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Wo ist Papas Auto? Münchner fahndet mit ungewöhnlicher Anzeige

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Von: Laura Felbinger

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Der Münchner Karl M. vergaß den Parkplatz seines Autos. Nun bittet sein Sohn um Mithilfe beim Wiederfinden.
Der Münchner Karl M. vergaß den Parkplatz seines Autos. Nun bittet sein Sohn um Mithilfe beim Wiederfinden. © privat

Ein ungewöhnlicher Aufruf: Eine Münchner Familie sucht ihr Auto. Der Vater (85) hat es irgendwo in der Stadt geparkt, doch er weiß nicht mehr, wo.

München - Auto vermisst: Mit einer ungewöhnlichen Zeitungsannonce sucht Bernhard M. (51) nun schon seit Wochen nach dem weißen VW Golf seines Vaters Karl. Am 2. Dezember hatte der 85-Jährige das Auto irgendwo in München* am Straßenrand geparkt. Seither ist es spurlos verschwunden. Alle Versuche seiner Familie, das Auto zu finden, blieben erfolglos – auch auf die Annonce hin hat sich noch niemand gemeldet.

„Mein Vater hatte immer wieder kleine Gedächtnisausfälle, konnte aber noch sehr gut Auto fahren“, erzählt Bernhard M. Die Familie habe Anflüge von Demenz bemerkt, doch diese Tragweite war ihnen nicht bewusst. Am Mittwochnachmittag, 1. Dezember, hob Karl M. bei der Stadtsparkasse am Pfanzeltplatz Geld ab. „Das konnten wir nachprüfen“, erzählt sein Sohn. „Aber dann wollte mein Vater einen Freund in Ramersdorf besuchen und hat sich verfahren.“

München: 24 Stunden lang war der 85-Jährige weg: Seine Familie rief die Polizei

24 Stunden lang war der 85-Jährige weg. Seine Familie machte sich Sorgen und rief die Polizei*. Zur großen Erleichterung kam Karl am Donnerstag mit dem Taxi heim in die Heinrich-Wieland-Straße (Berg am Laim*). Zwei Männer hätten ihm geholfen, das Auto am Straßenrand abzustellen und ein Taxi zu rufen. Den Autoschlüssel hatte er dabei. An mehr erinnert sich der 85-Jährige nicht.

„Aufgrund dessen, was mein Vater seiner Erzählung nach fürs Taxi gezahlt hat, gehen wir davon aus, dass das Auto irgendwo im Münchner Osten steht“, sagt Sohn Bernhard – aber gewiss sei das nicht. Es handle sich um einen weißen VW Golf, Baujahr 2012 mit Münchner Kennzeichen: M-CP 1925. Wer das Auto findet, wendet sich bitte per E-Mail (lokales@tz.de) oder Telefon (089/5306–522) an unsere Lokalredaktion – wir leiten die Information dann weiter.

Herausforderung Demenz

Je älter Menschen werden, umso größer ist das Risiko einer Demenzerkrankung. Laut Bundesgesundheitsministerium ist etwa jeder Fünfte im Alter von 85 Jahren davon betroffen. Die Krankheit stellt Betroffene und Angehörige vor eine große Herausforderung. „Wie schnell die Krankheit fortschreitet, ist individuell und hängt auch von der Form der Demenz ab“, erklärt Martina Watzlaw von der Fachstelle für pflegende Angehörige bei den Maltesern. Bei der häufigsten Form, Alzheimer, werden die Menschen schleichend immer vergesslicher und orientierungsloser.

Bei der zweithäufigsten Form, der vaskulären Demenz, werden die kognitiven Fähigkeiten zwischen stabilen Phasen in Schüben immer mal wieder schlechter. „Alzheimer wird zu Beginn oft nicht als solcher erkannt“, sagt Watzlaw. Aufhalten lässt sich die Krankheit nicht, doch aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen hilft, eine Verschlechterung hinauszuzögern. Im Umgang mit demenzkranken Angehörigen ist Autofahren manchmal ein Problem. „Viele ältere Menschen wollen die Mobilität nicht aufgeben. Manche sind schlecht zu Fuß und auf das Auto angewiesen“, sagt Watzlaw. Fälle wie den aktuellen hat sie auch schon erlebt. „Solange nichts passiert, kann man rechtlich nicht dagegen vorgehen, dass diese Menschen immer noch Auto fahren.“

„Natürlich hoffen wir, dass das Auto wieder auftaucht“, sagt Bernhard M. Dennoch werde sich sein Vater dann nicht mehr hinters Steuer setzen. Seit dem Vorfall sei Karl M. sehr durch den Wind, frage immer wieder, wo denn das Auto sei. „Zum Glück ist mein Vater zumindest wohlbehalten nach Hause gekommen“, betont Bernhard M. (laf) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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