Weil Jugendliche heute Faschings-Muffel sind

Bayern gehen die Prinzen aus

+
Fasching ohne Prinzenpaare - unmöglich

Fasching ohne Prinzenpaar – unmöglich. Traditionell werden die Hoheiten am 11.11. der Öffentlichkeit präsentiert.

Doch in diesem Jahr wird’s eng für Narrenvereine in Bayern: Faschingsprinzen sind Mangelware. Immer weniger junge Männer wollen den anspruchsvollen Job übernehmen.

Die Münchner Narrhalla etwa hat erst in der vergangenen Woche ihre Herrscher gefunden. Der Last-Minute-Prinz hatte sich nach einem Artikel in der tz gemeldet. Doch die Faschings-Katastrophe erlebt heuer die Narrhalla in Freising: Sie feiert diese Saison ohne Prinzenpaar.

Der Präsident der Freisinger Narrhalla, Werner Wolter, kennt ähnliche Fälle: Mainburg etwa habe vergangenes Jahr auch keinen Prinzen gehabt, in Schleißheim wurde erst vor Kurzem einer gekürt. Und auch in Landshut soll es Probleme geben.

„Es war nie leicht Kandidaten zufinden“, sagt Wolter. Kein Wunder, die Anforderungen an den Kostüm-König sind hoch: Vor allem muss ein Faschingsprinz richtig viel Zeit mitbringen. Zwischen Januar und dem Ende des Faschings im Februar steht die Hoheit jedes Wochenende in einem Festsaal, tanzt, schüttelt Hände, winkt, überreicht Orden, hält Ansprachen. Meist bis 2 oder 3 Uhr in der Nacht. Die letzten 14 Tage sollte man gleich ganz Urlaub nehmen, rät Wolter. Doch da spielt nicht jeder Arbeitgeber mit.

Zu den rund 100 Auftritten kommt die finanzielle Belastung. Das königliche Kostüm muss der Prinz oft selbst zahlen. Bei der Münchner Narrhalla muss er sogar einen Beitrag entrichten, um das Amt zu erhalten.

Doch das Hauptproblem ist: Das Interesse junger Menschen am Fasching lässt nach. „Die Jugend geht lieber in die Disko“, sagt Jeanette Scherer von der Münchner Würmesia. Es fehle der Enthusiasmus.

Der Prinzen-Mangel ist vor allem ein Problem der Städte, weiß Wolfgang Schimmer vom Bund Deutscher Karneval. „München hat es schwer“, sagt er. Den jungen Menschen werde hier einfach zu viel geboten. „Hier ist doch immer Fasching.“

Und in Freising? Fällt dort die Gaudi nun ins Wasser? „Der Fasching wird durchgezogen“, sagt Wolter – alleine schon aus Kostengründen. Die Kostüme sind längst gefertigt, die Garde hat geübt, die Bands für die Bälle organisiert. Wer allerdings nun die Aufgaben der Prinzenpaars übernimmt, ist noch unklar.

Finanziell kann der Ausfall eines Prinzenpaars für einen Verein zur Katastrophe werden: Veranstalter wie Heime, Kindergärten, Organisationen, buchen eine Gesellschaft mit Garde, Musik und eben einem Prinzenpaar.

Übrigens: Prinzessinnen zu finden, ist meist kein Problem. „Jedes Mädchen träumt davon, einmal Prinzessin zu sein“, sagt Scherer. Im Fasching wird der Traum dann wahr.

Markus Knall

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Frau will sich an Ex rächen: Seine DNA an angeblichem Tatort verteilt
Frau will sich an Ex rächen: Seine DNA an angeblichem Tatort verteilt
Stadtrat hat entschieden: Böller-Verbot in Münchner Innenstadt
Stadtrat hat entschieden: Böller-Verbot in Münchner Innenstadt
Münchner zieht mit fremder Männergruppe durch Lokale - auf dem Heimweg erlebt er eine böse Überraschung
Münchner zieht mit fremder Männergruppe durch Lokale - auf dem Heimweg erlebt er eine böse Überraschung

Kommentare