Verzweifelter Hilferuf

Lasst unsere Kollegin aus dem Knast!

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Der Chef (Mitte), die Mitarbeiter und auch Gäste des Hotel Nymphenburg hoffen, dass die Justiz Gnade walten lässt

München - Die Belegschaft im Hotel Nymphenburg drückt ganz fest die Daumen. Sie will ihre Kollegin Michaela B. (48) zurück, die nach einem Beziehungsstreit im Dezember in Untersuchungshaft sitzt.

Weil sie ihr damaliger Lebensgefährte monatelang hintergangen haben soll, stach sie ihm mit einem Messer in den Bauch – der Münchner U-Bahnfahrer musste notoperiert werden!

Michaela B. (48) sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft

Seit drei Monaten müssen die Hotel-Angestellten ohne ihre beliebte Kollegin auskommen. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung. Zwar hatte der Ermittlungsrichter am Amtsgericht den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt – sie wäre also gegen Kaution herausgekommen, für die ihr Chef sogar gebürgt hätte. Doch die Staatsanwaltschaft verhinderte dies, legte Beschwerde ein! Begründung: Fluchtgefahr! Jetzt kommt die fleißige Hausdame bis zu ihrem Prozess wohl nicht auf freien Fuß.

Das wollen ihre Kollegen im Hotel Nymphenburg allerdings nicht wahrhaben. „Wir verstehen das nicht“, sagt Hotelier Mathias van der Kemp. Er schrieb einen Brief an die Staatsanwaltschaft und sogar an Justizministerin Beate Merk (CSU). Das Schreiben ist ein Hilferuf: „Unsere Mitarbeiterin Frau Michaela B. ist nun seit mehreren Monaten in Haft. Frau B. wird von allen Mitarbeitern und der Direktion sehr vermisst“, heißt es in dem Brief weiter, den alle Angestellten unterschrieben haben. Es ist ein Appell an die Menschlichkeit der Justiz: „Michaela ist keine Verbrecherin. Sie ist ein liebenswerter Mensch!“

Immerhin braucht sich Michaela B. keine Sorgen um ihren Job machen. „Frau B. wird von mir weiterbezahlt, kann sofort wieder hier arbeiten und alle Mitarbeiter stehen zu ihr. Sie ist sozial vollkommen abgesichert“, sagt Mathias van der Kemp. Außerdem sei sie alleinerziehende Mutter einer 16-jährigen Tochter. „Das Kind braucht sie dringend. Die Tochter ist Michaelas ein und alles.“ Inzwischen habe das Jugendamt das Sorgerecht für die 16-Jährige übernommen.

Der blutige Vorfall vom 5. Dezember in der Wohnung in Thalkirchen scheint dabei längst nicht mehr so klar zu sein wie zu Beginn. Mehr als eine Woche nach dem Vorfall korrigierte der damaligen Lebensgefährte von Michaela B. nämlich seine erste Aussage, die er nur wenige Minuten nach dem Aufwachen aus der Vollnarkose gemacht hatte. Er glaube nicht an ein absichtliches Zustechen. Viel eher könne er sich vorstellen, dass er in das Messer hineingelaufen war, als er sich im engen Schlafzimmer an Michaela B. vorbeidrängen wollte, sagte der U-Bahnfahrer der tz. Sie habe dabei das Messer in der linken Hand gehalten, weil sie ihm mit der rechten zuvor seine gepackte Reisetasche entrissen hatte.

„Es ist sicher alles rechtens, was mit Michaela passiert“, sagt ihr Chef. „Aber man kann doch auch mal auf den Menschen schauen.“ Michaela B. tut alles, damit sie bald wieder bei ihrer geliebten Arbeitsstelle anfangen kann.Sie hat ihren gesamten Jahresurlaub vom vergangenen und diesem Jahr für die drei Monate U-Haft genommen. Doch der ist jetzt aufgebraucht: „Ich zahle sie weiter. Ihre Stelle wird derzeit mit zwei Aushilfskräften ausgefüllt“, sagt ihr Chef.

JAM

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