Bayern altert - München bleibt jung

+

München - Die Stadt München wird im Jahr 2030 nach einer Prognose die jüngste Bevölkerung von allen bayerischen Städten haben. Das haben Experten der Bertelsmann Stiftung errechnet.

Wie wird unser Bayern im Jahr 2030 aussehen? Wie wird sich die Bevölkerung im Freistaat entwickeln? Wo werden die Jungen und wo die Alten leben? Und welche Landstriche werden geradezu aussterben? Genau um diese wichtigen Fragen geht es in einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung. Vorneweg: Unsere Zukunft sieht alt aus. So ergab die Analyse unter anderem, dass die Zahl der 80-Jährigen in Bayern bis zum Jahre 2030 um satte 64 Prozent steigen wird.

Genau 613 Kommunen im Freistaat nahm die Bertelsmann Stiftung für ihre Analyse genau unter die Lupe (einsehbar im Internet unter www.wegweiser-kommune.de). Dabei zeigt sich: Die Alterung der Bevölkerung ist je nach Ort sehr unterschiedlich. Während im Landkreis Wunsiedel im Jahr 2030 die Hälfte der Bewohner älter als 55 Jahre sein wird, wird die Hälfte der Menschen in München lediglich älter als 41 Jahre sein. Sorgen um das Land Bayern muss sich aber niemand machen – es wird nicht aussterben. Im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass der Freistaat das einzige Bundesland ist, in dem die Einwohnerzahl sogar zunehmen wird: von 2009 bis 2030 um 0,8 Prozent. Dann leben hier 12,61 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Sachsen-Anhalt wird 20 Prozent seiner Bevölkerung verlieren. Die tz erklärt die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Kinder und Jugendliche: Die Zahl der Kinder unter drei Jahren nimmt in den meisten Landkreisen und kreisfreien Städten ab. Für das gesamte Bundesland wird eine Abnahme von minus 5,9 Prozent erwartet. Am stärksten vom Abwärtstrend betroffen ist der Landkreis Kronach: Bis 2030 verliert er ein Viertel seiner Kleinkinder unter drei Jahren! Den höchsten Zuwachs in dieser Gruppe wird die Stadt München verzeichnen können (plus 15,8 Prozent). Der Hauptgrund: Der Zuzug von jungen Eltern aus anderen Regionen.

Auch die Zahl der Schüler wird im Freistaat sehr stark sinken – besonders im Bereich der Altersgruppe der Zehn- bis 15-Jährigen: um minus 16,1 Prozent. Auch hier findet mit einer Zunahme von 28,5 Prozent in München die regional positivste Entwicklung statt. Die Landeshauptstadt bleibt also jung.

Am stärksten vom Rückgang betroffen ist der Landkreis Freyung-Grafenau (minus 38,5 Prozent). Viele Schulbänke werden dort leer bleiben, was zu einer Kürzung beim Schulpersonal führen wird und zu so mancher geschlossenen Schule.

Erwerbstätige:

Die Zahl der potenziell Erwerbstätigen (25 bis 44 Jahre) wird in Bayern bis 2030 um 10,1 Prozent zurückgehen. Am stärksten von diesem Trend betroffen ist der Landkreis Kronach (minus 28,8 Prozent). Die Stadt München dagegen wird den regional höchsten Anstieg von plus 8,8 Prozent erwarten können. Auch hier liegt der Grund auf der Hand: Um einen Job zu finden, ziehen viele Menschen einfach in die Großstadt.

Geburten und Sterbefälle: Bayerns natürliche Bevölkerungsentwicklung (Geburtenbilanz) ist negativ. Heißt: Es gibt schon jetzt mehr Sterbefälle als Geburten. Das gilt für fast alle Kreise und kreisfreien Städte. Die einzigen Ausnahmen stellen die Stadt München und der Landkreis Freising dar. Während es in der Landeshauptstadt mehr Geburten als Sterbefälle gibt, ist im Landkreis Freising die Zahl der Geburten und die der Sterbefälle in etwa gleich.

2009 wurden in Bayern statistisch 8,3 Kinder pro 1000 Einwohner geboren (bundesweit: 8,1). Im gleichen Jahr lag die Sterberate für Bayern bei 9,8 Fällen pro 1000 Einwohner (bundesweit: 10,5). Die wenigsten Sterbefälle je 1000 Einwohner gab es mit 7,1 im Landkreis Freising

Späte Mütter:

Bayerns Frauen bekamen 2009 ihre Kinder im Alter von durchschnittlich 31,0 Jahren. Das liegt über dem bundesdeutschen Schnitt von 30,4 Jahren. Die jüngsten Mütter leben mit 28,7 Jahren in der kreisfreien Stadt Hof, während die ältesten mit 33,0 Jahren aus dem Landkreis Starnberg stammen. Junge Eltern wird es im Bayern des Jahres 2030 übrigens noch weniger geben: Ihre Zahl wird um sechs Prozent abnehmen.

Gruppe der Hochaltrigen nimmt zu

Im Jahre 2030 werden in Bayern 7,9 Prozent der Bevölkerung über 80 Jahre alt sein (bundesweit 8,3 Prozent). Die Altersgruppe der über 80-Jährigen nimmt vor allem auf dem Land deutlich zu. Hier werden Zuwächse von plus 25 Prozent im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge bis hin zu satten 120 Prozent im Landkreis Dachau erwartet.

In den Städten fällt die relative Zunahme der über 80-Jährigen dagegen deutlich geringer aus. Hier reicht die Spanne von plus zwölf Prozent in Coburg bis plus 72 Prozent in Ingolstadt. Nur eine Folge dieser Entwicklung: Es muss mehr Geld in die Versorgung von älteren Mitmenschen investiert werden – gegebenenfalls auch in Form von ambulanten Diensten und Pflegeheimen.

Armin Geier

München - auferstanden aus Ruinen

München - auferstanden aus Ruinen

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare