Behörden-Farce

Altenpfleger darf neun Jahre lang nicht arbeiten

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Francisco Valde­benito mit Doris Bellmann.

München -  Francisco Valde­benito aus Chile hat im Münchner Augustinum seine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht - und musste doch neun Jahre lang um seine Zukunft in Deutschland kämpfen.

Eigentlich war die Sache so einfach: Deutschland sucht Altenpfleger, und Francisco Valde­benito ist einer. Der 57-Jährige spricht Deutsch, hat im Münchner Augustinum seine Ausbildung gemacht. Neun Jahre lang kämpfte der Chilene um eine Zukunft in Deutschland. Doch die Behörden legten ihm immer wieder Steine in den Weg. Jetzt darf er endlich hier arbeiten!

Ein Ordner voller Unterlagen hat sich bei Doris Bellmann angesammelt.

Am Donnerstag landete sein Flugzeug in der Landeshauptstadt. Seit 2005 kämpfte Francisco mit seinen Freunden Doris und Jürgen Bellmann aus Gröbenzell darum, nach Bayern zurückkehren zu dürfen. Das Paar hat ihn über den Kulturverein kennengelernt: Valdebenito kam ursprünglich mit seiner Volkstanzgruppe Puelche nach München. „Mir hat sofort die Mentalität der Menschen hier gefallen“, sagt er. Er beschloss, eine Ausbildung zu absolvieren, um eine dauerhafte Arbeitserlaubnis zu erhalten. Das Seniorenheim Augustinum wollte ihn auch gleich übernehmen.

Aber kaum hatte er die Prüfung bestanden, musste er zurück nach Lateinamerika, weil es kein Abkommen für Arbeitskräfte aus Chile gab. 2011 reichte er erneut einen Visumsantrag bei der deutschen Botschaft ein. Doch wieder scheiterte alles an der Staatsbürgerschaft.

Münchner Freunde ließen nichts unversucht

Seine Münchner Freunde ließen nichts unversucht, um seinen Traum von einer Rückkehr nach Bayern zu verwirklichen. 2011 reichten sie eine Petition beim Landtag ein. Der gab sie an den Bundestag weiter, wo die Petition im Frühsommer 2013 mit Verweis auf die Gesetzes­lage abgelehnt wurde. „Dass die Bundesregierung sogar ungelernte Pflegekräfte aus Fernost anwirbt, macht mich wütend. Francisco hatte es trotz abgeschlossener Ausbildung so schwer“, sagt Doris Bellmann. Die 55-Jährige und ihr Mann haben für den Familienfreund immer wieder Formulare ausgefüllt, Anträge gefaxt und mit Ämtern telefoniert, bis heute Tausende Euro investiert.

Als der Bundestag zum 1. Juli 2013 den deutschen Arbeitsmarkt für Pflegekräfte aus Chile öffnete, glaubten alle, dass es nun ganz einfach sei. Im Oktober hatten sie alle Unterlagen für einen erneuten Visumsantrag beisammen. „Wir dachten, das muss nur durchgewunken werden“, sagt Doris Bellmann. Doch der neue Antrag wurde monatelang von Behörde zu Behörde gereicht. Anstatt in München alten Menschen zu helfen, musste Valdebenito weiter in Santiago de Chile in seinem alten Beruf als Friseur arbeiten.

Am 20. März endlich die erlösende Nachricht aus Chile: Die dortige deutsche Botschaft hat den Antrag bewilligt. Doris und Jürgen Bellmann buchten ihrem Freund sofort einen Flug nach München – am Samstag begann Franciscos erste Frühschicht im Augustium Nord.

Doris Bellmann: „Jahrelang mussten wir gegen Windmühlen kämpfen. Nun aber sind wir froh, dass er endlich da ist.“

Beate Winterer

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