Bellevue di Monaco

Benefizabend: 200 000 Euro für ein Leuchtturmprojekt

1 von 6
2 von 6
3 von 6
4 von 6
5 von 6
6 von 6

Im Frühjahr sollen die drei Häuser des Flüchtlingsprojekts Bellevue di Monaco im Glockenbachviertel bezugsfertig sein. Bei einem Benefizabend am Montag konnten die Initiatoren mehr als 200 000 Euro Spenden eintreiben. V

Eine Gage verlangt an diesem Abend keiner der Künstler. „Im Gegenteil, sie zahlen sogar ihr Hotel noch selbst“, sagt Till Hofmann, Chef des Lustspielhauses und Vorstandsmitglied der Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco. Die Kabarettisten Luise Kinseher, Alfred Dorfer, Max Uthoff und Hannes Ringlstetter, der Regisseur Marcus H. Rosenmüller, die Münchner Symphoniker, die Band Dreiviertelblut und Autor Axel Hacke – sie alle waren am Montagabend in den Hubert-Burda-Saal der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) gekommen, um für das Flüchtlingsprojekt von Bellevue zu werben. Im Zentrum Münchens, an der Müllerstraße, renoviert die Sozialgenossenschaft gerade drei Häuser. 40 Flüchtlinge sollen dort eine Heimat finden. 2,8 Millionen Euro kostet der Umbau, die Stadt steuert 1,7 Millionen Euro bei.

Nach diesem unterhaltsamen, aber auch ernsthaften Abend ist die Finanzierungslücke bedeutend kleiner geworden. Der ehemalige Sparkassen-Vorstandschef Harald Strötgen kann Hofmann am Ende einen Scheck über 204 500 Euro überreichen. Die mehr als 300 Gäste aus vielen Bereichen der Münchner Gesellschaft haben kräftig für das Projekt gespendet, neben dem Obolus von 59 Euro pro Person für das Abendmenü.

Das Bellevue di Monaco ist ein neugegründetes Wohn- und Kulturzentrum für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge an der Müllerstraße 2, 4 und 6. Ursprünglich wollte die Stadt die leerstehenden Häuser abreißen. Doch nach dem Engagement von Bellevue hat der Stadtrat beschlossen, die drei Häuser auf Erbpacht für 40 Jahre an die Sozialgenossenschaft zu vergeben. Im Frühjahr soll der Umbau abgeschlossen sein, dann dürfen 40 Flüchtlinge einziehen. 450 Mitglieder gehören mittlerweile der Genossenschaft an. Sie haben einen oder mehrere Anteilsscheine in Höhe von 500 Euro gezeichnet. Laut Bellevue-Vorstandsmitglied Till Hofmann beläuft sich die Finanzierungslücke nach dem montäglichen Benefizabend auf nur noch etwa 200 000 Euro, anfangs sind es 1,1 Millionen Euro gewesen. Bei der Renovierung der Häuser packen die Genossenschaftsmitglieder und Flüchtlinge kräftig selbst mit an.

Dass die IKG die Räume für diese kabarettistische Gala zur Verfügung stellt, zeigt ein Stück weit, dass das linksintellektuelle Bündnis Bellevue mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sagt: „Bellevue di Monaco ist das wahre Gesicht von München.“ Sie meint damit das weltoffene, tolerante, moderne München. Knobloch sagt dies bewusst: Wenige hundert Meter vom St. Jakobs-Platz entfernt demonstriert gleichzeitig am Marienplatz Pegida. Die Rechtspopulisten feiern den zweiten Jahrestag ihrer Aufmärsche in München. „Ein Jubiläum der Schande“, verkündet Knobloch und fügt bitter an: „Für ,Wehret den Anfängen‘ ist es schon zu spät.“ Nur etwa 60 Aktivisten von Pegida sind zwar gekommen, doch etwa die Hälfte davon sind Neonazis oder Mitläufer. 600 Demonstranten stellen sich ihnen entgegen. Auch dafür fordert Hofmann, aus der gediegenen Künstleratmosphäre im Hubert-Burda-Saal heraus, einen Applaus.

Das Engagement von Bellevue bezeichnet Knobloch als „Leuchtturmprojekt“, als ein Signal für den sozialen Frieden und gegen Menschenverachtung. So beurteilt das auch OB Dieter Reiter (SPD). „Bellevue ist ein Zeichen der Begegnung mit den Geflüchteten in der Stadt“, erklärt er. Zum großen Finale des Abends steigt auch der OB nochmal auf die Bühne und schnappt sich eine Gitarre. Reiter, die Münchner Symphoniker und Dreiviertelblut spielen die Ballade „Mia san ned nur mia“. Kabarettistin Luise Kinseher, auch bekannt als „Mama Bavaria“ vom Nockherberg, resümiert hinterher: „Es ist ein Geschenk, an so einem Abend teilnehmen zu dürfen.“

Auch interessant

Meistgesehen

Zwei Tote bei Unfall in Trudering: Bilder
Zwei Tote bei Unfall in Trudering: Bilder
Alle Kandidaten: Sie wollen für München in den Bundestag
Alle Kandidaten: Sie wollen für München in den Bundestag
Stadt
Unsere Bilder des Tages
Unsere Bilder des Tages
Laim
Plötzlich fuhr er gegen den Baum: Motorradfahrer tödlich verunglückt
Plötzlich fuhr er gegen den Baum: Motorradfahrer tödlich verunglückt

Kommentare