In Paul-Heyse-Unterführung

Nach tz-Bericht: Behörde macht Gift-Baustelle dicht

+
Nach der Einstellung der Sandstrahlarbeiten durch die Gewerbeaufsicht in der Paul-Heyse-Unterführung ist die Luft wieder einigermaßen sauber.

München - Jetzt ist Schluss mit staubig! Nach dem tz-Bericht stoppt das Gewerbeaufsichtsamt die Arbeiten in der Paul-Heyse-Unterführung

Nach dem tz-Bericht vom Dienstag hat das Gewerbeaufsichtsamt die Baustelle in der Paul-Heyse-Unterführung kontrolliert. Ergebnis: Es gibt erhebliche Mängel in Sachen Arbeitsschutz und Umweltschutz – Hintergrund ist giftiger Bleistaub in der Luft. Die Arbeiter mussten sofort mit der Reinigung der stählernen Mittelsäulen aufhören. Ines Schantz, Sprecherin der Regierung von Oberbayern: „Die Sandstrahlarbeiten wurden sofort eingestellt.“

Wie berichtet, hatte sich durch die Arbeiten eine gewaltige Staubwolke im Tunnel gebildet. Die Schutzfolie rund um die Säulenreihe half da nichts – sie ist löchrig, die Übergänge sind nicht verklebt. Fußgängern und Radlern blieb buchstäblich die Luft weg.

Lkw kracht gegen Brücke: Paul-Heyse-Unterführung gesperrt

Lkw kracht gegen Brücke: Paul-Heyse-Unterführung gesperrt 

Einer der Betroffenen ist der Systemadministrator Jörg Winter, der am Dienstagmittag mit seinem Fahrrad den Tunnel durchquerte. „Ich war gar nicht darauf gefasst. Es gab keinen Warnung, nichts“, sagt er. „Plötzlich war ich mitten in der Staubwolke. Die Augen haben sich danach angefühlt, als hätte ich Sandpapier unter den Lidern.“ Er ging zum Augenarzt und ließ sich seine Augen ausspülen. Er denkt noch mit Grausen an den Dienstag zurück: „Die haben sicher auch den ganzen Taubendreck in die Luft gewirbelt.“

Wenn es nur der Taubendreck alleine wäre … Es ist viel schlimmer: Die Stahlstützen der über 100 Jahre alten Unterführung wurden gegen den Rost einst mit so genannten Bleimennigen gestrichen, wie ein Bahn-Sprecher der tz bestätigte. Diese chemischen Verbindungen sind viel giftiger als elementares Blei. Beim Sandstrahlen gelangen die Substanzen in die Luft – die Säulen sollen bis aufs blanke Metall gereinigt und dann neu gestrichen werden.

Touristenbus steckt im Paul-Heyse-Tunnel fest - Bilder

Touristenbus steckt im Paul-Heyse-Tunnel fest - Bilder

Tatsache ist: Bleivergiftungen können Nervenschäden verursachen. Und: Die Substanzen sind zudem stark wassergefährdend. In einem Sicherheitshinweis heißt es: „Nicht in das Grundwasser, in Gewässer oder in die Kanalisation gelangen lassen, auch nicht in kleinen Mengen!“ Wohin wohl der Staub beim nächsten Regen geschwemmt wird …?

Mit den Sandstrahlarbeiten kann’s jedenfalls erst weitergehen, wenn kein Staub mehr nach außen dringen kann. Ines Schantz: „Wir geben die Arbeiten erst wieder frei, wenn die Arbeits- und Umweltschutzauflagen umgesetzt sind.“

Eberhard Unfried

 

auch interessant

Kommentare