Im Werksviertel am Ostbahnhof

Neuer Konzertsaal: Das sind die Pläne!

Im Werksviertel soll ein „Kreativquartier“ entstehen. Jetzt hat der Ministerrat das Konzept von Kunstminister Spaenle gebilligt: Die Weichen für den Konzertsaal (gelb) seien „unumkehrbar“ gestellt.

München - Weltniveau, Weltniveau, Weltniveau! Kunstminister Ludwig Spaenle (54, CSU) ist nicht müde geworden, die Entscheidung für den Konzertsaal zu preisen. Nun steht also fest: Das Konzerthaus soll im Münchner Osten entstehen: im Werksviertel am Ostbahnhof. Klavier statt Knödel auf dem alten Pfanni-Gelände.

Minister Spaenle: „Das ist jetzt eine Grundsatzentscheidung, die die Staatsregierung getroffen hat.“ Spaenle sagte, der neue Konzertsaal mache einen Steigflug möglich. „Und zwar nach oben!“ Kritik kam von Ministerpräsident Horst Seehofer (66, CSU): Er könne nicht einsehen, warum ein Bebauungsplan bis 2017 dauern soll. „In Deutschland mag sowas sein, in Bayern darf es nicht sein“, so Seehofer. „Wir müssen schneller werden.“ Die tz klärt die wichtigsten Fragen:

Wie sieht das Konzept aus? 8500 Quadratmeter Grundfläche, ein Konzertsaal mit 1800 Plätzen. Ein kleiner Saal mit 300 Plätzen, Foyer, Gastronomie, Nebenräume. Das Symphonieorchester des BR solle ein „seinem Weltruf adäquates Residenz und Erstbelegungsrecht erhalten“, sagt Spaenle.

Wann kommt der Konzertsaal? Spaenle: „Wir werden bis 2018 im Werksviertel unumkehrbar die Weiche stellen.“ Ziel ist es, bis zum Sommer einen Architektenwettbewerb zu starten. Im besten Fall könnte dann im Herbst 2019 mit dem Bau begonnen werden. 2021 könnte Musik erklingen.

Was kostet er? Das Gelände gehört Pfanni-Erbe Werner Eckart. Er möchte nicht verkaufen, das Gelände in Erbpacht überlassen. Er verlangt einen Zins von 4,9 Prozent des Bodenwertes. Macht jährlich fast 600 000 Euro. Über 50 Jahre also 30 Millionen Euro. Für den Konzertsaal selbst gibt es noch keine Kostenschätzung.

Was spricht fürs Werksviertel? Spaenle nennt in erster Linie die „zeitliche Verfügbarkeit“. Es könne unmittelbar mit den Planungen begonnen werden. Die Kosten seien geringer als am Standort Paketposthalle. Im Werksviertel werde durch benachbarten Kunstprojekte und Startups ein „Kreativquartier“ entstehen, das „in ganz Europa seinesgleichen“ suche. Das Gelände ist frei, erschlossen und öffentlich gut erreichbar.

Entscheidung gefallen: Konzertsaal kommt an den Ostbahnhof

Was sprach gegen die Paketposthalle? Die Kosten: Allein der Grund hätte 45 bis 55 Millionen Euro gekostet, dazu bis 20 Millionen Euro Instandsetzung und 30 bis 40 Millionen für Fassade und Brandschutz. Auf 50 Jahre gerechnet: 100 Millionen Euro.

Was sagen die Landtagsfraktionen? SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher (46) pries die Entscheidung als „großen Erfolg für die Bürgerschaft“. Die Münchner hätten das Konzerthaus „gegen den Widerstand von Verzagtheit, Kleinmut und Ignoranz“ durchgesetzt. Sepp Dürr (61) von den Grünen rügte die Entscheidung als „bloße Willensbekundung“. Man brauche „nach Jahren des bloßen Geplappers endlich Fakten, Fakten, Fakten!“ Er forderte ein Finanzierungskonzept für den Konzertsaal. Michael Piazolo (56) von den Freien Wählern begrüßte Entscheidung grundsätzlich, kritisiert sie aber als „längst überfällig“. 

Das sagt der OB

OB Dieter Reiter (57, SPD) nennt den eingeschlagenen Weg „eine große Bereicherung“ für das neue Quartier am Ostbahnhof.“ Die Stadt stehe „selbstverständlich zu ihrer Zusage“, die Bemühungen des Freistaats „nach Kräften planungsrechtlich zu unterstützen“. Reiter: „Ein guter Tag für die Musikstadt München.“ Auch Bürgermeister Josef Schmid (56, CSU) lobt die Entscheidung – damit sei der Weg geebnet. „Es wird kein Zurück mehr geben. Der Standort München wird durch dieses kulturelle Leuchtturmprojekt gestärkt und belebt.“

Das sagt der BR

Mariss Jansons (72), Chefdirigent des Symphonieorchesters freut sich: „Das ist ein „großes Geschenk für die Münchner, die Bayern, die gesamte Musikwelt und nicht zuletzt für das Symphonieorchester und den Chor des Bayerischen Rundfunks!“ Der wichtigste Punkt eines neuen Saals sei, so Jansons, „eine erstklassige Akustik“. Auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm (54/Foto) sagt: „Ein Saal mit erstklassiger Akustik wird Spitzenkünstler aus aller Welt anziehen und auch die musikalische Nachwuchsarbeit befruchten.“ 

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