Großeinsatz nach Suizid

Das Drama im Asylheim: Woher kam die Tatwaffe?

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Die Asylbewerber-Unterkunft in der Neumarkter Straße in Berg am Laim wurde am Samstag Schauplatz eines Familiendramas.

München - Ein Drama in einer tschetschenischen Familie schockt die Gemeinschaft der Asylbewerber in der Neumarkter Straße. Die fünfköpfige Familie war im vergangenen Jahr nach München gekommen.

Dort beging am Samstag eine 28-jährige Mutter von drei kleinen Kindern Selbstmord. Sie hatte die scharfe Waffe ihres Ehemannes (38) an sich genommen und war damit mittags im Duschraum verschwunden …

Die fünfköpfige Familie war im vergangenen Jahr nach München gekommen. Im April dieses Jahres bezogen die Eltern mit ihren drei Buben (sieben, fünf und knapp zwei Jahre alt) eigene Räume in der neuen Asylbewerberunterkunft in der Neumarkter Straße. Am Samstag erschreckte ein ungewöhnlich lauter Knall die Bewohner. Er kam aus dem Damen-Duschraum im zweiten Stock. Jemand sah sofort nach. Was für ein Schock: Blutüberströmt und mit einem Loch im Kopf lag die 28-Jährige auf dem Kachelboden – tot. Kurz darauf stürmte der verständigte Ehemann der Frau in den Raum. In tiefster Verzweiflung griff er die neben seiner toten Frau liegenden Waffe und drückte fünf Mal ab. Die Projektile trafen die Wände und Kacheln, verletzten aber glücklicherweise keinen Menschen mehr.

In Panik rannten einige Bewohner auf die Straße. Der erste Notruf eines Passanten ging bei der Einsatzzentrale der Polizei um 12.43 Uhr ein. Wegen der zunächst unübersichtlichen Situation raste ein Großaufgebot von Blaulicht-Fahrzeugen – darunter 23 von der Polizei – nach Berg am Laim. Der Notarzt konnte der Frau nicht mehr helfen. Danach übernahm die Mordkommission den Fall. Am Sonntag gab die Polizei bekannt, dass es sich definitiv um einen Suizid handelte. Die 28-Jährige war depressiv. Sie hatte schon einmal versucht, sich umzubringen und war in der Psychiatrie behandelt worden.

Bilder: Tote Frau in Asylbewerberheim gefunden

Bilder: Tote Frau in Asylbewerberheim gefunden

Gegen den Ehemann wird wegen eines Waffendeliktes ermittelt. Er muss nun erklären, woher er die Waffe hat – eine österreichische Glock-Pistole Kaliber 9 mm. Die drei kleinen Buben des Paares werden zusammen in einem Kinderheim betreut.

In der Asylbewerber­unterkunft in der Neumarkter Straße leben 200 Menschen – überwiegend Familien aus Afrika. Das Haus gehört rein organisatorisch zur Bayern-Kaserne, wird von der Regierung von Oberbayern betrieben und von Mitarbeitern des Sozialdienstes der Inneren Mission betreut.

Dorita Plange

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