Neumarkter Straße

Nachverdichtung: Anwohner fürchten Stau und Lärm

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Wohnen oder Gewerbe - wie soll die Nachverdichtung im Gewerbegebiet an der Neumarkter Straße aussehen? Die Anwohner sorgen sich wegen des Verkehrs rund um das Areal. 

München - Nachverdichtung ist derzeit das große Thema im Gewerbegebiet rund um die Neumarkter Straße in Berg am Laim. Ein altes Firmengelände nach dem anderen wird nach und nach neu bebaut: Auf dem Gelände des ehemaligen Pharma-Herstellers Temmler soll die „Macherei“ entstehen und aus der früheren Firmenzentrale des Maschinenbauunternehmens Hawe Hydraulik das „New Eastside Munich“ werden. Projekte, die mit klassischem Gewerbe nicht mehr viel zu tun haben. Stattdessen entstehen Büro- und Hotelbauten.

BA fordert seit Jahren Wohnungsbau

Im Bezirksausschuss Berg am Laim lösen die Pläne keine Jubelstürme aus. Seit Jahren reden die Stadtteilpolitiker auf die Stadt ein, dass die Auflösung der alten Gewerbestrukturen die einmalige Chance sei, das rund 22 Hektar große Gebiet in Richtung Wohnungsbau zu verändern. Zumal es sowieso wie eine Insel inmitten von Wohnsiedlungen liegt – und viele Eigentümer alter und sanierungsbedürftiger Gewerbeimmobilien nach eigener Aussage tatsächlich dort viel lieber Wohnungen bauen würden. Bislang aber wurden solche Vorstöße bei der Stadt immer abgelehnt.

Mischnutzung ist denkbar

Nun aber kommt offensichtlich Bewegung in die Sache. Die Stadt will eine Revitalisierung des mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommenen Gewerbegebiets – und würde bei einer Umstrukturierung mitspielen. In geeigneten Bereichen, beispielsweise in den Randzonen, könnte man sich durchaus eine Mischung mit Wohnungen vorstellen, erklärte der Vertreter der Stadtentwicklungsplanung, Franz Schlich-Trakies bei der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend. Allerdings sieht man im Planungsreferat die vorliegenden Neubaupläne der Firmen längst nicht so kritisch wie die Stadtteilpolitiker. „Wir freuen uns über den Aufschwung dieser Gegend“, meinte Baudirektorin Marion Wolfertshofer. Speziell Planungen fürs Temmler-Gelände seien ein guter Impuls fürs ganze Viertel.

München könne keine reine Wohn- und Schlafstadt werden, in der Firmen und Gewerbe in die Außenbereiche verdrängt würden. Zudem warnten die Vertreter aus dem Planungsreferat: Auch Wohnen erzeuge Verkehr. Ob die Firmenangehörigen mit ihren Autos nach oder aus Berg am Laim pendeln, laufe letztendlich auf die gleiche Belastung für Straßen und ÖPNV hinaus.

Die größte Sorge ist der Verkehr

Der Verkehr bereitet den Bürgern die größte Sorge – das wurde bei der gut besuchten Einwohnerversammlung deutlich. Ihnen geht es weniger um ein zukunftsträchtiges Konzept fürs Gewerbegebiet als um Lärm, Gestank und Stau vor ihrer Haustür. Gerade das Gebiet rund um die Neumarkter Straße mit seiner Nähe zur Autobahn und zum Mittleren Ring sei hoch belastet, schimpften mehrere Anwesende. „Wir sind auch skeptisch, ob wir vor Ort noch viel Verkehr vertragen“, sagte Bezirksausschuss-Chef Robert Kulzer (SPD).

Der Leuchtenbergring und die Kreuzung an der Berg-am-Laim-Straße seien ein Nadelöhr, gaben die Stadtvertreter offen zu. „Wir werden die Situation sehr genau unter die Lupe nehmen“, versprach Schlich-Trakies. Bei einem Verkehrskonzept soll es aber nicht nur um die Autos, sondern auch um bessere Wegebeziehungen quer durchs Viertel – auch über Firmengrundstücke – gehen.

Carmen Ick-Dietl

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