und Emily in einer Anlage des Bauvereins Haidhausen in der Auer Welfenstraße. „Wir sind sehr glücklich. Die Planungssicherheit ist sehr beruhigend.“
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Den Ausschlag für die Zusage hat wohl die Tante von Xylander gegeben, die früher in der Anlage gewohnt hatte. Ihre sanierte Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung mit 105 qm und Balkon kostet nur 850 Euro kalt – das sind acht Euro pro qm!
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Der Rentner Manfred Kloß (78) und seine Frau Helga (71) wohnen bei der Eisenbahner-Baugenossenschaft, die offen für alle Münchner Wohnungssuchenden sind. Sie freuen sich auf neue Nachbarn. Bei Kloß waren es Beziehungen, die ihn zu der 64 qm-Wohnung in der Thalkirchner Straße im Schlachthofviertel verholfen haben.
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„Wir haben viele Eisenbahner in der Familie – und als vor vier Jahren meine Tante verstarb, haben wir das Wohnrecht geerbt.“ Zwei weitere Jahre hat es noch gedauert, bis das Ehepaar ihre Wunsch-Wohnung unweit ihrer alten Wohnung bekommen hat. Sie zahlen 780 Euro warm, also etwas über 10 Euro pro qm kalt – und sagen: „Für eine solch gut sanierte Wohnung ist das wirklich ein sehr anständiger Preis.“ Ein weiterer großer Vorteil einer Genossenschaftswohnung, so Kloß, seien die regelmäßigen Instandhaltungsarbeiten. „Hier werkelt ständig irgendwo jemand rum, alles ist sauber und intakt.“
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Neuhausen, drei Zimmer, 69 Quadratmeter – für nur 551 Euro Miete! Das sind nicht mal 8 Euro pro qm. Werner Hofgärtner (69) und seine Frau sind wirklich zu beneiden. „Wir wissen, dass das einmalig ist in München.“ Solche Mietpreise gibt’s auch in Genossenschafts-Anlagen nur, wenn man schon lange Mieter ist. Hofgärtner ist 1970 nach der Hochzeit eingezogen. „Mein Vater war bei der Bundespost im Fernmeldewesen und hat bei der Baugenossenschaft des Post- und Telegrafenpersonals schon seit 1950 gewohnt – das war mein Vorteil.“ Der Altbau von 1972 habe zwar schon viele Jahre auf dem Buckel. „Aber die Genossenschaft hat alles mehrmals renoviert.“ Das einzige kleine Manko: Die Wohnung im vierten Stock hat keinen Aufzug. Hofgärtner: „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir hier noch eine andere Wohnung. bekommen.“

München - Die tz hat die Ankündigung des Baus von 2500 neuen Wohnungen zum Anlass genommen, einmal bei bekannten Baugenossenschaften nachzufragen, wie viele Wohnungen sie aktuell haben.

2500 neue genossenschaftliche Wohnungen für München! Die Nachricht vom Dienstag (tz berichtete) weckt bei vielen Münchnern Hoffnungen auf eine günstige Wohnung. Die tz hat das zum Anlass genommen, einmal bei bekannten Baugenossenschaften nachzufragen, wie viele Wohnungen sie aktuell haben, ob Neubauten geplant sind und wie groß der Andrang derzeit ist – mit einer interessanten Entdeckung: Denn eine Genossenschaft sucht tatsächlich noch Mieter! Und das ist Ihre Chance auf eine günstige Wohnung ab 7 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter! Lesen Sie außerdem im großen tz-Report, wie es Münchner Familien in die begehrten Wohnungen geschafft haben und was sie zahlen.

Jahrelange Wartezeiten, geschlossene Bewerberlisten, nur für Angehörige – bei den meisten Wohngenossenschaften der Landeshauptstadt gilt für den Ottonormalverbraucher: Du kommst hier nicht rein, keine Chance auf günstige Mieten! Nicht so bei der Eisenbahner-Baugenossenschaft. Die sucht nach eigener Auskunft ständig Mitglieder und damit Mieter – und das bald sogar ohne Wartelisten!

