Flüchtlinge in Asylbewerberheim gepfercht

14 Quadratmeter für sieben Menschen!

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Die Eltern Omar und Muna mit ­Farah, Ruaida, Maha, Mahmud und Mohammed in ihrem Zimmer.

München - In der St. Veitstraße werden 78 syrische Kriegsflüchtlinge in ein Asylbewerberheim gepfercht. Sie alle müssen sich zwei Duschen teilen. Einer siebenköpfigen Familie stehen nur zwei Betten und 14 Quadratmeter zur Verfügung.

Sie kommen aus der Hölle von Aleppo, aus der vom Bürgerkrieg zerbombten Stadt im Westen Syriens. Alles, was sie haben, ist ihr Leben. Deutschland hat 10.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus diesem Land aufgenommen. 78 von ihnen wurden nun in der St. Veit-Straße in Berg am Laim in ein Asylbewerberlager gepfercht. Die Innere Mission ist entsetzt über die Zustände.

Die 6 und 14 Jahre alten Buben müssen auf dem Boden schlafen

Omar Hadad (45), seine Ehefrau Muna Hamami (36), die Töchter Farah (1), ­Ruaida (3), Maha (9) und die Söhne ­Mahmud (6) und Mohammed (14) haben ein 14-Quadratmeter-Zimmer in der Asylbewerberunterkunft, in der bereits 100 Menschen hausen müssen; das Haus wurde schon einmal wegen der behelfsmäßigen Zustände vom Sozialministerium zugesperrt und nach ein paar Reparaturen wieder geöffnet.

Zwei Stockbetten hat die syrische Familie zur Verfügung, deren Heimatstadt nur noch ein Trümmerfeld ist. Der Vater schläft mit dem kleinen Mahmud unten im Bett, die Mutter mit den zwei kleinen Mädchen oben, Mohamed und Maha müssen auf dem Boden nächtigen.

78 Syrer müssen sich zwei Duschen teilen

Das Asylbewerberheim in der St. Veitstraße ist auf so viele Familien nicht ausgelegt.

Die Flüchtlinge waren zunächst in Camps im Libanon, wurden nach Deutschland ausgeflogen, zunächst im Auffang­lager Friedland (Niedersachsen) aufgenommen, dann von der Bundesrepublik an Bayern überstellt. Hier waren sie erst in der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf, bevor sie nach München kamen – wo Wohnungen bekanntlich Mangelware sind. An der St.-Veit-Straße stehen für die 78 Syrer nur zwei Duschen zur Verfügung, außerdem eine Küche mit sechs Kochplatten, zwei Spülbecken ohne Tisch. Und niemand hilft den Menschen, die kein Deutsch können, sich zurecht zu finden. Die Regierung von Oberbayern, die sie dort untergebracht hat, erklärt nur: „Wir arbeiten intensiv an der Verteilung.“

Der Vorstand der Inneren Mission, Günther Bauer, ist erschüttert über die Bedingungen, die die Flüchtlinge vorfinden: „Die Bundesrepublik hat sie eingeladen, damit sie hier in Sicherheit und Frieden leben. Es ist aber beschämend, wie wenig Bundes- und Landesregierung auf die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet sind.“ Die Innere Mission stellte 10.000 Euro für die Betreuung der Syrer zur Verfügung. Die Helfer bitten um Spenden von Spielzeug, Kindersachen, Reinigungsmitteln, die bei der Diakonie in der Dachauer Straße 192 (Öffnungszeiten Mo, Di, Mi, Fr 9 – 16 Uhr, Do 9 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr) abgegeben werden können. Auch Geldspenden sind willkommen. Konto: 36 70 70 70 bei der HypoVereinsbank (BLZ 700 202 70), Stichwort „Syrische Kontingentflüchtlinge“.

Johannes Welte

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