Blues Harp Slim

Maikäfer mit Mundharmonika: Blues aus Berg am Laim

Neben Thomas Kriegel (oben, Mitte) gehören Ron Cairo (re.) und Eddie Taylor zur Stammbesetzung von „Free Beer & Chicken“.

Freibier und Hendl – in jedem Bierzelt ein Renner. Hinter „Free Beer & Chicken“ steckt jedoch kein Volksfest-Verkaufsschlager, sondern eine Münchner Band mit besonderer Musikrichtung. Ihr Chef ist Thomas Kriegel aus Berg am Laim.

München - Bei der Vorstellung seiner Bandmitglieder erntet Thomas Kriegel stets Lacher im Publikum: Ron Cairo von der Karibik-Insel Aruba, Eddie Taylor aus Norfolk/Virginia und dann seine beiden Söhne und er – aus der Maikäfersiedlung in München. „Erstaunlicherweise, egal ob in Nürnberg oder Salzburg, sind fast immer Leute dabei, die die Siedlung kennen“, sagt der Bandleader. Dabei könnte sich der Chef auch mit seinem klangvollen Künstlernamen vorstellen: Blues Harp Slim. „Blues Harp“ steht für sein Musikinstrument, die Mundharmonika. Und „slim“ für seine schlanke Figur. Zu dem Namen kam er, als er sich in den 70er-Jahren mit einem Straßenmusiker aus Kanada durch die Kneipen von Amsterdam spielte.

Blues ist die Musikrichtung, der sich Kriegel mit seiner Combo verschrieben hat. Nicht dem tragischen, melancholischen Blues, sondern einer tiefgründigen und humorvollen Variante. Einer Kombination aus karibischer Musik, Reggae, kreolischem Zydeco, Jazz, Boogie-Woogie, Calypso und mehr. „Wir sind stilistisch sehr offen, verharren nicht im einengenden Purismus“, sagt der 62-Jährige. So begeistert „Free Beer & Chicken“ das Publikum mit abwechslungsreicher, rhythmischer Musik unterschiedlichster Stilrichtungen – von karibischen Traditionals in der Kreolsprache Papiamento und bekannten Bluesstücken von John Lee Hooker bis hin zu Fats Domino und Bob Marley. Gitarrist und Sänger Ron Cairo wuchs quasi mit Reggae und Calypso auf, Eddie Taylor hat sich mit seinem Tenorsaxofon im amerikanischen Folkblues einen Namen gemacht und die musikalisch ausgebildeten Kriegel-Söhne, 16 und 20 Jahre alt, bereichern das Repertoire mit modernen Stücken, die dem bandeigenen Stil angepasst werden. „Am Anfang stehen immer die Fragen: Macht uns die Musik Spaß, gefällt es dem Publikum, berührt es?“ erläutert Kriegel. Denn genau das ist sein Anspruch. „Ich möchte einen guten Job machen und den Leuten Freude bereiten.“

Den Musikernamen Blues Harp Slim trägt Thomas Kriegel (re.) seit den 70ern. „Blues Harp“ steht für sein Musikinstrument, die Mundharmonika. „Slim“ für seine schlanke Figur.

Thomas Kriegel selbst ist Autodidakt. „Als Bob-Dylan-Fan war ich schon in jungen Jahren fasziniert vom Blues-Feeling.“ Mit dieser Musik habe er sich identifiziert. So wuchs der Traum, das Gefühl selbst in Töne gießen zu können. Das Mundharmonika-Spiel habe er sich von den „alten Meistern“ abgehört. „Ich hab’ diese Stücke immer wieder abgespielt und versucht nachzuspielen – bis die Musikkassette anfing zu leiern.“ Es ging ihm darum, Melodiebögen spielen zu können, den speziellen Klang zu erfassen, vor allem aber, einen eigenen Stil zu finden. „Es sollte sich anders anhören, ich wollte nicht imitieren.“ Die Mundharmonika soll Gefühl vermitteln, sagt Kriegel. „Ein runder warmer Ton ist mir wichtiger als die Geschwindigkeit.“

Wie anerkannt der Berg-am-Laimer in der Szene ist, belegt eine Einladung zum legendären French Quarter Festival in New Orleans vor Jahren. „Es war ein absoluter Höhepunkt, dort zu sein und mit den Musikern vor Ort zu spielen“, sagt Kriegel. Jeder Blues-Musiker hege diese Sehnsucht nach New Orleans und Mississippi.

Einen Namen hat sich der Mundharmonika-Virtuose auch mit der langjährigen Leitung der legendären Sessions im Giesinger „Grünen Eck“ gemacht. Heute spielen „Free Beer & Chicken“ neben Konzerten bei unterschiedlichen Ereignissen wie Kongressen, Geburtstagsfeiern, Firmenjubiläen, Hochzeiten und Abibällen. „Unser Sound ist auch sehr tanzbar.“ Im Dezember tritt die Band auch wieder beim sonntäglichen Jazzbrunch im Bayerischen Hof auf.

Thomas Kriegel beherrscht neben der Mundharmonika noch Ukulele, Waschbrett und diatonisches Knopf-Akkordeon. Außerdem noch die Kalimba, ein afrikanisches Daumenklavier. Als er darauf spielend mal durch die Siedlung spazierte, äußerte sich eine Gruppe Jugendlicher begeistert: „Habt‘s das g’hört, der hat den vollgroben Sound dabei“.

Mit solchen Anekdoten aus der Maikäfersiedlung unterhält „Blues Harp Slim“ sein Publikum gerne zwischen den Songs. „Humor ist im Blues etwas ganz Wichtiges.“ Richtig lustig wird es, wenn man Kriegel einen Hula-Hoop-Reifen reicht. Denn er kann gleichzeitig Mundharmonika spielen und den Reifen um die Hüften kreisen lassen. Es komme einfach nur auf den richtigen Rhythmus an, sagt der Musiker. In diesem Sinne verwandelt er sich beim Musikstück „Train“ mit seiner Mundharmonika auch kurzerhand in eine schnaufende, stampfende Dampflokomotive. Fast so eine, wie er sie sich als kleiner Bub mit seinem Opa auf der Hackerbrücke immer angeschaut hat.

von Carmen Ick-Dietl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Achtung, Pendler: Störung bei S7 und Stau auf der Stammstrecke
Achtung, Pendler: Störung bei S7 und Stau auf der Stammstrecke
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Weihnachten 2017 wird alles besser - 5 Tipps für ein nachhaltiges Fest
Weihnachten 2017 wird alles besser - 5 Tipps für ein nachhaltiges Fest

Kommentare