Beamter der Müllabfuhr vertickt 200 Dienst-Handys

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Der Beamte der Müllabfuhr verkaufte rund 200 Diensthandys im Internet und an Kollegen.

München - Krumme Geschäfte im Rathaus: Erst am Donnerstag berichtete die tz exklusiv über den Korruptionsbericht der Stadt, der zehn Fälle der Bestechung auflistete, davon einen schweren Fall bei der städtischen Wohnbaufirma Gewofag mit 900 000 Euro Schaden.

Einen Tag später gab die Gewofag einen zweiten Korruptionsfall bekannt. Und jetzt erfuhr die tz von einem weiteren Fall, bei dem ein Beamter schmutziges Geld machte, dieses Mal beim städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb AWM. Der Mann wurde 2008 verurteilt.

Der Beamte war beim AWM dafür zuständig, dass die Müllfahrer und Außendienstmitarbeiter mit Mobiltelefonen versorgt werden, damit diese unterwegs erreichbar sind. Vier Jahre lang ließ sich der Beamte in unvergleichlicher Dreistigkeit die Handys vom Baureferat liefern. Doch er übergab sie nicht seinen Kollegen, sondern steckte sie ein, um sie dann bei Ebay zu verkaufen!

Doch auch im Kollegenkreis bot er die Mobiltelefone an – zwei seiner Kollegen gaben ihre Handys ab, nachdem der Fall 2004 beim Anti-Korruptionsbeauftragten des AWM Peter Palatzky aktenkundig geworden war. „Die Sache war durch interne Untersuchungen aufgefallen“, so Palatzky zur tz. Seinen Angaben zufolge verschwanden rund 200 Handys auf diesem Weg spurlos. Auf rund 88 000 Euro addierte sich der Schaden schließlich, so Palatzky. Und weiter: „Die Handys, um die es ging, hatten einen Wert von je 400 bis 600 Euro.“

Der Beamte kündigte nach Angaben Palatzkys selbst, 2008 wurde er in einer Gerichtsverhandlung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und muss nun monatlich in Raten von 100 Euro den Schaden abstottern, den er angerichtet hat. Palatzky: „Das wird er wohl bis zu seinem Lebensende machen müssen.“

Unterdessen bestätigte die Staatsanwaltschaft München die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Gewofag, denen zufolge sich die beiden über so genannte Kick-Back-Zahlungen schmieren ließen.

Bei Kick-Back-Zahlungen bekommt der Mitarbeiter von der Baufirma eine illegale Provision für einen Auftrag bezahlt, die das Unternehmen mit dem Wissen des Mitarbeiters auf die Rechnung aufgeschlagen hatte. Einem weiteren Ermittlungsverfahren zufolge haben zwei andere Gewofag-Mitarbeiter via Kick Back 900 000 Euro Schaden verursacht.

J. Welte

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