MVG verbietet Yasir (11) seinen Roller

Behinderter Bub darf nicht im Bus mitfahren

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Yasir (11) kann ohne den Roller nur humpeln. In den Bus durfte er seine Gehhilfe nicht mitnehmen.

München - Jeden Tag wartet Yasir mit einem mulmigen Gefühl auf den Bus, der zu seiner Schule fährt. Die MVG verbietet dem behinderten Bub seinen Roller.

Schon wenn er den Linienbus von Weitem sieht, schlägt sein Herz schneller. Wenn die Fahrertür aufgeht, schlägt sein Herz richtig wild. Dann nimmt Yasir seinen ganzen Mut zusammen und steigt ein. „Halt, mit dem Roller darfst zu nicht mit“, hört er oft. Es ist die Stimme des Busfahrers. „Steig aus und klapp’ ihn zusammen.“ So lange aber wartet der Fahrer nicht – er schließt die Tür und gibt Gas. Yasir steht dann mit seiner schweren Schultasche über den Schultern an der Haltestelle. In solchen Augenblicken schießen dem Elfjährigen die Tränen in die Augen. „Weil ich das so gemein finde. Das macht mich traurig.“

Deshalb fährt ihn seine Mutter seit ein paar Tagen mit dem Auto jeden Morgen ins Maria-Theresia-Gymnasium in der Au. „Ich will meinem Sohn die Enttäuschung nicht zumuten“, sagt sie. „Nur am Nachmittag kann ich ihn nicht abholen. Da ist Yasir auf sich allein gestellt.“ Der Bub weiß es natürlich – Roller darf man in MVG-Bussen nicht mitnehmen. Aber für Yasir ist sein dunkelgrüner Roller kein Spielgerät. Er leidet an einem stark deformierten Fuß, fast zehn Kilo ist er schwer, schon ein dutzend Mal musste Yasir operiert werden. „Mein Roller ist für mich mein linkes Bein“, sagt der Elfjährige – ohne den Cityroller kann Yasir nur wenige Meter humpeln.

Am Mittwoch war wieder so ein Tag, der Yasir die Tränen in die Augen trieb. Es war sein elfter Geburtstag. Nach dem Unterricht steht er zusammen mit anderen Kindern an der Haltestelle Regerplatz. Als der Bus der Linie 152 hält, lässt ihn der Busfahrer wieder nicht einsteigen. „Aber der Mann sieht doch, dass ich den Roller nicht zum Spaß habe“, sagt Yasir später zu seiner Mutter. Weil er auch mit den Trambahnfahrern Probleme hat, ist Yasir an diesem Tag mit seinem Roller und dem schweren Schulranzen am Rücken bis nach Hause in die Fraunhofer Straße gerollt – ein trauriger Geburtstag!

Und es ist nicht das erste Mal, dass der Bub wegen seiner Behinderung ausgesperrt wurde: Als er letztes Jahr mit seiner Mutter den Tierpark Hellabrunn besuchen wollte, hieß es an der Kasse: „Nur ohne Roller!“. Auf Nachfrage der tz erklärt MVG-Sprecher Christian Miehling: „Die Beförderungsbedingungen schreiben vor, dass die handelsüblichen Roller nur unter bestimmten Bedingungen im Bus transportiert werden dürfen.“ Trotzdem bedauert er den Vorfall und verspricht: „Wir werden gemeinsam mit Yasir eine angemessene Lösung finden.“

Jam

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