Riesige Baustelle

Olympiahalle: Jetzt ist die Kühlung dran

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In der Olympiahalle geht’s derzeit der Fußbodenkühlung an den Kragen.

München - Der Boden aufgerissen, die Stuhlreihen eingehüllt, überall Schutt und Staub: Derzeit ist die Olympiahalle eine riesige Baustelle. Grund: Die Fußbodenkühlung der Olympiahalle wird ausgebaut.

Eine Sanierung lohnt sich offenbar nicht. „Die meisten Veranstalter bringen sowieso ihre eigenen Eisflächen mit“, erklärt Olympiapark-Sprecher Arno Hartung dem Münchner Merkur. Die Anlage von 1973 sei zudem veraltet. Eine neue Kühlanlage bräuchte man laut Hartung erst, wenn die Olympischen Winterspiele 2022 nach München kommen sollten.

Der Ausbau ist nur ein Teil der Mammut-Sanierung, die seit sechs Jahren läuft und noch mindestens bis 2019 dauern soll. Zeitraubend und schwierig ist, dass jedes Jahr nur ein kleines Zeitfenster bleibt – hauptsächlich die drei Monate von Anfang Juli bis Anfang Oktober, in denen hier keine Veranstaltungen stattfinden.

Für Olympia: Anfang der 70er war hier die größte Baustelle Europas

Unser Fotograf Heinz Gebhardt im Jahr 1970 vor dem Gelände, das später zum Olympiapark wurde. © Gebhardt
So sah das Gelände auf dem Oberwiesenfeld im Jahr 1970 aus, also zwei Jahre vor Beginn der Olympischen Spiele. © Gebhardt
Kaum zu glauben, aber das wichtigste Wahrzeichen Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg sollte nach den Spielen wieder abgebaut werden: die sensationelle Überdachung mit einem durchsichtigen Zeltdach. Doch das internationale Echo auf das architektonische Wunderwerk war so gewaltig, dass ein Abriss unmöglich wurde.  © Gebhardt
Vorbild für die Kon­struktion war der Deutsche Pavillon bei der Weltausstellung 1967 in Montreal, den Frei Otto geschaffen hatte. Das Architekturbüro Behnisch & Partner, das den Ideen­wettbewerb gewonnen hatte, holte sich Frei Otto mit ins Boot für München. Gesamtkosten für den Olympiapark: 1,35 Milliarden D-Mark. © Gebhardt
Vor dem Erfolg haben die Bauarbeiter den Schweiß gesetzt – und zu Beginn steht natürlich die Grundsteinlegung für Olympia. Drei Jahre vor den Spielen, am 14. Juli 1969, versammelten sich unter anderen Willi Daume (1913 – 1996, gleich rechts vom Bauarbeiter links), damals Präsident des deutschen Nationalen Olympischen Komitees, der damalige Bundesfinanzminister Franz-Josef Strauß und Münchens Oberbürgermeister Hans Jochen Vogel, der die Spiele nach München geholt hatte. © Gebhardt
Im knapp ein Quadratmeter großen Stein wurden Dokumente und Urkunden eingemauert. Heute ist er im Ehrenhain vor dem Olympiastadion zu sehen, auf dem die Olympiasieger von 1972 verewigt sind. © Gebhardt
Ganz am Anfang wirkte das fast wie ein großer Sandkasten. Und der Vermesser auf unserem Bild scheint 1970 auszurechnen, wo noch ein paar Wagenladungen Kies hingeschüttet werden sollen. Der größte Teil des Olympiastadions ist nämlich ein in die Landschaft eingebettetes Erdstadion, ähnlich den klassisch griechischen Amphitheatern - und ganz nach der Idee der Architektengruppe um Günter Behnisch, die ja „Olympische Spiele im Grünen“ propagiert hatte. Der Untergrund des Stadions stammt aus der Hochschotterebene der Isar. © Gebhardt
Anders der Olympiaberg: Hier wurden die Überreste der zerbombten Häuser aus dem Zweiten Weltkrieg aufgeschüttet. Der Olympiapark ist zum Wahrzeichen Münchens geworden - und das Stadion hat seinen Platz in der Sportgeschichte gefunden. Nämlich als diejenige deutsche Sportstätte, in der die meisten internationalen Wettbewerbe stattgefunden haben. Fußball-WM und -EM, dazu kamen unter anderem Spiele des FC Bayern und der Löwen. Der Fußball ist 2005 in die Allianz Arena umgezogen. Doch der Olympiapark gilt als Beispiel für nachhaltige Planung. © Gebhardt
Wir sind quasi mittendrin in einem Jubiläum. 40 Jahre ist es jetzt her, dass München die größte Baustelle der Welt war - in Vorbereitung auf Olympia 1972. Unser Fotograf Heinz Gebhardt zeigt uns, wie das damals war - und wie’s heute ausschaut. Zum Beispiel am Oberwiesenfeld - mit dem Olympiadorf heute eines der größten Wohnareale Münchens. © Gebhardt
Hier, wo früher mal ein Flughafen war, startet im März 1968 der letzte Flieger. Die Bauarbeiten für das olympische Dorf und die Sportstätten sind da schon in vollem Gange. Flugpionier Gustav Otto ist der ersten Pilot, der 1910 mit einem Flugzeug vom Oberwiesenfeld abhebt. Wer es sich leisten kann, fliegt 20 Jahre später schon nach Italien. Bald sind die 300 Hektar des Oberwiesenfeldes aber zu klein und in Riem wird 1939 der neue Flughafen eröffnet. © Gebhardt
Wer heute durch das Marienplatz-Untergeschoss spaziert, zu S-oder U-Bahn hinunterfährt, ahnt nicht, wie viel Kopfzerbrechen dieses riesige unterirdische Bauwerk den Konstrukteuren vor den Olympischen Spielen bereitet hatte. 480 000 Quadratmeter waren für die „Mailänder Bauweise“ nötig, wie ein Architekt einmal ausgerechnet hatte. Große Aufregung breitete sich aber aus, als ein Statikspezialist vor einer gefährlichen „Biegewelle“ warnte, die sich in den Geschossdecken ausbreiten könnte und die nur mit Millionen an Mehrkosten stabilisiert werden könnte. © Gebhardt
„Wonach sollte man sich richten? Nach der Flexibilitätsformel des Ungarn Dr. Rosza, oder gar nach Differentialgleichungen, mit denen selbst ihr Erfinder Newton nicht mehr klarkäme“, schrieb später der oberste „U-Bahn-Maulwurf“ Dr. Klaus Zimniok, und weiter: „Es kam letztlich in allen so unterschiedlichen Rechenverfahren in etwa dasselbe Ergebnis heraus, was einen beruhigte.“ Und wie man sieht, ist bis heute nirgends eine „Biegewelle“ aufgetreten. © Gebhardt
Was war das für ein Gewerkel an allen Enden und Ecken – aber wohl nirgends so auffällig wie auf dem Marienplatz, wo München massiv wie selten zuvor in den Untergrund ging. Schließlich wurde für das Fest der Ringe die U-Bahn gebaut. Auf dem Foto sehen Sie, wie spektakulär und chaotisch es im Herzen der Stadt zuging.  © Gebhardt
Am meisten ängstigte die U-Bahn-Bauer der ehrwürdige Alte Peter. Denn die Grundmauern der Kirche gehen bis zur Gründungszeit Münchens zurück. So musste die Technische Universität erst mal das heilige Haus akribisch vermessen. Und stellte dabei fest: Der Alte Peter steht schief! Um ihn nicht zum Pisa-Turm zu machen, wurde das Fundament verfestigt, wurden Klammern und Stützmauern eingezogen und erst dann mit dem Graben begonnen. Seitdem schaut der Alte Peter niemanden mehr schief an. © Gebhardt
Ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen im Sommer 1972 war die Stadt im Ausnahmezustand - bis auf die Münchner selbst, denn die hatten sich in den vergangenen Jahren so an die Baugruben und Behelfsbrücken gewöhnt, dass sie sich gar nicht mehr von ihnen trennen wollten. Das größte Problem der U-Bahn-Wühlmäuse waren die Fußgänger - immer und überall störten sie. Natürlich auch auf der - nach dem Olympiagelände - größten Baustelle der Stadt, dem „Stachusloch“. © Gebhardt
