Rentnerin gibt 10.000-€-Privatkredit

Wie bekomme ich mein Geld zurück?

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Ingeborg Teichmann (li.) füllt mit der Hilfe von Susanne Sasse vom Team des Bürgeranwalts den Mahnantrag aus.

München - Ingeborg Teichmann (72), Rentnerin aus Aubing, wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Sie hat 10.000 Euro verliehen - und ihr Bekannter zahlt nicht ab.

Im Oktober 2012 habe ich dem Mann einer Freundin 10 000 Euro geliehen. Wir haben auch einen Darlehensvertrag geschlossen. Nach etlichen schriftlichen Nachfragen zwecks Tilgung war die Antwort: Ich habe kein Geld, Rückzahlungstermin ist erst der 31. Dezember 2014. Im Dezember 2013 habe ich 500 Euro erhalten, sonst nichts mehr. Ich bin in Rente und brauche das Geld dringend. Mein Schuldner schreibt, er habe einen Offenbarungseid geleistet, aber ich glaube das nicht.

Ingeborg Teichmann (72), Rentnerin aus Aubing

Tatjana Halm, Leiterin der Rechtsberatung der Verbraucherzentrale Bayern, riet Ingeborg Teichmann, sich einen Titel zu holen. Ohne Titel würde ihre Forderung auf Rückzahlung der 9500 Euro in drei Jahren verjähren. Mit einem Titel eines Gerichts hat die Rentnerin 30 Jahre lang Zeit, Rückzahlung zu fordern und sie kann einen Gerichtsvollzieher beauftragen.

Der Mahnbescheid kommt die tz-Leserin zudem günstiger, als wenn sie gleich klagen würde – die Kosten bestimmen sich nach dem Streitwert der Forderung und liegen im Fall der tz-Leserin laut Halm geschätzt bei rund 30 Euro. Zudem kann sie, wenn ein Vollstreckungsbescheid erlassen wird, den Gerichtsvollzieher damit beauftragen, sich die Eidesstattliche Versicherung vorlegen zu lassen.

„Für das Mahnverfahren ist in Bayern zentral das Amtsgericht Coburg zuständig“, erklärt Verbraucherschützerin Halm. Das Mahnverfahren läuft so: Der Gläubiger füllt einen Mahnantrag aus und sendet diesen an das Amtsgericht Coburg. Unterlagen sind nicht beizufügen, das Gericht prüft nur, ob die Forderung schlüssig, also plausibel erscheint. Wenn ja, erlässt es einen Mahnbescheid und schickt diesen an den Schuldner. Widerspricht der Schuldner nicht, erlässt das Gericht einen Vollstreckungsbescheid, gegen den der Schuldner dann wieder zwei Wochen lang Einspruch einlegen kann. Tut er das, geht die Sache vor Gericht und dort beginnt ein normales streitiges Verfahren. Ansonsten zählt der Vollstreckungsbescheid genauso viel wie ein Urteil nach einem wesentlich längeren und teureren Gerichtsverfahren.

Ganz einfach kann man den Mahnbescheid online beantragen (www.online-mahnantrag.de), innerhalb von ein bis zwei Tagen geht er dann raus. Aber Ingeborg Teichmann besitzt gar keinen Computer. Für solche Fälle gibt es den Vordruck für einen Mahnbescheid im Zeitschriftenhandel. Wichtig ist, dass Vordrucke aus der Zeit vor dem 31. Dezember 2010 nicht mehr benutzt werden dürfen. Beim Justizministerium kann man eine kostenlose Broschüre bestellen, in der erklärt wird, wie man den Antrag ausfüllt, sie heißt: Das Mahnverfahren, ein kurzer Prozess (erhältlich im Bayerisches Staatsministerium der Justiz, Prielmayerstraße 7, 80335 München, Tel.: 089/55 97 13 79).

Dank der Hinweise konnte Ingeborg Teichmann den Mahnantrag besorgen und ausfüllen. Sie schickte ihn an das Amtsgericht Coburg und wartet nun auf eine Antwort. „Wenn der Antrag richtig ausgefüllt wurde, dann erlassen wir in rund einer Woche einen Mahnbescheid“, sagte ein Rechtspfleger des Gerichts am tz-Telefon. Wenn Ingeborg Teichmann Fehler beim Ausfüllen gemacht hat, dann ist das auch keine Katastrophe. Dann schreibt ihr das Gericht und sie kann alles noch verbessern.

„Das mit dem Mahnantrag ist ja eine tolle Sache, ohne die tz hätte ich das nie herausbekommen“, freut sich Ingeborg Teichmann. „Ich bin jetzt zuversichtlich, dass ich doch noch irgendwann an mein Geld komme – zumindest an eine Teilsumme.“

Susanne Sasse

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