Bundesamt verweigert Zulassung für automatisches Türenschließen

Behörde lässt S-Bahn-Pendler frieren

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S-Bahn-Pendlerin Ingrid F. friert: Aus Sicherheitsgründen schließen die S-Bahntüren erst kurz vor der Abfahrt, selbst wenn der Zug davor länger steht.

Unglaublich, aber wahr! Offenbar aus purer Bürokratie verweigert die Aufsichtsbehörde Eisenbahn-Bundesamt (EBA) der Münchner S-Bahn die Wiederinbetriebnahme der automatischen Türschließ-Einrichtung.

Folge: Die Türen werden erst bei Abfahrt zwangsweise vom Lokführer oder einem Zugbegleiter geschlossen. Während der gesamten Standzeit bläst deshalb kalte Luft von draußen in den Zug. Die Pendler müssen frieren.

Wie berichtet hatte die Aufsichtsbehörde sechs Jahre nach der Indienststellung der neuen Münchner S-Bahn-Züge erstmals beanstandet, dass die Türschließeinrichtung in Kombination mit einer Lichtschranke nicht sicher genug sei. Da die Gefahr besteht, dass Fahrgäste eingeklemmt, zu Boden gestoßen und/oder verletzt werden, ordnete das EBA Zweierlei an: Zum einen darf das Abfertigungsverfahren TAV nicht mehr angewandt werden. Dabei musste der Fahrer vor Abfahrt seines Zuges nicht mehr aus dem Fenster schauen, sondern durfte sich auf ein erlöschendes Licht als Signal für verschlossene Fahrgasttüren verlassen. Zum anderen wurde die Außerbetriebnahme des automatischen Türschließens verfügt. Bisher schlossen sich die S-Bahntüren automatisch nach drei Sekunden, wenn niemand mehr einstieg.

Gleichzeitig verlangte das EBA, dass alle 238 Münchner S-Bahn-Züge so schnell wie möglich mit Lichtgittern, also einem dichten Netz an Lichtschranken an den Türen, nachgerüstet werden müssen, um das Sicherheitsproblem zu lösen.

Münchens S-Bahn-Chef Michael Wuth auf Anfrage zur tz: „Wir haben uns beeilt und sofort mit der Umrüstung der Züge begonnen. 60 Züge sind auch schon mit Lichtgittern ausgestattet.“ Nur: S-Bahn-Chef Wuth darf die Tür-Schließautomatik deshalb immer noch nicht in Betrieb nehmen. Er muss den Umbau sogar stoppen.

Geschäftsleiter Wuth will dazu nur sagen: „Wir müssen Details mit dem EBA zur Inbetriebnahme absprechen.“ Tatsache ist: Per Weisung hat die Aufsichtsbehörde die Benutzung des automatischen Türschließens und der Lichtgitter untersagt. Möglicherweise floss dabei ein Test eines Behindertenverbandes ein, bei dem ein Kleinwüchsiger mit Krücken versucht hat, unter dem sichernden Lichtgitter in den Zug zu gelangen.

EBA-Sprecherin Bettina Baader gibt sich wortkarg: „Es fehlen Unterlagen der Bahn als Betreiber“, erklärt sie, warum die Lichtschranken in Münchens Zügen nicht in Betrieb gehen dürfen.

Das Seltsame: Mehr als ein Jahr fuhren bereits zwei S-Bahnzüge, die versuchsweise mit Lichtgittern ausgestattet waren, im gesamten S-Bahn-Netz. Das EBA wusste davon, hat den Betrieb aber nicht beandstandet. Was EBA-Sprecherin Baader so begründet: „Das war ja nur ein Versuchsbetrieb, dessen Erfahrungen in das Genehmigungsverfahren einfließen.“

Karl-Heinz Dix

Quelle: tz

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