Hadern 

Großbaustelle direkt vor der Nase: Anwohner in Angst

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Zweifelt an der Kompetenz der Bauarbeiter: Birgit König auf ihrem Balkon über der Baustelle.

Die Mieter am Stiftsbogen 152 bis 166 in Hadern müsse offenbar einiges aushalten. Zwar haben sie sich inzwischen mit dem Umbau ihrer Wohnanlage abgefunden, aber wie diese Arbeiten durchgeführt werden, lässt sie auf die Barrikaden gehen.

„Die Baustelle ist für die Bewohner nicht annähernd erträglich“, schimpfte Birgit König auf der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses. Wie berichtet, werden die Mietshäuser am Stiftsbogen 152 bis 166 aufgestockt, das Areal wird nachverdichtet. Unter anderem kommen ein Punktbau und eine Kindertagesstätte hinzu.

Mit König waren etliche Anwohner zur Sitzung gekommen, um sich bei den Stadtteilpolitikern Hilfe zu holen. Man habe weder bei der Bauherrin, der F.M.S. Immobilienbeteiligungsgesellschaft, noch bei der ausführenden Baufirma, noch bei der Hausverwaltung Gehör gefunden. „Vor drei Wochen ist bei uns ein Container auf den Balkon geflogen“, berichtete Birgit König. Sie habe gerade noch zur Seite springen können. Und vor Kurzem sei ab acht Uhr morgens für zehn Stunden der Strom abgestellt gewesen. Die Maßnahme habe man den Mietern erst wenige Tage vorher mitgeteilt. Eine Anwohnerin berichtete von einem behinderten Mädchen in ihrem Haus, deren Mutter dies vor ernsthafte Probleme gestellt habe.

Auf Kante: Diese Kiste wurde recht wacklig auf dem Dach abgestellt.

Auch um die Sicherung der Baustelle machen sich die Anwohner Sorgen. Nicht nur, dass Anfang Februar ein Mann beim Sturz in die Baugrube zu Tode gekommen sei, auch jetzt werde auf die Sicherheit von Bauarbeitern und Anwohnern kaum geachtet, hieß es. „Nachts klettern Jugendliche über die Gerüste aufs Dach“, berichtete eine Anwohnerin. Die Gerüste seien so angebracht, dass sie geradezu eine Einladung für Diebe darstellten. Ein weiterer Vorwurf: „Die Wege sind absolut nicht begehbar. Neulich hing eine Palette mit Baumaterial gefährlich über die Dachkante“, sagte Birgit König. „Selbst die Feuerwehrzufahrten sind durch die Baustelle nicht mehr zugänglich“, ergänzte ein Anwohner aufgebracht. Als es kürzlich nachts gebrannt habe, sei die Feuerwehr herumgeirrt.

Mitglieder des Bezirksausschusses von Vielzahl der Klagen schockiert

Tatsächlich habe die Feuerwehr bei Einsätzen in dieser Wohnanlage immer so ihre Schwierigkeiten, ließ ein Feuerwehrsprecher auf Anfrage unserer Zeitung wissen. Das liege an der Planung aus den 70er-Jahren. Besondere Vorkommnisse hätten die Kollegen für den Einsatz kürzlich jedoch nicht notiert.

Schilder sollen die Anwohner auf die Gefahren einer Großbaustelle hinweisen.

Die Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) zeigten sich ob der Vielzahl der Klagen sichtlich schockiert. Man werde sich um die Baustelle kümmern, versprach Michael Behr (CSU). Man werde sofort alle entsprechenden Stellen anschreiben. Der Bezirksausschuss schloss sich dem einhellig an.

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Was weder Mieter noch Teile des Bezirksausschusses zu diesem Zeitpunkt wussten: Der BA-Vorsitzende Johann Stadler hätte wohl auskunftsfreudiger sein können. Seine Frau Marianne ist zu einem Viertel Teilhaberin der F.M.S. Immobilienbeteiligungsgesellschaf, also der Bauherrin. Sein Bruder Christian Stadler ist der verantwortliche Architekt.

Ein Umstand, der BA-Mitglied und Bezirksrätin Irmgard Hofmann (SPD) im Nachhinein „fassungslos“ macht. „Ich wusste, dass es irgendwelche Verwandtschaftsverhältnisse geben würde, aber ich kannte die Dimensionen nicht“, so die Politikerin.

„Einladung für Diebe“: Die Gerüste am Haus.

Immerhin scheint inzwischen Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Wie Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats der Stadt, mitteilte, sei die Lokalbaukommission inzwischen aktiv geworden. Die Bauleitung habe zugesichert, sich um die Probleme zu kümmern, der Architekt sei ebenfalls vor Ort gewesen. In den Treppenhäusern der Wohnanlage gebe es inzwischen entsprechende Aushänge.

Die Mieter sind nach wie vor skeptisch. Vergangene Woche sei wieder zeitweise das Internet und das Fernsehen ausgefallen. Seit der Bezirksausschusssitzung wissen die Mieter wenigstens, wo man einen Ansprechpartner findet, wenn Gefahr in Verzug ist. Wolfgang Dausses, Erster Polizeihauptkommissar der zuständigen Polizeiinspektion, sagte schnelle Hilfe zu. Bei akuter Gefahr, also wenn beispielsweise Kinder in die Baugrube zu stürzen drohten, könne man ruhig die 110 wählen. Die Polizei werde die Gefahrenstelle dann sichern oder gegebenenfalls durch die Feuerwehr sichern lassen.

Margit Deny

Die wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Hadern – mein Viertel“.

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