Baulärm: Die tz hilft bei Mietfragen

Was muss ich mir alles bieten lassen?

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Rudolf Greß (ganz links) und andere Mieter des Hauses in der Landsberger Straße leiden unter Baulärm aus dieser Tiefgarage.

München - Rudolf Greß ist fertig mit den Nerven. Seit Monaten wird im Nachbarhaus die Tiefgarage saniert - zeitweise bis spät in die Nacht. Muss man sich das gefallen lassen?

Manchmal fühle es sich so an, als klopfe der Presslufthammer direkt nebenan auf den Boden. „Oft genug passiert es auch, dass die Wände und sogar mein Bett vibrieren“, beschwert sich Rudolf Greß (59). „Ich leide unter Schlafentzug, ich kann einfach nicht mehr. Der Lärm macht mich krank!“

Der Installateurmeister wohnt seit 35 Jahren mit Frau (und früher den Kindern) in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Landsberger Straße. „Hier ist ständig Verkehr, dazu die Trambahnen – ich bin Lärm gewohnt.“ Seit 1. Februar aber wird im Nachbarhaus die Tiefgarage saniert, unter anderem durch Bodenfräsarbeiten. Und das nur nach Feierabend!

Laut Flächennutzungsplan liegt das Haus von Greß sowie das Bürogebäude nebenan in einem Gewerbegebiet. „Im Bürogebäude wird tagsüber gearbeitet“, sagt der Eigentümer des Nachbarhauses. „Wir mussten einen Kompromiss finden. Deshalb beginnen die Arbeiten erst am späten Nachmittag.“

Nach Wochen des Kampfes sind die Fronten verhärtet. Greß und seine Nachbarn behaupten, dass wochenlang die ganze Nacht durchgearbeitet worden sei. Bei der Gegenpartei heißt es, man habe davon keine Kenntnis. Greß hat schon häufiger die Polizei gerufen, um den Lärm zu stoppen. Der Geschädigte will eindeutige Überschreitungen der Lärm-Höchstwerte festgestellt haben. Der Bürohaus-Eigentümer meint, er würde die Arbeiten stetig mit Messungen begleiten.

Einen Teilerfolg hat Greß laut eigener Aussage für sich und die anderen Mieter erzielt. „Nachdem ich die Lokalbaukommission eingeschaltet und mit der Presse gedroht habe, hat der Bauherr zumindest die Nacht-Arbeiten eingestellt.“ Dennoch würden die Zeiten, so sagt Rudolf Greß, noch immer nicht korrekt eingehalten. Bei der Gegenseite heißt es, man habe Verständnis für die Mieter. „Aber die Arbeiten sind notwendig. Und wir haben die Baufirma noch einmal auf die Einhaltung der Zeiten hingewiesen.“

Baulärm ist ein heikles Thema – das viele Münchner betrifft. Deshalb hier einige allgemeine Ratschläge:

Das sagt die Lokalbaukommission: „Bauarbeiten können prinzipiell auch abends oder nachts durchgeführt werden. Entscheidend ist die Einhaltung der Höchstwerte“, erklärt Sprecherin Katja Strohhäker. Im Falle von Rudolf Greß, der in einem Gewerbegebiet mit Wohnanteil lebt, seien diese: von 20 Uhr bis 7 Uhr maximal 45 Dezibel, tagsüber 60 Dezibel. In einem allgemeinen Wohngebiet gilt am Tag 55 Dezibel, nachts 40 Dezibel. Merkblätter zum Baulärm gibt es beim Referat für Gesundheit und Umwelt (auch unter www.muenchen.de). Bei einer Überschreitung ist die untere Bauaufsichtsbehörde zuständig.

Das sagt der Mieterverein: „Baulärm ist eine Beeinträchtigung der Wohnqualität und daher ein Mietminderungsgrund, auch wenn der Vermieter nicht direkt etwas dafür kann“, sagt Anja Franz vom Mieterverein. „Wenn nachts gebaut wird, erhöht das die Minderungsquote.“ Dem Vermieter müsse schriftlich mitgeteilt werden, dass die Miete ab sofort unter Vorbehalt ­gezahlt wird.

Für eine Mietminderung muss der Mieter ein Bau- und Lärm-Tagebuch führen. Am Monatsende muss man dann anhand der Aufzeichnungen die Minderungsquote für den vergangenen Monat berechnen und mit der aktuellen Monatsmiete verrechnen. Für die Vergangenheit besteht kein Minderungsrecht.

„Für die Berechnung der Quote sollte man einen Fachmann zu Rate ziehen“, rät Expertin Franz. „Man kann keine Pauschalquote angeben, da die Beeinträchtigung von Fall zu Fall verschieden ist.“

Oft seien Vermieter auch bereit, sich von vornherein auf eine pauschale Minderungsquote zu einigen, so die Erfahrung im Mieterverein. Anja Franz: ­„Eine Vereinbarung würde dann eine bestimmte Quote – etwa 30 bis 40 Prozent – von Beginn bis Ende der Bauarbeiten vorsehen. Ich halte solche Vereinbarungen für sehr sinnvoll, da Auseinandersetzungen über die Minderungshöhe damit entfallen.“

Nina Bautz

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