Räuber mit Lkw verfolgt

Der mutige Einbrecher-Jäger von Berg am Laim

+
Vom Edeka folgte Johannes Ansel dem Dieb bis in die Ampfingerstraße.

München - Eigentlich wollte er nur seine Freundin zur Arbeit bringen. Doch auf dem Weg dorthin beobachtete Johannes Ansel eine seltsame Situation - und traf sofort die richtige Entscheidung.

Um 4.30 Uhr in der Früh, wenn andere ins Kissen schnarchen, ist Johannes Ansel (Name geändert) hellwach. So hellwach, dass er mal eben einen Einbrecher festsetzt. Die Freundin von Ansel ist Konditorin und muss früh raus. Jeden Morgen fährt der Unternehmer sie in seinem Lkw in die Arbeit.

So auch am Donnerstagfrüh, als Johannes Ansel (44) auf Höhe der Berg-am-Laim-Straße 99 einen jungen Mann sieht, der Kartons und blaue Müllsäcke in den Kofferraum eines Taxis räumt. „Der wird bei seiner Freundin rausgeflogen sein“, denkt sich Ansel. Doch dann kippt einer der Müllsäcke um und heraus fallen stangenweise Zigaretten. Ansel schaltet sofort und bittet seine Freundin, die 110 anzurufen. Weil sie Japanerin ist und noch nicht so flüssig Deutsch spricht, erklärt Ansel der Polizei, was passiert ist. Da fährt das Taxi los – und Ansel gibt auch Gas.

Normal ist es die Art des Unternehmers nicht, mit dem Handy und überhöhter Geschwindigkeit durch München zu rasen. Aber an diesem Donnerstag war’s abgesegnet durch die Polizei, die am anderen Ende der Leitung war. Die Berg-am-Laim Straße ging’s mit 80 Sachen runter, links und dann rechts, Ansel mit seinem Lkw dem Verbrechen auf der Spur.

In der Asslinger Straße hält das Taxi. Ansel gibt die Position an die Polizei durch und wartet, bis zwei Streifenwagen in die Straße einbiegen. Dann muss er los, die Freundin ist zu spät dran. Die Polizei nimmt den wohnungslosen 20-jährigen Einbrecher fest. Der Taxler scheint wohl nichts mit dem Einbruch zu tun gehabt zu haben.

Als er sich kurze Zeit später auf den Weg zur Polizei machen will, sieht er, dass offenbar in den Tabakladen beim Edeka eingebrochen wurde. Er wählt wieder die 110. „Da war ein riesiges Loch in der Tür“, beschreibt er. Die Polizei wusste da noch gar nicht, dass das der Tatort war.

Haji Adel Abdal (links) und Elias Kowan Badal kamen in der Früh in ihr aufgebrochenes Geschäft.

Um 8 Uhr kam der Angestellte Haji Adel Abdal (35) in den Tabakladen: Scherben, ein Loch in der Glastür, Chaos: Es fehlten alle Prepaid-Karten, die Zigarettenstangen und 300 Euro Bargeld. „Der Schaden liegt bei 10.000 Euro. Das ist viel für einen kleinen Laden wie uns“, sagt Abdal. Umso glücklicher ist er, dass es den Helden, wie er ihn nennt, gibt: Ansel. Der Chef des Tabakladens ist derzeit nicht in der Stadt. Aber er wird ihn belohnen für seinen Einsatz. Da ist sich Abdal sicher. Das helfen glücklich macht, hat auch Ansel erfahren. „Ich bin immer noch ganz happy.“ 

Jasmin Menrad

Eine ganze Serie von Fällen:

Am Donnerstag hatte die Münchner Polizei noch weitere Einbrüche in der Stadt zu bearbeiten. Ein spektakulärer Fall ereignete sich im Herzogpark auf der Baustelle einer in der Fertigstellung befindlichen Luxus-Villa. In der Nacht zum Freitag bemerkte der Wachmann, dass ein Unbekannter das mit einem Bauzaun gesicherte Grundstück betreten hatte. Er stellte den Mann, es kam zu einer Auseinandersetzung. Dabei verlor der Wachmann für etwa 30 Minuten das Bewusstsein, als er zu Boden stürzte. Ein weiterer Wachmann fand schließlich den verletzten Kollegen und alarmierte die Polizei.

Zu einer Serie von Einbrüchen war es wenige Stunden zuvor in Bogenhausen gekommen. In der Ortnitstraße waren unbekannte Täter zwischen 14 und 22 Uhr jeweils über Balkontüren in insgesamt drei Wohnungen eingestiegen. Sie entwendeten aus einer Wohnung ein Schlüsselbund sowie ein Fernglas. Was aus den beiden anderen Wohnungen geklaut wurde, ist noch unklar. Die Bewohner waren bei der polizeilichen Aufnahme nicht anwesend.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare