Baukran bekommt Übergewicht

Ohrenzeuge berichtet: "Raus hier, Kran stürzt um"

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Beim Heben einer Last war der 60-Tonnen-Kran umgekippt. Das Fahrgestell hing in der Luft.

München - In der Kreillerstraße in Berg am Laim ist am Montagmittag ein Kran umgekippt. Die Feuerwehr konnte das Gerät mit einem eigenen Kran stabilisieren. Der Kranfahrer wurde unverletzt geborgen. Zur Bergung muss jetzt schweres Gerät anrücken.  

Es geht um tonnenschwere Lasten. Um solche, die am Kranhaken hängen – und um solche, die man auf dem Herzen haben kann … Gestern Mittag ist es an der Kreillerstraße (Berg am Laim) zu einem spektakulären Unfall gekommen: Ein fünfachsiger Autokran kippte um, krachte in eine Baustelle und traf ein Gerüst sowie den Neubau. Wie hoch der Gesamtschaden ist, ist nicht bekannt. Nur durch großes Glück ist niemand verletzt worden …

Dachdecker Ludwig Milcher (62) von der Firma Müller Dachtechnik ist Ohren- bzw. Augenzeuge. Er sagt: „Meine Kollegen und ich waren grad vom Dach runter. Es war Schlag zwölf – und wir wollten in unserem Auto Brotzeit machen. Wir haben die Schiebetür zugemacht, weil die Sonne so geblendet hat. Dann haben wir einen Riesen-Krach gehört und die Schiebetür wieder aufgemacht. Mein Kollege hat geschrien: ,Schnell raus hier! Der Kran stürzt um!‘“ Die Arbeiter haben Glück: Der Kran, der von einer Miet-Firma betrieben wird, fällt nicht auf ihr Auto, sondern so nach vorn, dass das Haus den Sturz stoppt.

Ursache zunächst unklar - Kran bekam offenbar Übergewicht

Offensichtlich hat der Kran Übergewicht bekommen – der 52-jährige Fahrer des Krans wollte eine Palette mit Steinen verfahren, als sein Kran in die Richtung der Last umkippte. Zwei Bauarbeiter auf dem Dach konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen, berichtet die Feuerwehr. Der tonnenschwere Ausleger kam Großteils auf dem Gerüst, aber auch auf dem Dach zum Liegen. Auch die Palette mit der Last landete auf dem Dach, zum Glück stürzte nichts auf die Fahrbahn.

Milcher erzählt: „Der Kran sollte Gehwegplatten nach oben aufs Dach heben – dort hätten sie verlegt werden sollen. Vielleicht hat der Kranführer ja den Ausleger zu weit ausgefahren …“ Jener Kranführer, der jetzt in seiner Kabine rund sechs Meter über dem Boden schwebte. Ungefähr eine dreiviertel Stunde dauerte es, bevor ihn Feuerwehrler aus seiner misslichen Lage befreiten.

Im Anschluss begannen die Retter damit, den havarierten Autokran wieder zurückzukippen – mit Hilfe zweier weitere Autokräne (100 Tonnen und 130 Tonnen). Das Manöver dauerte bis in den Abend. 

Damit das Gerüst nicht in sich zusammenstürzt, wurde es vor der Bergung von Höhenrettern gesichert. Danach entfernte die Gerüstbaufirma etliche Teile, am Dienstag soll es abgebaut werden. Vorsorglich wurden auch zehn parkende Autos neben dem Gerüst abgeschleppt, die hätten beschädigt werden können.

Allein der Schaden am Autokran dürfte laut Feuerwehr-Schätzung bei mindestens 100.000 Euro liegen – sogar ein Totalschaden schien möglich. Von der Firma BKL aus Forst­inning, die den Kran betreibt, heißt es: „Das Unternehmen bittet um Verständnis, dass bis zur Klärung keine Auskünfte erteilt werden.“

Die Kreillerstraße stadteinwärts blieb im Einsatzbereich während der gesamten Zeit gesperrt. Zur Bergung wurde aus Sicherheitsgründen auch der Betrieb der Tram eingestellt.   

Bilder: Autokran umgestürzt - Kranführer gerettet

dop, hei 

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