Endlich ­Genossen!

Bellevue di Monaco startet in der Müllerstraße

Das Flüchtlingsprojekt „Bellevue di Monaco“ nimmt Fahrt auf – jetzt steht die Sozialgenossenschaft zur Betreuung der Flüchtlinge.

München - Leinen los: Der Bellevue-Dampfer legt mit wehenden Fahnen zur Jungfernfahrt ab! Ám Dienstag hoben Kleinkunst-König Till Hofmann und Unterstützer das Flüchtlingsprojekt in dem alten Leerstandshaus an der Müllerstraße aus der Taufe.

 Sie gründeten eine Sozialgenossenschaft, die das Haus betreiben soll. Am 3. Mai soll es schon ein großes Fest geben!

„Wir möchten einen würdigen Ort inmitten der Stadt schaffen, an dem geflüchtete Menschen willkommen geheißen werden und Anschluss an die Stadtgesellschaft finden – statt sie an den Stadtrand zu verdrängen“, sagt Hofmann, der gleich zum Vorsitzenden gewählt wurde – neben Angela Bauer von der Heilpädagogisch-psychotherapeutischen Kinder- und Jugendhilfe und Matthias Weinzierl vom Flüchtlingsrat. Im Aufsichtsrat sind Organisationen wie die Satire-Gruppe Goldgrund, der Verein für Sozialarbeit und die Kammerspiele vertreten.

Die neuen Ober-Genossen (v.l.): Matthias Weinzierl, Angela Bauer und Till Hofmann.

Monate harter Arbeit liegen hinter den 33 Gründungsmitgliedern: Sie mussten ein genaues Betreuungskonzept entwickeln, einen Geschäftsplan berechnen und eine Satzung schreiben. Jetzt müssen sie sich offiziell bei der Stadt als Betreiber bewerben – und den Zuschlag bekommen. Dann müssen die Adressen Müllerstraße 2 bis 6 saniert werden, damit sie rund 40 minderjährigen Flüchtlingen eine Heimat bieten können. Dazu soll ein Begegnungszentrum kommen – als Treffpunkt, für Beratung und Kurse sowie Kunst und Kultur.

Rund 1,7 Millionen Euro werden nötig sein. Darum sucht die bunte Truppe noch Genossen, die Anteile über mindestens 500 Euro zeichnen. Alle Informationen unter www.bellevuedimonaco.de.

Mit den Gorillas fing alles an …

Leerstandshaus, Gorilla-Haus, Flüchtlingshaus: Jetzt nimmt die Sozialgenossenschaft Fahrt auf – und das alte Ensemble in der Müllerstraße 2 bis 6 kommt nach einer jahrelangen Odyssee in einen sicheren Hafen.

Zunächst geht es im Oktober 2012 gar nicht um die Häuser, sondern um den benachbarten Bolzplatz der Glockenbachwerkstatt – der sollte ursprünglich für einen großen Neubau von bezahlbaren Wohnungen weichen. Den Plan verfolgte die Stadt schon seit 2002, darum standen manche Wohnungen über Jahre leer. Damals kämpften etwa der zwischenzeitlich verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt, die Sportfreunde Stiller und Bastian Schweinsteiger für den Erhalt. Im März 2013 machte sich eine Künstlertruppe verkleidet als Gorillas an die Sanierung einer Wohnung – und bewiesen so, das der Abriss des Hauses gar nicht nötig ist.

Im Januar 2014 kommt es so: Der grüne Bau mit der Hausnummer 2 soll erhalten bleiben, aber die beiden anderen Häuser sollen immer noch weg. Im Wahlkampf gibt es weitere Künstler-Proteste – die Bellevue-Initiative formiert sich. Der Regierungswechsel bringt die Wende: Nach einem Runden Tisch stimmte das Rathaus für den Erhalt aller Häuser als Flüchtlingszentrum.

David Costanzo

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