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Wie gefährlich ist das Pilzesammeln per App? Münchner Giftnotruf schlägt oftmals Alarm

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Von: Phillip Plesch

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Achtung! Ein Fehlgriff beim Pilzesammeln kann tödlich enden.
Achtung! Ein Fehlgriff beim Pilzesammeln kann tödlich enden. Heuer hat vor allem der giftige orangefuchsige Raukopf für zahlreiche Anrufe beim Giftnotruf der TUM gesorgt. © Sebastian Gollnow/dpa

Der neue Trend, sich auf eine App zu verlassen, wenn es in die Schwammerl geht, birgt große Gefahren. Der Münchner Giftnotruf verzeichnet viele schlimme Fälle und schlägt Alarm.

München - Beim Pilzesammeln ist Vorsicht geboten. Nur einmal zum falschen Schwammerl gegriffen und schon drohen schlimme Vergiftungen und sogar Lebensgefahr! Experten warnen daher davor, nur auf Pilz-Apps zu vertrauen, wobei die zuletzt einen regelrechten Boom erlebt haben.

„Ich hoffe nicht, dass Leute nur nach so einer Pilz-App sammeln“, sagt Katrin Romanek, Fachärztin für Innere Medizin und Oberärztin beim Giftnotruf München*. Denn: Pilze „können extrem unterschiedlich aussehen, je nachdem wie jung oder alt der Fruchtkörper ist, und auch witterungsbedingt können die sich sehr stark unterscheiden.“

Münchner Giftnotruf: Gefahr durch Pilze, die Nierenversagen verursachen

Hintergrund: Aufgrund der äußeren Umstände sind in diesem Jahr besonders viele Cortinarien gewachsen. „Und die lösen das Orellanus-Syndrom aus“, erklärt die Medizinerin. Vor allem der orangefuchsige Raukopf (Cortinarius orellanus) sei für viele Notrufe verantwortlich gewesen. „Dieser Pilz verursacht nach mehreren Tagen Nierenschäden bis zum dialysepflichtigen Nierenversagen“, warnt Romanek vor dem Pilz. Besonders gemein: Er kann gleich mit mehreren Pilzen verwechselt werden. Die Ärztin führt aus: Der Gelbfuß sehe ihm recht ähnlich, aber es habe auch schon Verwechslungen mit Parasolpilzen, Champignons oder dem spitzkegeligen Kahlkopf (magic mushrooms) gegeben.

Wenn Pilzsammler sich zu sehr auf eine App verlassen, wird‘s gefährlich

Das liege aber meist daran, dass sich die Pilzesammler nicht ausreichend auskennen und nicht daran, dass die Pilz-App versage. Kein Wunder, gehen doch seit ein paar Jahren wieder mehr Menschen selber auf die Pilzsuche in den Wald. Spätestens seit dem pandemiebedingten Lockdown.

Heuer hat vor allem der giftige orangefuchsige Raukopf für zahlreiche Anrufe beim Giftnotruf der TUM gesorgt.
Heuer hat vor allem der giftige orangefuchsige Raukopf für zahlreiche Anrufe beim Giftnotruf der TUM gesorgt. © Christian Vollbracht/dpa

Da die Unterscheidung manchmal viel Wissen und Erfahrung erfordere, halte sie es nicht für ratsam, sich nur auf eine App zu verlassen. Für Laien hat Romanek einen einfachen Rat: „Wenn man nicht hundertprozentig weiß, was man macht, dann sollte man nur Röhrenpilze sammeln – keine Lamellenpilze.“ Damit die Pilzsuche mit einem leckeren Essen und nicht im Krankenhaus endet. P. Plesch *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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