Tumulte in der Bayern-Kaserne

Wurden die Jugendlichen rassistisch beleidigt?

München - In der Nacht zum Donnerstag haben Jugendliche in der Bayern-Kaserne randaliert. Es kam zu 29 Festnahmen. Jetzt berichtet die innere Mission von monatelangen Reibereien zwischen Wachleuten und Asylbewerbern. Neue Vorwürfe wurden bekannt.

Nach den Tumulten in der Bayern-Kaserne in der Nacht zum Donnerstag, bei denen Asylbewerber randaliert und Polizisten angegriffen hatten, wird der bisherige Sicherheitsdienst von seinem Auftrag abgezogen. Und gerät obendrein noch wegen angeblicher, rassistischer Äußerungen seiner Angestellten in die Kritik.

Für die Unterbringung der „unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge“ (UMF) in der Bayern-Kaserne und somit auch für den Sicherheitsdienst ist die Regierung von Oberbayern zuständig. Die schreibt in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung: „Unabhängig von dem Vorfall muss der Auftrag zur Bewachung der Bayern-Kaserne neu ausgeschrieben werden. Insofern können wir bestätigen, dass der momentan bestehende Auftrag enden wird.“

Dabei scheint es so, als wäre der Tumult, bei dem 27 Somalier, ein Iraker und ein Jugendlicher aus Guinea vorläufig festgenommen wurden, absehbar gewesen: „In den vergangenen Monaten hat es immer wieder Spannungen zwischen dem Sicherheitspersonal und den Jugendlichen gegeben“, sagt Andreas Herden, Abteilungsleiter für Migrationsdienste bei der Inneren Mission München, die für die Betreuung der Jugendlichen zuständig ist. Er glaubt: „Die Eskalation ist eine Folge von Ereignissen, die im Dezember begonnen haben“. Mehrfach sei es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Sicherheitsdienst und den Asylbewerbern gekommen. Dabei sollen Wachleute die Jugendlichen auch rassistisch beleidigt haben.

Nach Recherchen unserer Zeitung handelt es sich um das Unternehmen „BWS-Sicherheit“ aus Kempten, das in München eine Zweigstelle unterhält. Mit Verweis auf eine Verschwiegenheitsklausel im Vertrag mit der Regierung von Oberbayern will man sich aber nicht zu den Vorfällen äußern.

Hätte die Regierung von Oberbayern früher reagieren müssen? „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Bewachungsunternehmen und dem betreuenden Sozialverband Innere Mission München, um Beschwerden aufzuarbeiten und etwaige Konflikte bereits im Vorfeld ausräumen zu können“, heißt es in der Stellungnahme lapidar.

Verständnis für das Verhalten der Jugendlichen hat man auch bei der Inneren Mission nicht. Laut Andreas Herden, wolle man sich weiter um die Jugendlichen kümmern, doch für die Randalierer werde der Vorfall noch Konsequenzen haben. Zunächst sind Einzelgespräche mit den Randalierern geplant. Bei drei von ihnen müssen diese aber erst einmal warten: Sie sitzen wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft.

Benjamin Krischke

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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