Bub (11) erleidet Herzstillstand beim Fußball

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Der Sportpark des ESV Laim: Auf dem Fußballplatz kam es zu dem tragischen Vorfall.

München - Es ist das erste Training nach der Sommerpause, 26 Buben und ein neuer Trainer. Slobodan Mijatuvic will entscheiden, wer kommende Saison in der ersten und wer in der zweiten Mannschaft der D-Jugend des ESV München spielen wird.

Am Dienstag um 17.30 Uhr schickt er die Buben einige Runden zum Einlaufen auf den Platz an der Margarethe-Danzi-Straße in Nymphenburg. Doch schon in der zweiten Runde sackt einer von ihnen plötzlich in sich zusammen und bleibt auf dem Platz liegen, bewusstlos. Es ist keiner der 16 Spieler, die Mijatuvic schon im letzten Jahr trainiert hat, sondern einer aus der Mannschaft seines Vorgängers, die er übernommen hat. „Ich kannte ihn ja kaum, wusste nur, dass er Leo heißt.“

Bevor Mijatuvic reagieren kann, läuft auch schon die Mutter eines anderen Spielers auf den Buben zu und schreit nach einem Notarzt. „Ich habe überhaupt nicht gewusst, was ich tun soll“, sagt Mijatuvic, „in dem Moment denkt man nur an die anderen Kinder, dass man die von dem Jungen weghalten kann.“

Leo reagiert nicht mehr. Nicht auf die Rufe – „Leo!, Leo! haben wir immer wieder geschrien“ – nicht auf das Wasser, das ihm ins Gesicht gespitzt wird. Während zwei Väter Erste Hilfe leisten, indem sie den Elfjährigen zunächst in die stabile Seitenlage legen, dann mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzrhythmusmassage beginnen, macht sich der 33-jährige Trainer Gedanken. „Hätte ich sie nicht laufen schicken dürfen? Ist es ein Hitzschlag?“ Doch das Wetter ist angenehm und jeder der Buben eigentlich fit genug, um ein paar Runden um den Platz zu laufen.

„Wir waren so unglaublich erleichtert, wenn Leo alle 30 Sekunden mal geatmet hat,“ so Mijatuvic. Als die Atemzüge ausbleiben, kommt endlich der Notarzt. Leo wird mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand in eine nahegelegene Kinderklinik gebracht.

Nur seine Großmutter kann vorerst erreicht werden, sie kommt sofort zum Fußballplatz. Leo nehme starke Medikamente, erzählt sie, schon vor den Ferien sei er ein Mal zusammen gebrochen. Die Nachricht lindert Mijatuvic’ Schuldgefühle, aber gleichzeitig macht er den Eltern auch Vorwürfe. „Weder mir noch meinem Vorgänger haben sie von Leos Krankheit erzählt, wie sollen wir dann wissen, was los ist?“ Von den 16 Buben aus dem letzten Jahr kenne er jeden einzelnen. „Einer leidet an Asthma, da weiß ich im Notfall mit umzugehen.“

Bis Redaktionsschluss war nicht bekannt, wie es Leo geht. Auch Slobodan Mijatuvic wartete noch auf einen Anruf.

Katharina Fuhrin

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