Die Eisenbahner-Baugenossenschaft München-Hauptbahnhof eG wurde 1908 von Bahnarbeitern gegründet. Danach wurden die 2400 Wohnungen vorwiegend von Mitarbeitern der Deutschen Bahn und des Bundeseisenbahnvermögens bewohnt. „Heute aber vergeben wir rund 900 Wohnungen frei“, sagt Vorstand Bernhard Reinhart gegenüber der tz. Vor Jahren seien noch über 500 Bewerber auf der Liste gestanden. „Die Liste konnten wir aber gut abbauen. Das liegt zum einen daran, dass viele Mitglieder sehr betagt sind und versterben. Ihre Angehörigen werden bei der Vergabe zwar bevorzugt, aber auch wenn wir die Wohnungen an diese vergeben, haben wir noch Überschuss. Wir sind eine der größten Genossenschaften in München.“

Während andere Genossenschafts-Chefs am liebsten ganz anonym bleiben würden, weil sie die Anfrage-Flut kaum bewältigen können, macht Vorstand Reinhart den Münchnern sogar Mut, sich zu bewerben: „Wir haben jedes Jahr etwa 200 bis 220 Wohnungen, die wir frei vergeben. Und ab Anfang April sogar ganz ohne Wartelisten, einfach übers Internet.“ Wenn dann also eine Wohnung auf der Internetseite www.ebm-muenchen.de ausgeschrieben ist, soll sich jeder Münchner per E-Mail bewerben können. Die Genossenschaft trifft eine Vorauswahl – und dann geht’s zum Ortstermin.

Die Eisenbahner haben zum Beispiel eine Wohnanlage mit 566 Einheiten in Neuhausen und eine mit 415 in Nymphenburg. Sie vertreibt auch Senioren-WGs und möblierte Wohnungen. Künftig will die Genossenschaft außerdem 145 neue Wohnungen in der Messestadt bauen. Sie verspricht Wohnungen ab 7 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter in älteren Gebäuden, neuere und sanierte Häuser kosten ein paar Euro mehr – liegen aber dennoch unter den ortsüblichen Preisen.

Demnächst sollen laut Vorstand Reinhart zum Beispiel eine 46-qm-Wohnung in der Schlörstraße (Neuhausen) für 513 Euro frei werden, außerdem eine 43-qm-Wohnung in der Streitfeldstraße (Berg am Laim) für 530 Euro inklusive Betriebskosten. Wer Mieter werden will, muss Genossenschaftsmitglied werden. Die Einlage kostet 1278,25 Euro.

Je älter, desto begehrter: Der Großteil der Münchner Genossenschaften ist über 100 Jahre alt. Die Wohnungen gibt’s schon ab 7 Euro pro qm bei einer Einlage ab 1200 Euro, während die neuen Genossenschaften oft um die 13 Euro Miete verlangen.

Manch eine der alten Genossenschaften aber hat nicht mal eine richtige Internetseite – absichtlich. Direktor Xaver Kroner vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen sagt: „Man will Suchende nicht enttäuschen. Es gibt einfach nicht genug freie Wohnungen. Laut Rechtsform müssen frei werdende Wohnungen zunächst Mitgliedern und Verwandten angeboten werden. Und das sind weit mehr, als es Wohnungen gibt.“

Nina Bautz

So ist die Lage bei bekannten Genossenschaften

Baugenossenschaft des Post- und Telegrafenpersonals (1908):  1650 Wohnungen. Sie bewirbt sich für 75 Neubau-Wohnungen in der Prinz-Eugen-Kaserne. „Da wären wir dann offen für Neuanmeldungen“, so Vorstand Ulrich Brüggerhoff.

Baugenosseschaft der Bundespostbeamten: 232 Wohnungen nur für Mitarbeiter der Post und der Telekom, hauptsächlich in Neuhausen/Gern.

Baugenossenschaft München von 1871: 942 Wohnungen, unter anderem in der Isarvorstadt. Nur für Mitglieder und Angehörige.

Bauverein München-Haidhausen (1919): 1490 Wohnungen vorrangig in Haidhausen. Nur geschlossene Bewerberlisten für Angehörige.

Beamtenwohnungsverein (1921): 1682 Wohnungen im ganzen Stadtgebiet – nur für Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst.

FrauenWohnen (1998): Ausschließlich Frauen werden Vertragspartner, verwandte Männer dürfen miteinziehen. 50 Wohnungen in Riem, 25 im Westend. Im Domagk-park ist Baubeginn – dort sind noch Wohnungen auch für Nicht-Mitglieder frei. Tel. 089/18 92  33 70.

Wogeno (1993): 296 Wohnungen. Gebaut werden 50 Wohnungen in Gern, 74 in Forstenried sowie 108 im Domagkpark. Miete: zwischen 12 und 13 Euro pro qm. Nur für Mitglieder.

Wohnungsgenossenschaften München-West (1911): 3361 Wohneinheiten vor allem im Westend, auch in der Blumenau – nur für Mitglieder und Verwandte. Künftig sollen 60 Wohnungen in Fürstenried Ost entstehen.

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