In Berg am Laim 

Posse um griechische Schule: Hellenen brechen Streit vom Zaun 

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Klassische Bildung am Bauzaun der griechischen Schule: Den Spruch „molon labe!“ schmetterte einst Spartaner-König Leonidas der persischen Übermacht entgegen. Die Griechen verloren die Schlacht, gewannen aber den Krieg. 

Nächster Akt in der Komödie um die griechische Schule in München: Wohl wegen unbezahlter Rechnungen der Hellenen hat die Baufirma den Zaun um die ins Stocken geratene Baustelle entfernt. Die Stadt ließ einen neuen aufstellen. Doch das könnte juristisch eine Art Übernahme darstellen. Zudem prangt am neuen Zaun ein Transparent, das provozieren soll: mit einer Kampfansage auf Altgriechisch.

Eine klassische Geschichte: Bei den Thermopylen kämpfte 480 v. Chr. ein großes persisches Heer unter König Xerxes I. gegen ein paar wenige Spartaner, die ihm den Weg nach Griechenland versperrten. Laut einem Bericht des Schriftstellers Plutarch soll König Leonidas I. von Sparta auf die Aufforderung von Xerxes, die Waffen niederzulegen, gerufen haben: „molon labe!“ Übersetzt heißt das so viel wie: „Kommt und holt sie euch!“ Die Worte gehören zu den bedeutendsten der Militärgeschichte. Und seit dem Wochenende zum Streit um die griechische Schule in Berg am Laim. Denn der Ausspruch findet sich dort auf einem Transparent am neuen Bauzaun wieder.

Dieser Zaun könnte Auslöser der martialischen Plakataktion sein. Denn am Wochenende hatte die ursprüngliche Baufirma das Gitter rund um die Ruine entfernt. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die Griechen Rechnungen im mittleren fünfstelligen Bereich nicht bezahlt haben. Die Stadt ließ daraufhin einen neuen Bauzaun errichten – zur Absicherung der Baustelle, die direkt neben dem Michaeli-Gymnasium liegt. Doch damit scheint nun zumindest juristisch eine neue Situation eingetreten zu sein. Tatsächlich war zu erfahren, dass die Rechtsexperten der Stadt den Vorgang prüfen. Denn das Areal, auf dem schon seit vielen Jahren eine griechische Schule stehen soll, gehört immer noch der Stadt. Der marode Rohbau gehört den Griechen. Diese könnten mit dem Verlust des Bauzauns auch den Anspruch auf das Areal verloren haben. Die Stadt wiederum hat das Gelände mit dem Errichten des neuen Bauzauns quasi okkupiert. „Das ist eine juristisch sehr interessante Frage, die nun zu klären sein wird“, sagte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl.

SPD-Fraktionsvize Verena Dietl sagte auf Anfrage: „Das ist ein neues Kapitel im Verwirrspiel um die griechische Schule, aber davon lassen wir uns nicht vom Ziel abbringen: Die Bauruine muss weg, damit wir endlich mit dem Schulbau beginnen können.“ Es gebe aber tatsächlich unterschiedliche Auffassungen über die Frage, in wessen Besitz das Grundstück nun ist. „Mit einem langen juristischen Streit ist aber niemandem geholfen, wir brauchen jetzt eine Entscheidung.“

Es ist der nächste Akt in der Komödie rund um den Neubau am Hachinger Bach. Vor 18 Jahren hatte die Stadt dem Staat Griechenland das Grundstück überlassen. Dort sollte Münchens erste griechische Schule entstehen. Der Rohbau steht, modert aber seit Jahren vor sich hin. Die Stadt könnte die Fläche selbst gut brauchen und klagte zwischenzeitlich auf Herausgabe. Zuletzt stand eine Einigung im Raum, aber es gibt noch Ärger um die Kosten. Die Stadt würde für das Areal 6,7 Millionen Euro zahlen, die Griechen hingegen hatten 8,1 Millionen gefordert sowie einen Ersatz der Investitionskosten für den Rohbau. Der städtische Gutachterausschuss hatte den Preis des Geländes lediglich mit 3,8 Millionen beziffert. Wie berichtet, hatte der Stadtrat vergangene Woche eine letzte Frist gesetzt. Die Griechen haben noch Zeit bis zum 10. April, das Angebot anzunehmen. Dann muss der Stadtrat eine Entscheidung treffen, auch eine weitere Klage ist denkbar. Das Kommunalreferat bereitet vorsorglich ein entsprechendes Schriftstück vor.

Die Auseinandersetzung ist durchaus heikel. Weil gegebenenfalls diplomatische Verwerfungen drohen, hatten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und auch das Auswärtige Amt zwischenzeitlich auf eine einvernehmliche Lösung mit Athen gedrängt. Wohl auch wegen der diplomatischen Fallstricke wollten sich gestern weder Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) noch OB Dieter Reiter (SPD) zum Zaun oder zum Transparent äußern. Die Stadt hat Letzteres gestern schnell entfernen lassen.

SASCHA KAROWSKI, CARMEN ICK-DIETL 

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