"Bei uns durfte er Mensch sein"

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Der Sarg des Unternehmers auf dem Friedhof in Wackersberg: Er ist über und über mit roten Rosen geschmückt.

Wackersberg - Hier fühlte er sich am wohlsten, hier haben sie ihn begraben: Der Münchner Bauunternehmer und Milliardär Stefan Schörghuber ist am Dienstag auf dem Friedhof in Wackersberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) beigesetzt worden.

Im kleinen Kreis, in aller Stille – in jener Stille, die er zu Lebzeiten immer in der 3700-Seelen-Gemeinde gesucht hat. Stefan Schörghuber war in der Nacht zum Dienstag vergangener Woche völlig unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde nur 47 Jahre alt.

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Seine Familie fährt kurz vor dem Gottesdienst in der St. Nikolaus-Kirche in zwei schwarzen Audi Q7 vor: die Witwe Alexandra Schörghuber (50) mit den drei Kindern Stefanie (19), Michaela (17) und Florian (14). Schwester Arabella (41) und ihr Mann, der Wirt Peter Pongratz, hatten schon in der Kirche Platz genommen – ebenso Stefan Schörghubers Finanzvorstand und derzeitiger Nachfolger Hans-Peter Hoh.

Außerdem geben der Münchner Wirt Roland Kuffler und sein Sohn Stephan dem wahrlich engen Freund das letzte Geleit. Auch viele Wackersberger Bürger sind gekommen, um sich von dem Verstorbenen zu verabschieden.

Zu den Fürbitten treten die jungen Töchter Stefanie und Michaela nach vorne. Sie danken ihrem Vater für alles, was er für sie getan hat. Sie versuchen die Fassung zu wahren – und verlieren sie dann doch für einen winzigen Moment.

Pfarrer Leo Sobik würdigt den Verstorbenen als liebenswert und großzügig. Die Gemeinde singt „Großer Gott, wir loben dich.“ Es ist ein traditioneller, katholischer Gottesdienst.

Das passt zu Schörghuber, der sich immer nach Normalität gesehnt hatte. In München war er unter der Woche der große Konzernlenker und Milliardär mit Villa in Bogenhausen, am Wochenende war er im kleinen Wackersberg ein Nachbar, Spaziergänger, Pferdeliebhaber – kurz: ein Mensch. Hier ging er zur Grundschule, hier führte er das Gut Bohmerhof, lange bevor er das Unternehmen in das heutige Imperium umwandelte.

Nach dem Gottesdienst wird der Eichensarg aus der Kirche gebracht. Er ist geschmückt mit roten Rosen. An der Seite steckt ein Brief. Ein Herz ist darauf gemalt, eine Kinderhand hat „Papa“ darauf geschrieben – ein letzter Gruß von Stefanie, Michaela und Florian an ihren Vater. Es ist kalt am Grab, ein eisiger Wind weht. Die wenigen Sonnenstrahlen aber tauchen den Sarg für kurze Zeit in ein warmes Licht.

Die Großen aus Politik und Wirtschaft, unter ihnen auch Ministerpräsident Horst Seehofer, nehmen am Donnerstag in der Münchner Trauerfeier Abschied von Stefan Schörghuber. Um 13 Uhr läuten in St. Michael in der Fußgängerzone die Glocken. Einlass bekommt nur, wer geladen ist und eine Eintrittskarte besitzt.

In Wackersberg war das anders. Hier stehen die Bürger am Grab und erweisen Schörghuber die letzte Ehre – begleitet von Bläsern. Es ist eine Beerdigung, wie sie jedem Wackersberger zuteil geworden wäre. Stefan Schörghuber war einer von ihnen. Diese Normalität hat er gesucht. Jetzt hat er hier seine Ruhe gefunden. Für immer.

Quelle: tz

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