Um die lästigen Fußgänger längere Zeit verschwinden zu lassen, baute man buchstäblich über Nacht im Frühjahr 1968 eine 60 Meter lange und 4,80 Meter hohe Brücke mit Holz aus dem Sauerlacher Forst quer über den Stachus. Absolut behindertenfeindlich und für Rollstuhlfahrer total tabu: Die Stachusbrücke, das kurioseste Bauwerk im Vorfeld der Olympiade, wurden zum absoluten Gespött der Münchner. © Gebhardt
 Ein „Schildbürgerstreich“ sei diese Seufzerbrücke, ein „Treppenwitz“ und „Schandfleck“ für München. Die Beschimpfungen dieses „Albtraums aus Holz“ machten die Stachusbrücke jedoch bundesweit so populär, dass sie neben dem Glockenspiel zur meistfotografierten Touristenattraktion wurde. Und für die Jugendlichen wurde sie zum beliebtesten Treffpunkt für Verabredungen und Rendezvous. Als sie im Juni 1969 abgerissen werden sollte, brandete ein Sturm der Entrüstung auf. Man hatte sich an die Brücke gewöhnt. © Gebhardt
Das Münchner Forum forderte allen Ernstes die sofortige Umwandlung in einen „dauerhaften Festbau“, die Süddeutsche schlug sogar vor, die Brücke als „einmaliges Baudokument“ unter Denkmalschutz zu stellen. Die U-Bahnwühler verstanden die Welt nicht mehr und waren über den Sinneswandel so gerührt, dass sie das Holzmonster noch ein halbes Jahr in Betrieb ließen. Obwohl im Winter 1969/70 die Unterführung schon mit Rolltreppen begehbar war, kletterten die Münchner unverdrossen und sogar mit dem Radl über „ihre“ Stachusbrücke. © Gebhardt
Glockenspiel am Abgrund Das olympische U-Bahn-Bauloch konnte gar nicht groß genug sein. Täglich um 11 Uhr drängten sich 1969 die Touristen genauso wie heute auf dem Marienplatz um das Glockenspiel zu sehen - mit einem bemerkenswerten Unterschied zu heute: Die Zuschauer standen zeitweise ständig am Rande eines 30 Meter tiefen Abgrunds, der durch keinerlei Absperrung abgesichert war. © Gebhardt
Der Zeitdruck, die zwei Hauptstrecken im Untergrund bis zu den Olympischen Spielen in der Hälfte der geplanten Bauzeit fertigzustellen, war derart groß, dass viele Sicherheitsmaßnahmen einfach übersehen wurden. Obwohl täglich Hunderte ihre Köpfe nur nach oben reckten, fiel kein Einziger von ihnen in die Baugrube - auch nicht der große Pantomime Samy Molcho, der 1970 mit einem Besen sicher über die Eisenträger balancierte. © Gebhardt
Sehen Sie hier weitere Bilder von früher und heute: Auch hier im Bild zu sehen: der Marienplatz. © Gebhardt
Die selbe Perspektive über 40 Jahre später. © Gebhardt
Der Justizpalast an der Prielmayerstraße aus heutiger Sicht. © Gebhardt
Kaum zu glauben: So sah es dort 1970 aus. © Gebhardt

Immerhin kann recht komfortabel gewerkelt werden: Wegen der großen Zufahrt können Bagger und andere Baufahrzeuge relativ bequem einfahren.

Das Kernstück kommt von 2014 bis 2019 dran: die Sanierung der Betriebstechnik: Brandschutz, Lüftung, Wasserleitungen, Stromnetz. Noch heuer wird der Boden der Treppenräume erneuert, Wände und Beleuchtung folgen ebenfalls bis 2019.

Bis 2019 werden ca. 110 Millionen Euro geflossen sein. Die Summe für die Betriebstechnik wurde dabei mehrmals nach oben korrigiert.

M. Homann

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