Beckstein: Sein neues Leben hört sich gut an

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Volksleiden Ohr: 14 Millionen Deutsche leiden mittlerweile an einem Hörschaden oder einem nervtötenden Tinnitus. Für viele ist ein Cochlea-Implantat die letzte Rettung.

München - Nach seiner Kopf-OP hat sich Günther Beckstein nun wieder völlig erholt. Noch besser: Der ehemalige bayerischer Ministerpräsident kann jetzt wieder richtig gut hören.

Operation gelungen, dem Patienten geht es mehr als gut: Ende September sprach der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein in der tz erstmals über seine schwere Kopf-OP. Mit einem Implantat versuchten Erlanger Ärzte, den dramatischen Hörverlust des CSU-Urgesteins zu stoppen – mit großem Erfolg.

Mittlerweile kann der 67-Jährige sogar wieder Musik ohne störende Geräusche genießen. Auch sonst hat sich bei dem Franken einiges geändert: Beckstein und sein neues Leben zwischen Skifahren und Papstbesuch, in dem Politik nur noch die zweite Geige spielt. „Ich höre zwar nur fast wieder wie ein Junger. Aber ich bin auch nicht mehr ganz jung“, sagt der 67-Jährige.

Scherze, die ihm vor dem Eingriff schwer gefallen sind: Nur noch zwei Prozent betrug das Hörvermögen auf der linken Seite, hinzu kam der nervtötende Tinnitus. Auf dem rechten Ohr war es nicht viel besser. Deshalb entschied sich Beckstein für den Eingriff. Das sogenannte Cochlea-Implantat hat ihm mehr als 90 Prozent seines Hörvermögens zurückgegeben. „Am Anfang hat das alles noch sehr mechanisch geklungen“, verrät er. „Doch mittlerweile kann ich auch Musik wieder einwandfrei verstehen. Mein Hirn hat das Hören wieder gelernt!“

Die Elektroden werden in die Hörschnecke eingeführt. Die Empfangsspule wird hinter dem Ohr unter der Haut platziert. Die Sendespule des Prozessors haftet mit Hilfe der Magneten auf der Kopfhaut. Durch einen elektronischen Reiz wird der Hörnerv reaktiviert. Der Patient hört wieder. Experten für diese OP gibt es in München im Klinikum Großhadern, im Klinikum rechts der Isar und im Krankenhaus Martha-Maria sowie an der Uni-Klinik in Erlagen.

Überhaupt ist das Leben des ehemaligen Landesvaters seit seinem Rücktritt im Herbst 2008 nicht mehr mit jenem davor vergleichbar. Sein Landtagsmandat übt er zwar noch immer mit großem Eifer aus. Doch freilich ist es als einfacher Abgeordneter für den Stimmkreis Nürnberg-Nord bei weitem nicht so stressig wie während seiner Zeit an vorderster Front. „Mir geht es sehr gut, ich genieße jeden Tag“, sagt Beckstein. Vor kurzem war er ein paar Tage zum Skifahren in Südtirol. Dolomiten-Zauber mit Traumschnee, aber bei minus 18 Grad. Hier hatte Beckstein übrigens zum ersten Mal richtig Probleme mit seinem auf dem Kopf sitzenden Hörcomputer. „Da passt natürlich der Helm nicht drauf, deshalb habe ich das Gerät lieber runter gebaut“, erzählt er. Ansonsten stört ihn der Computer nicht. „Er gehört zu meinem Alltag dazu. Ich kann nur jedem empfehlen, sich helfen zu lassen, wenn er solche Probleme hat wie ich.“

Stellt ein Arzt fest, dass das Cochlea-Implantat notwendig ist, werden die 30 000 Euro Kosten von den privaten und gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dass sich die Lage in der CSU nach den auf 46 Prozent gestiegenen Meinungsumfragen wieder beruhigt hat, nimmt Beckstein mit Freude zur Kenntnis. Sein ganzes Herzblut hängt heute aber nicht mehr an der Politik. Auch besserwisserische Kommentare über die jetzige Führungsspitze gibt es von ihm nicht.

Beckstein hat Besseres zu tun: Neben mehr Freizeit, die er sich jetzt gönnt, engagiert er sich in der Landessynode der Evangelischen Kirche . Nächste Woche macht er sich mit einer Delegation auf nach Rom. Dort kommt es zum Treffen mit dem bayerischen Papst Benedikt. Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken statt Koalitionsstress zwischen CSU und FDP. „Auf diese Reise freue ich mich schon sehr, diese Aufgabe in der Synode macht mir sehr viel Spaß“, erzählt Beckstein. Musik, Skifahren, Kirche und ein bisschen CSU: Das neue Leben des Günther Beckstein hört sich richtig gut an!

Stefan Dorner

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