Wo München großstädtisch ist

Bar of Bel Air: Sonnendeck im Werksviertel

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Die Brüder Robinson und  Neville Kuhlmann sind alte Hasen in der Münchner Gastro-Szene. 

Cocktails mit Ausblick können die Münchner künftig nahe dem Ostbahnhof genießen: Im Werksviertel haben zwei Brüder eine unkonventionelle Bar mit Dachterrasse eröffnet. Sie ist Teil des Künstlerprojekts „Container Collective“, das ein eigenes kleines Dorf erschaffen hat.

München - Es gibt da dieses Lied von Peter Licht, diesen dadaistischen Gute-Laune-Song, der sich sofort im Ohr festsetzt: „Und wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Sonnendeck, bin ich, bin ich, bin ich...“. Wer sich schon immer gefragt hat, wo dieses Sonnendeck überhaupt sein soll, bekommt jetzt die Antwort: Es befindet sich am Münchner Ostbahnhof, an der Atelierstraße 10. 

Urbanes Flair in München

„Bar of Bel Air“ nennt sich die wunderbar sonnige Dachterrasse, die den Münchnern seit vergangener Woche offen steht – und ein wenig weltstädtisches Flair in die bayerische Landeshauptstadt bringt. Gebettet auf drei alten Schiffscontainern, können die Gäste von hier den Blick übers Werksviertel schweifen lassen. Umgeben von Hochhäusern und Bahngleisen. Auf bunten Bierbänken verputzen die Gäste raffinierte Salate und schlürfen Cocktails in den Liegestühlen. Noch ist die Freiluft-Bar ein Geheimtipp, doch vermutlich schon bald wird hier nur noch schwer ein freier Platz zu finden sein. 

Weltstädtisches Flair in München: Die Terrasse auf den Schiffscontainern. 

Der Wirt hat schon Erfahrung

Hinter der Theke steht der 26-jährige Neville Kuhlmann und bereitet die Drinks zu. Für „Nevilles Negroni“ mixt er frischen Orangensaft mit Campari, Lillet, Sloe Gin und Soda; für den „Tijuana Toyboy“ greift er zu Limette, Tequila, Ananas, Zucker und Chambord-Likör (beide jeweils 8,50 Euro). Erfahrung hat der Münchner in den Lokalen seines zwölf Jahre älteren Bruders Robinson gesammelt – etwa in der Bar „Cornelius 14“ am Gärtnerplatz und im Restaurant „Attentat Griechischer Salat“ in Obergiesing. Für die „Bar of Bel Air“ ist Neville nun selbst verantwortlich. Er sagt: „Eigentlich wollte ich noch meine Freizeit genießen, aber bei diesem Projekt konnte ich nicht Nein sagen.“ 

„Bei diesem Projekt konnte ich nicht Nein sagen“, sagt Neville Kuhlmann.

Zusammenschluss von Künstlern und Kreativen

Die Bar ist Teil des Projekts „Container Collective“, das Nevilles Bruder Robinson leitet, zusammen mit Markus Frankl, der wiederum im Glockenbachviertel die „Schnelle Liebe“ betreibt. Auch Robinson sagt: „Ich habe eigentlich genug zu tun, aber das Projekt hat mich gejuckt.“ Das Container Collective ist ein loser Zusammenschluss von jungen Künstlern und Kreativen, die ein kleines Areal im Werksviertel gestalten dürfen, ehe dies komplett bebaut wird. 

Das Werksviertel entsteht derzeit auf dem ehemaligen Pfanni-Fabrikgelände, in den vergangenen Jahren als Feiermeile Kultfabrik bekannt. Es soll ein „ein urbanes Zuhause mit Charakter“ werden, so wird es beworben. In dem neuen Stadtviertel sollen 1200 Wohnungen und 7000 Arbeitsplätze geschaffen werden; die Staatsregierung will hier zudem den neuen Konzertsaal der Stadt bauen

Das Projekt ist befristet

Dort, wo einmal das Haus „Werk 11“ stehen soll, hat jetzt das Container Collective sein Lager aufgeschlagen – zunächst für drei Jahre. Die Künstler haben sich eine Art eigenes kleines Dorf zusammengezimmert, ein Konstrukt aus 27 ausrangierten Schiffscontainern. Der bekannte Münchner Sprayer Loomit hat sie verziert. Darin: Ateliers, Werkstätten, ein Café. Robinson Kuhlmann sagt: „Es wäre zu schade, die Fläche nur als Parkplatz zu nutzen.“ Pfanni-Erbe Werner Eckart hat das Grundstück zur Verfügung gestellt und subventioniert die Künstler. „Herr Eckart hat uns viel Freiraum gelassen“, erzählt Kuhlmann. Normalerweise sei so ein Grundstück in München für junge Menschen nicht finanzierbar. 

Lesen Sie auch: Er ist der Macher hinter dem neuen Werksviertel

Mit dem Containerdorf öffnet sich das Werksviertel zur Friedenstraße hin. Doch die Gleise des Ostbahnhofs schirmen die Künstler noch ein wenig ab vom Rest der Stadt ab. „Wir würden uns freuen, wenn viele Leute aus der Innenstadt den Weg zu uns finden“, sagt Robinson Kuhlmann. Den Weg zum Sonnendeck.

Die Bar of Bel Air auf dem ehemaligen Kultfabrik, jetzt Werksviertel, an der Atelierstraße 10 ist Montag bis Freitag von 12 bis 1 Uhr, am Wochenende von 12 bis 3 Uhr geöffnet. Das Café „Kaserne de Janeiro“, das sich darunter befindet, öffnet täglich von 8 bis 20 Uhr.

Das Werksviertel wächst: Wir erklären, was wo entsteht

Das Gelände des Werksviertels verändert sich ständig. Sehen Sie hier unseren Video-Rundgang vom vergangenen November: 

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