Äthiopischen Freund aussortiert?

Er wirft Club Rassismus vor – der löscht den Facebook-Post

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Lukas mit seinem Freund aus Äthiopien. Sie kamen beide nicht an den Türstehern des Clubs "Willenlos" vorbei.

München - Lukas wirft einem Münchner Club in einem Facebook-Post Fremdenfeindlichkeit vor. Er bekommt hunderte Likes und Kommentare. Statt Lukas zu antworten, löscht der Club den Post.

Dass Türsteher Gäste nicht reinlassen, ist keine Nachricht wert. Sie sortieren Gäste aus, weil sie zu wenig elegante Outfits tragen oder zu betrunken sind. Wenn Türsteher aber Gästen angeblich den Zutritt in den Club versperren, nur weil sie ihren Freund aus Äthiopien mitbringen, ist das eine Geschichte, die erzählt werden muss. Vor allem dann, wenn einer aus der Gruppe später auf der Facebook-Seite des Clubs einen langen Post hinterlässt und dieser nicht beantwortet, sondern gelöscht wird.

Genau das ist Lukas passiert. Der Club "Willenlos" an der Grafinger Straße im Münchner Osten hat Lukas' 240 Wörter langen Post entfernt, als dieser schon mehr als 3000 Likes und 500 Kommentare gesammelt hatte.

Lukas glaubt, sein Freund wurde wegen seiner Herkunft aussortiert

Screenshot von Lukas' Facebook-Post, den der Club "Willenlos" inzwischen gelöscht hat.

Lukas hatte darin sein Erlebnis von Freitagabend (6. November) aufgeschrieben. Ironisch schreibt er, dass es seiner Erfahrung nach eigentlich unmöglich sei, nicht in den Club der Kultfabrik reingelassen zu werden: "Der Einlass sollte uns vor keine größeren Probleme stellen, hatte ich den Edel-Club am Ostbahnhof doch bereits in Adiletten und Tanktop beehrt. Doch darin hatte ich mich getäuscht. Denn als der an besagtem Abend für die Einlasspolitik zuständige Sozialpädagoge meinen äthiopischen Begleiter identifizierte, war es um die Willkommenskultur plötzlich geschehen."

Auf Nachfrage unserer Onlineredaktion erzählt Lukas am Montag am Telefon, dass er mit zwei Freunden in der Schlange vor dem "Willenlos" stand – mit einem Äthiopier und einem Italiener. Zunächst habe ein Türsteher seinen italienischen Freund herangewunken, um seinen Ausweis zu kontrollieren. Als sein Begleiter aus Äthiopien ihm folgte, habe sich der zweite Türsteher eingemischt und gesagt: "Heute geht bei euch nichts."

Für Lukas war das ein Fall von Diskriminierung. Ein harter Vorwurf.

Er beteuert, dass er und seine zwei Freunde nicht betrunken und nicht schlecht angezogen waren. "Eine Diskussion mit dem Sicherheitspersonal wäre in der Situation zwecklos gewesen", ist er überzeugt. Er habe beobachtet, dass wenige Momente später andere Männer aus der Schlange in das "Willenlos" gehen durften.

Club "Willenlos": "Vorwurf ist nicht gerechtfertigt"

Der Club "Willenlos" reagiert auf Anfrage unserer Onlineredaktion auf Lukas' Vorwurf. Eine Sprecherin stellt klar: "Der Vorwurf ist nicht gerechtfertigt, weil wir nicht aufgrund von Herkunft oder Hautfarbe bestimmte Gäste raus- oder reinlassen." Jeder Gast, der draußen bleiben muss, stelle sich die Frage "Wieso ausgerechnet ich?". Und das habe "im 'Willenlos' sicherlich nie etwas mit der Hautfarbe zu tun. Wir vertrauen unseren Securitys", betont die Clubsprecherin.

Lukas kommt in seinem Facebook-Post nicht ohne Vorurteile aus

Lukas ärgerte sich in seinem Facebook-Post darüber, dass Türsteher, die selber seiner Vermutung nach nicht aus Deutschland kommen, seinen farbigen Freund aussortiert hatten – und ihn und den anderen Kumpel gleich mit. In seiner Wut über diese gefühlte Ungerechtigkeit kam Lukas jedoch selber nicht ohne Beleidigungen und Vorurteile aus (siehe oben, Screenshot des Facebook-Posts): "(...) mein Vorschlag: Rekrutiert euer Sicherheitspersonal künftig nicht mehr aus Kampfsportzentren an der tschechischen Grenze!"

Andere Facebook-User kritisierten ihn dafür. Er dürfe sich nicht beklagen, sein afrikanischer Freund sei diskriminiert worden, wenn er im nächsten Satz die Türsteher diskriminiere und die Clubbesitzer beleidige. Es ist nachvollziehbar, dass der Club eine Beschimpfung auf der Facebook-Seite entfernt. Allerdings wäre die geschicktere Reaktion gewesen, Lukas' Erlebnis zu kommentieren. Immerhin hatten schon hunderte Menschen den Post gelesen und weitererzählt.

Die Clubsprecherin sagt, dass sich das "Willenlos" aber bewusst für den anderen Weg entschieden habe, selbst bestimmen wolle, was auf der eigenen Facebook-Seite passiert. Der Club bietet Lukas an, sich noch einmal zu melden, um über seinen Vorwurf zu sprechen – persönlich und nicht auf Facebook. "Da sind wir offen."

Lukas hat nicht mit so vielen Likes und Kommentaren gerechnet

Mit der Dynamik, die sein Post entwickeln würde, hatte Lukas nicht gerechnet. "Ich bekam aber überwiegend positives Feedback, weil ich diese Benachteiligung überhaupt öffentlich gemacht habe", sagt Lukas unserer Onlineredaktion.

sah 

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