Benzinschock: Das sagen die Betroffenen zu den neuen Preisen

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Spediteur Franz Nigl aus Unterhaching hat von den Sprit-Preisen die Nase gestrichen voll: "So kann's nicht weitergehen."

Sie steigen und steigen … 1,30 Euro hat der Liter Super vergangenes Jahr gekostet. Heute müssen Autofahrer mehr als 1,55 Euro hinblättern – noch einmal 20 Prozent mehr als 2007!

Viele Menschen sind auf den teuren Sprit angewiesen – Spediteure, Busfahrer, Pendler, Mütter, die ihre Kinder in den Hort fahren. Alle fürchten sich: „Es reicht – bald können wir uns das Benzin gar nicht mehr leisten.“ Die tz sprach mit Betroffenen:

Diese Preise sind Irrsinn!

Seit 21 Jahren ist Franz Nigl nun schon Chef einer Spedition in Unterhaching. „Aber die Spritpreise derzeit sind wirlich beängstigend“, schimpft der 42-Jährige. „Diese unglaubliche Preistreiberei belastet uns immens.“ Das zeigen seine Zahlen nur allzu deutlich: Zwölf große Lastwagen hat Nigl im Einsatz, und alleine im letzten Monat beliefen sich die Spritkosten für alle Fahrten auf 55 000 Euro.

Ein Vergleich mit den Preisen Ende letztes Jahres zeigt, dass die Kosten um über 30 Prozent zugelegt haben! „Das ist schon Irrsinn. Mir bleibt nichts anderers übrig, als die Verteuerung an die Kunden weiterzugeben“, erklärt der Unternehmer. Natürlich auch, um die Jobs seiner 14 Angestellten nicht zu gefährden. „Wir haben keine Wahl.“ Gibt’s nur noch ein anderes Problem: Das Preisanheben kostet Aufträge, da allen deutschen Spediteuren die ausländische Konkurrenz im Nacken sitzt. Die Erklärung ist einfach: Bei uns kostet der Liter Sprit die Spediteure rund 1,25 Euro netto – in Österreich beispielsweise sind es hingegen nur 1,11 Euro. „Die Fahrer tanken dort natürlich auf und fahren dann billiger durch Deutschland“, erklärt Nigl. In einen Lkw passen immerhin rund 1000 Liter rein.

Der Preisvorteil gilt übrigens auch für Holland, Belgien, die Tschechei und Polen. Die ausländischen Unternehmen können ihre Dienste somit günstiger anbieten. Nigl: „Da muss endlich darauf reagiert werden. Die Sprit-Steuern müssen runter, sonst haben wir bald gar keine Chance mehr.“

Erdgas-Taxis – eine mögliche Lösung?

Beim Thema Spritpreise kommt Robert Weber (50) schnell in Fahrt. „Vor einem Jahr haben die Dieselkosten noch 10 Prozent vom Umsatz ausgemacht“, sagt der Geschäftsführer von Taxi Pasing. „Heute sind es 13 Prozent.“ In nackten Zahlen heißt das: 1,50 Euro kostet der Liter Diesel heute, vor einem Jahr waren es 1,20. Statt mit 160 000 kalkuliert Weber jetzt mit 200 000 Euro Spritkosten im Jahr – ein Plus von 25 Prozent!

Für Robert Weber ist klar: Will er weiter wirtschaftlich arbeiten, muss eine Lösung her. Das ist schwieriger, als es sich anhört: Das Gehalt seiner rund 80 Fahrer will er nicht antasten, weil die schon im Niedriglohnsektor arbeiten. Billigere, kleinere Autos, die weniger verbrauchen, kämen zwar in Frage. Aber: „Da­runter leidet der Fahrkomfort.“ Trotzdem überlegt Weber, demnächst ein Erdgasauto kaufen, „zum Test“. Die dritte Lösung scheint die einfachste zu sein: „Die Fahrpreise müssen steigen.“ Viele Kunden hätten bereits signalisiert, dass sie mehr zahlen würden. Das Problem dabei: Die Taxitarife werden von der Stadt kontrolliert, nur der Stadtrat kann eine Erhöhung beschließen. Und das kann dauern: „Selbst wenn der Prozess jetzt eingeleitet wird – vor Februar 2009 geht da nichts“, sagt Weber. Dabei ist Eile geboten: Weber befürchtet, dass die Dieselpreise bis Ende 2008 auf 1,75 Euro steigen.

Das ist für viele existenzgefährdend

"So kann es nicht weitergehen“, sagt Josef Ettenhuber. Auch dem 64-jährigen Busunternehmer aus Glonn machen die Spiritpreise richtig Sorgen. Kein Wunder bei seiner Flotte: 75 Busse hat er (und 130 Mitarbeiter). Jede Woche braucht er für seine Busse einen Tankzug mit 30 000 Litern Sprit. Die Kosten: satte 43 000 Euro. Macht im Monat also mindestens 172 000 Euro! Oder anders gerechnet: Wird der Sprit nur einen Cent teurer, hat Ettenhuber Mehrkosten von mindestens 1200 Euro im Monat.

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„Wenn man jetzt bedenkt, dass wir seit dem 1. Januar eine Preissteigerung von fast 40 Prozent hatten, kann man nur noch den Kopf schütteln“, so Ettenhuber. „Wenn sich nicht bald was ändert, können viele den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten.“ Auch weil Ettenhuber – wie die meisten Busunternehmer – ein weiteres Handicap hat: Rund 80 Prozent seiner Fahrten sind für den öffentlichen Dienst. Heißt: Er bringt im Auftrag des Landkreises Kinder zur Schule, fährt täglich nach Plan Busstrecken von A nach B ab. Und dafür gibt es feste Verträge: „Ich kann also nicht einfach die höheren Spritpreise an den Kunden weitergeben.“ Er muss sie selbst tragen. Immerhin gibt es bald Gespräche mit dem Landkreis, da auch dort bekannt ist, dass die Busunternehmer in der Sprit-Falle sitzen. Ettenhuber: „Das ist für viele einfach existenzgefährdend.“

Quelle: tz

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