Berg am Laim

Kündigung: Volk-Verlag muss Hotelprojekt weichen

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Verleger Michael Volk muss für seinen Verlag bis Ende dieses Jahres neue Büroräume finden.

In Berg am Laim jagt ein Hotel- und Boardinghaus-Projekt das nächste. Dabei bleiben andere Firmen und Einrichtungen auf der Strecke. Nun trifft es den renommierten Volk-Verlag. Ihm wurde gekündigt, weil auf dem Areal ein neues Hotel entstehen soll.

München - Bis Ende des Jahres muss Verleger Michael Volk nach zwölf Jahren aus seinen Räumen in der Streitfeldstraße 19 ausziehen. Und bislang hat er noch keine Ahnung, wo es mit seinem Verlag weitergehen soll. Seine Not hat er sogar im Verlags-Newsletter thematisiert. „Auf unserer Suche nach einem neuen Verlags-Zuhause sind wir für jeden Hinweis dankbar.“ 150 Quadratmeter im Münchner Osten oder der Innenstadt sollten es sein, nahe der Stammstrecke, weil die Mehrzahl seiner insgesamt zehn Mitarbeiter öffentlich kommt. Es sollte finanziell passen, gerne auch was Besonderes sein – passend zum modernen bayerischen Verlagsprogramm.

Zwar hat sich Volk bereits einige Objekte angeschaut, hat selbst im Urlaub die Immobilienangebote durchforstet. Doch bislang war noch nicht das Richtige dabei. Zu groß, zu klein, zu teuer, zu abgelegen, zu renovierungsbedürftig – die Jagd nach neuen Räumen gestaltet sich schwierig. „Es hält einen nennenswert vom Tagesgeschäft ab“, sagt Volk.

Anfangs hieß es: Kündigung wegen Umbauarbeiten

Anfang des Jahres hatte der Verleger vom Verkauf der Immobilie an der Streitfeldstraße 17-19 erfahren, im Mai kam dann die lapidare Kündigung: wegen Umbauarbeiten. Inzwischen hat Michael Volk durch den Bezirksausschuss erfahren, dass an der Adresse ein Hotel geplant ist. Das Vordergebäude, in dem auch der Volk-Verlag sitzt, soll stehen bleiben und grundsaniert werden, mit zwei neuen Anbauten im Innenhof soll ein U-förmiges Gebäude samt Tiefgarage entstehen. Im Stadtteilparlament hatte man die Pläne abgelehnt. Die einspurige Streitfeldstraße mit Wohnungen auf der gegenüberliegenden Seite könne den Verkehr eines Hotels nicht verkraften. „Der Wille des Planungsreferats, das angrenzende Gewerbegebiet unbedingt zu erhalten, macht an dieser Stelle einfach keinen Sinn mehr“, schimpfte BA-Chef Robert Kulzer (SPD).

„Kommerzielle Gentrifizierung“

Für Michael Volk ist die Entwicklung eine Art kommerzielle Gentrifizierung, deren Dynamik in Berg am Laim seiner Meinung nach erst noch so richtig Fahrt aufnehmen wird. Für ihn selbst geht es jetzt aber erst mal um die Substanz seines Verlags, der 2014 vom Bayerischen Kultusministerium mit dem Bayerischen Kleinverlagspreis ausgezeichnet worden ist. Der Volk Verlag, so die Jury, zeichne sich durch gründlich recherchierte und sorgfältig illustrierte Publikationen zur Geschichte, Kunstgeschichte oder Architektur in Bayern aus, beleuchte oft ausgefallene Aspekte der bayerischen Kultur. „Solche aufwendigen Projekte brauchen Engagement und günstige Rahmenbedingungen“, verdeutlicht der Verleger.

Wie beispielsweise eine günstige Miete. Denn die Bücher tragen sich meist nicht selbst, zudem wird der Buchmarkt laut Volk immer schwieriger. Vom Preis der neuen Immobilie hänge ab, ob bestimmte Buchexperimente in Zukunft überhaupt noch realisiert werden können. „So toll manches Projekt auch ist, man muss es sich halt einfach leisten können.“

Ein bisschen Wehmut schwingt bei Michael Volk auch mit. Hier in Berg am Laim hat er den Sprung von der Garagenfirma zum etablierten Verlag geschafft. Sogar im Kulturpfad-Führer des Stadtviertels steht er drin. „Das ist einfach eine Epoche, die hier zu Ende geht.“ Wegen eines neuen Hotels.

Carmen Ick-Dietl

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