Von wegen Bürokraten-Deutsch: Behördenbrief kam als Gedicht

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Alois Huber (38) ist Sachbearbeiter im städtischen Baureferat – und beweist Sinn für Humor. Der beste Beweis: der Brief an eine Bürgerin, den er in Reimform verfasste.

München - Formschreiben raus, Standardsätze drauf, Unterschrift drunter. Fertig. Behördenbriefe sind meist alles andere als persönlich oder charmant.

Der Brief, den tz-Leserin Evelyn Schultheiß vom städtischen Sachbearbeiter Alois Huber (38) bekommen hat, ist das sehr wohl: Auf diesem prangt ein launiges bayerisches Gedicht in vier Strophen. Von wegen Amtsschimmel in Münchens Stadtverwaltung!

Für Evelyn Schultheiß ist es nichts Ungewöhnliches, dass sie Briefe in Reimform verfasst – sie ist eine leidenschaftliche Dichterin. Ihr Anliegen an die Stadt brachte sie mit folgenden Worten vor:

Am Montagmorgen, 10 Uhr 10, hab’ ich die Straßenbeleuchtung geseh’n. Das muss nicht sein, denn es wird führen zu unnötig verschwendeten Stromgebühren (…)

Eine Beschwerde über eine Straßenlaterne, die tagsüber brannte – nett verpackt. Dass eine behördliche Stellungnahme aber ebenso nett verpackt zurückkommt, ist der Berg-am-Laimerin noch nie passiert.

A Blitz is gwen ganz donnernd grell, haut nei in unseren Masten schnell

heißt es in der Antwort. Und weiter:

Um achte scho, da ruckt er o, von der Beleuchtung is der Mo, suacht den Fehler, richt des Licht, und schaut ob’s brennt de ganze Gschicht.

Sachbearbeiter Alois Huber vom städtischen Baureferat übersetzt: „Am Tag zuvor hat ein Blitz den Schaltschrank lahmgelegt. Der Kollege, der das repariert hat, hat am nächsten Morgen noch einmal kontrolliert, ob wieder alles funktioniert – und dafür eben die Beleuchtung angeschaltet.“

tz-Leserin Evelyn Schultheiß

Der Inhalt des Schreibens war für Evelyn Schultheiß schon nach den ersten Zeilen zweitrangig. „Ich war total überrascht, dass bei der Stadt ein Mann sitzt, der nicht nur Bairisch, sondern auch dichten kann – und Sinn für Humor hat. So etwas versüßt einem den Alltag!“

Wie aber kommt man auf solch eine Idee? Ist der Sachbearbeiter etwa ein verkappter Dichter? „Nein, das war das erste Gedicht, das ich verfasst habe“, erklärt Huber der tz. „Mein Chef hatte im Spaß gesagt, ich könne Frau Schultheiß ja zurückdichten. Und da hab’ ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht?

Eine gute Stunde habe er gebraucht – nicht, dass jemand auf die Idee kommt, im Tiefbauamt habe man zu viel Zeit. Der eigentliche Antrieb: „Für gewöhnlich bekommen wir Beschimpfungen. Wer nett schreibt, erfreut uns und bekommt auch etwas Nettes zurück“, so der Ingenieur aus dem Landkreis Erding. „Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass wir Dienstleister sind und keine grantigen Bürokraten.“ Das ist Huber mit seinem Gedicht gelungen. Eines aber hat er nicht bedacht: „Meine Kollegen haben schon angedeutet, dass ich ‚mit meinem Talent‘ bei Betriebsfeiern nicht mehr um eine Einlage drumrum komme…“

Nina Bautz

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