Trotzdem verlief alles friedlich

Beim Derby: Polizei spürt "Grundaggression"

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Mit einer Sperre verhinderte die Polizei, dass beide Fan-Gruppierungen aufeinander treffen.

München - Rund um das Grünwalder Stadion herrschte am Sonntag wieder Ausnahmezustand. Die Polizei hatte aufgrund des Derbys zwischen dem TSV 1860 II und dem FC Bayern II alles im Griff.

Kurz nach Spielbeginn, als sich noch mehrere hundert Löwenfans am Einlass drängten, hatte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins bereits ein gutes Gefühl: „Die Kuh ist vom Eis, da passiert nichts mehr“, sagte er. „Es war laut, aber ruhig im Vorfeld“, bilanzierte da Gloria Martins.

Kurz nach Spielende – die Löwen hatten mit 2:0 gewonnen – lobte die Polizei sogar via Twitter beide Fanseiten für ihr friedliches Verhalten. 10.300 Zuschauer waren gekommen, das Stadion war nicht ausverkauft. 12.500 Besucher sind zugelassen. Sowohl beim TSV 1860 als auch in der Fankurve des FC Bayern blieben viele Plätze leer. Schon im Vorfeld der Partie war weniger Brisanz zu spüren gewesen als bei den jüngsten Derbys. So hatten beide Seiten auf Fanmärsche verzichtet. Die Polizei war beim vorletzten Derby noch mit 1200 Beamten im Einsatz gewesen, beim vergangenen mit 900.

Dennoch, so ganz ohne Pyrotechnik und gegenseitige Provokationen ging es auch diesmal nicht ab. Die Polizei verzeichnete 16 Festnahmen. Marcus da Gloria Martins sprach überdies von einer „Grundaggression“ und davon, dass ein möglicher Lerneffekt im Hinblick auf die jüngsten Terrorereignisse und die vergangenen Derbys nicht festzustellen gewesen sei. Das war vor dem Spiel, später relativierte der Polizeisprecher seine Aussagen: „Die Fans waren sich im Stadion ihrer Verantwortung bewusst und haben dort auf Pyrotechnik verzichtet.“

Am Vortag hatten Bayern-Fans am Rande des Bundesligaspiels beim FC Schalke 04 für Ausschreitungen gesorgt. 196 Festnahmen gab es in Gelsenkirchen, da waren die 16 vom Sonntag vergleichsweise wenig. Klaus Röschinger, Chef der Fanszene-kundigen Beamten, gefiel es unterdessen nicht, dass Teile der Löwenfans dazu aufgerufen hatten, sich vor dem Spiel am Candidplatz zu treffen. 

Eigentlich wollten sich dort nämlich die FCB-Anhänger versammeln. Dies rief die 60-Anhänger auf den Plan, „weil man Giesing nicht den Bayern-Fans geben will“, wie es in einem Aufruf im Internet hieß. Wörtlich stand auf einer Fanseite: „Der Treffpunkt der Roten grenzt an Hausfriedensbruch.“ Dem Bündnis „Für unsern TSV“, das aus den Gruppen Cosa Nostra und Blue Blood Fanatics besteht, folgten laut Polizei 400 bis 500 Fans, die sich gegen 10.30 Uhr auf dem Candidplatz versammelten.

Pyro von den Bayern-Fans - Bilder vom kleinen Derby im Grünwalder Stadion

Die Polizei reagierte spontan, und ließ die Bayern-Fans nicht an der U-Bahn-Station Candidplatz, sondern erst am Wettersteinplatz aussteigen. Laut da Gloria Martins akzeptierten die Fans die Umleitung. Am Wettersteinplatz verhinderten die Beamten ein direktes Aufeinandertreffen und leiteten die Bayern-Anhänger über eine Seitenstraße von hinten ins Stadion.

Das Spiel im Ticker zum Nachlesen

Von Klaus Vick

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